Die Eleganz der Sechziger

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15.10.2015

Die Eleganz der Sechziger

Hörsäle im Fachbereich Architektur modernisiert und wiedereröffnet

Der von 1967 bis 1969 als erster Neubau auf dem neuen Campus Lichtwiese errichtete und inzwischen denkmalgeschützte „Ostbau“ des Fachbereichs Architektur ist modernisiert: Drei Hörsäle sind fertig saniert – einer davon ist fortan nach dem Architekten Max Guther (1909-1991) benannt. Außerdem wurde die ehemalige Bereichsbibliothek in ein Lernzentrum verwandelt.

Blick in den nach dem Stadtplaner Max Guther benannten Architektur-Hörsaal. Bild: Thomas Ott
Blick in den nach dem Stadtplaner und Architekten Max Guther benannten sanierten Architektur-Hörsaal. (Bild: Thomas Ott)

„Hörsaal 93“ spielt im Veranstaltungsprogramm des Fachbereichs Architektur traditionell eine wichtige Rolle. Im Rahmen der seit 1968 gepflegten „Mittwoch-Abend-Vorträge“ haben in dem Saal an der El-Lissitzky-Straße 1 schon viele berühmte internationale Größen gastiert und ihr Publikum in den Bann gezogen. Künftig trägt der soeben sanierte Hörsaal mit 300 Plätzen – die typischen schwarzen Holzklappstühle wurden behutsam restauriert – den Namen des einst hier lehrenden Professors Max Guther.

Überhaupt ist der gesamte „Ostbau“ des Fachbereichs nunmehr saniert, technisch aufgewertet und gemäß neuester Brandschutzbestimmungen nachgerüstet. Der ab 1967 in Stahlbetonskelett-Bauweise gemäß des „Darmstädter Bausystems“ gefertigte Komplex war seinerzeit der „Pionierbau“ auf dem neuen Campus Lichtwiese – inzwischen ist er als Einzeldenkmal für die Denkmalliste vorgemerkt.

Mit Abschluss der Sanierungsphase stehen nunmehr drei moderne Hörsäle mit rund 80, 120 und eben 300 Plätzen zur Verfügung; durch geschickte Zuschnitte der Flächen konnte zudem ein Seminarraum für 60 Personen entstehen. Die bis 2013 im „Ostbau“ untergebrachte ehemalige Bereichsbibliothek ist zu einem Lernzentrum mit einer Nutzfläche von 390 Quadratmetern und 180 Lernplätzen hergerichtet worden. Der Clou in dem 6,50 Meter hohen Raum: Die beiden aparten kreisrunden Plattformen, die früher über Treppen zwei Ebenen erschlossen und die wie kleine UFOs zu schweben scheinen, wurden als markante Architekturzeichen erhalten. Und in den ehemaligen Bücheraufzug konnte die Anlage zur Luftumwälzung versteckt werden.

Insgesamt flossen für das Bauprojekt 4,4 Millionen Euro aus Landesmitteln im Rahmen des Hochschulpaktes 2020.

Zur Person: Max Guther (1909-1991)

Der international renommierte Architekt und Stadtplaner Max Guther studierte an der TH Stuttgart Architektur, arbeitete nach 1945 zunächst als Stadtbaurat in Wismar und lehrte an der dortigen Staatlichen Bauschule, danach wechselte er auf die Stelle des Stadtbaurats in Ulm. 1954 wurde Guther als Nachfolger von Karl Gruber auf die Professur für Städtebau und Siedlungswesen an die TH Darmstadt berufen. Gemeinsam mit dem Physiker Friedrich Beck und dem Soziologen Manfred Teschner bildete Guther 1969/70 das Direktorium der TH Darmstadt. Anfang der 1970er Jahre gründete er die Fachgruppe Stadt im Fachbereich Architektur. 1975 wurde Guther emeritiert. Für vielfältige „zukunftsweisende Initiativen bis in die Gegenwart“ wurde er mehrfach geehrt. So wurde ihm 1975 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen, 1982 erhielt er die Ehrendoktorwürde der TU München.

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