Auf die Sprachkenntnisse kommt es an

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22.06.2016

Auf die Sprachkenntnisse kommt es an

Bilanz der Koordinierungsstelle Flüchtlingsintegration der TU Darmstadt

Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni lässt Lars Hollmann, Leiter des Referats Willkommen und Wohnen im Dezernat Internationales, die letzten Monate Revue passieren.

Führung für Flüchtlinge durch die ULB. Bild: Patrick Bal
385 Geflüchtete hat die TU bei Orientierungstouren über Studienmöglichkeiten informiert. Bild: Patrick Bal

Im September 2015 entwickelte die TU Darmstadt einen ersten Maßnahmenkatalog zur Flüchtlingsintegration. Dazu zählten Angebote wie Gasthörerschaft und eine erste Campus-Orientierung. Sehr wichtig war es, eine zentrale Anlauf- und Koordinierungsstelle zu schaffen, die studierfähigen Geflüchteten Chancen und Perspektiven bietet, indem sie Wege zur (Wieder-) Aufnahme eines Studiums aufzeigt und auf diesem Weg begleitet. Das heißt ganz konkret: Beratungstermine zur individuellen Zeugnis- und Dokumentenüberprüfung, spezielle studienvorbereitende Deutschkurse, Vermittlung zu Kontaktstellen, die Möglichkeiten der Studienfinanzierung aufzeigen.

Eine große Herausforderung war hier von Anfang an die unübersichtliche Rechtslage, die Vielzahl unterschiedlichster Ansprechpartner, die unklare Studienfinanzierung und die Schaffung einer Infrastruktur, die die oft mangelnden Sprachkenntnisse ausgleicht. Denn der Schlüssel zu einer gelungenen Integration ist die Sprache.

Orientieren, informieren, kooperieren

Die im Oktober 2015 eingerichtete zentrale Koordinierungsstelle Flüchtlingsintegration der TU Darmstadt sammelt und ordnet die Fülle an Informationen und arbeitet in Arbeitskreisen z.B. mit Vertretern von Behörden daran, wie studieninteressierte Flüchtlinge den Weg an die Universität finden. Bis heute wurde viel erreicht: Gemeinsam mit Tutor International wurden in jeweils sechsstündigen Campus-Orientierungstouren 385 Geflüchtete über Zulassungsvoraussetzungen, Sprachkurse und Studienmöglichkeiten an der TU Darmstadt informiert. Rund 740 studieninteressierte Flüchtlinge wurden in den Sprechstunden oder telefonisch beraten, ungezählte Mail-Anfragen von Institutionen, privaten Unterstützern und Behörden wurden beantwortet. So lernten auch die Ansprechpartner der TU täglich dazu. Und sie haben ein Kompliment für ihre Kolleginnen und Kollegen der Behörden und anderen Institutionen parat – sie handelten trotz hoher Arbeitsbelastung nach wie vor konstruktiv, lösungsorientiert und motiviert.

Spenden für Sprachkurse

Erfolge der Anstrengungen sind auch anderswo sichtbar. Im Januar starteten die ersten studienvorbereitenden Sprachkurse am Sprachenzentrum und Studienkolleg. Deren Teilnehmer legen im Juli die für ein Studium notwendige Sprachprüfung ab und können zum Wintersemester ihr Studium an der TU Darmstadt aufnehmen bzw. das in der Heimat abgebrochene Studium fortsetzen. Aktuell nehmen 60 Männer und Frauen an speziellen studienvorbereitenden Sprachkursen mit unterschiedlichen Niveaus teil.

Das rasche Sprachkursangebot ist vor allem dem Engagement privater und institutioneller Förderer zu verdanken, die nach dem Spendenaufruf im November 2015 „TU Darmstadt hilft – Deutschkurse für studierwillige Flüchtlinge“ insgesamt rund 40.000 Euro spendeten. Das Geld wird für Lehrkräfte-Honorare und Unterrichtsmaterialien eingesetzt. Die Evonik-Stiftung leistete hier mit 30.000 Euro den größten Beitrag. Einer der Kursteilnehmer, der 26-jährige Syrer Al Baraa Al Rshid Abazid, bedankte sich anlässlich einer Feierstunde im April 2016 mit emotionalen Worten: „Wir alle haben viele und vieles verloren – aber unsere Träume nicht: Durch Ihre Spende können wir diese Träume leben und genau den Sprachkurs belegen, den der deutsche Staat nicht bezahlen kann. Sie geben uns die Chance zu lernen, wie ein Land nach einem schrecklichen Krieg den Wiederaufbau meistern kann und welche Werte und Gesetze ein Land groß machen können.“

Auf dem Weg zum Kompetenzzentrum

Jetzt folgen nächste Schritte: Die Koordinierungsstelle wird zu einem Kompetenzzentrum ausgebaut. Mit der Aufnahme des Studiums ergeben sich neue Fragen und Herausforderungen, etwa zu Finanzierungsmöglichkeiten während des Studiums. Zwar können anerkannte Asylbewerber prinzipiell BAföG beantragen, eine Gewährung ist aber nicht in jedem Fall gesichert. Rechtzeitige Beratung ist deshalb immens wichtig. Ebenfalls auf der „To-do“-Liste: Ausbau eines Buddy-Systems für den Studienstart sowie öffentliche Ringvorlesungen zum Thema Flucht und Migration.

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