550 Mal „Danke!“ für den Schlossgraben

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21.06.2017

550 Mal „Danke!“ für den Schlossgraben

Abschluss der TU-Spendenkampagne / Gartenanlage öffnet zum Heinerfest

Zum diesjährigen Heinerfest öffnet die TU einen weiteren großen Abschnitt des Schlossgrabens für die Darmstädter Bevölkerung. Aus dem überwucherten Areal rund um das Schloss ist seit 2013 ein zauberhafter öffentlicher Garten geworden – auch dank des großartigen Engagements der Darmstädterinnen und Darmstädter: 550 Personen, Familien, Firmen und Stiftungen brachten gemeinsam 231.000 Euro für das Projekt auf oder spendeten ihre Zeit bei Mitmachaktionen.

Blick in den neu gestalteten Teil des Schlossgrabens. Bild: Claus Völker
Blick in den neu gestalteten Teil des Schlossgrabens. Bild: Claus Völker

Die TU Darmstadt, die derzeit im Rahmen ihrer Bauautonomie das Darmstädter Schloss restauriert und modernisiert, begann im November 2013 mit der Neuanlage des Schlossgrabens, der seit Ende des Zweiten Weltkriegs brachgelegen hatte und vollkommen zugewuchert war. 2265 Quadratmeter Rasenfläche, 1060 Quadratmeter Wiese, 220 Quadratmeter Wasserflächen und 1050 Quadratmeter Wegeflächen wurden dort und auf der Bastion angelegt, 2165 Quadratmeter mit Sträuchern, Stauden und Rosen bepflanzt. Nachdem mit viel Augenmaß kranke oder geschädigte Bäume oder solche, die wild zu dicht an den Gebäuden wuchsen, entfernt worden waren, hielten 20 neue Bäume und Großsträucher Einzug in den Schlossgraben.

Ein Teilabschnitt, angelegt in der Tradition des früheren Landschaftsgartens, lud bereits seit 2014 zum Flanieren und Verweilen ein. Nunmehr ist die Anlage weitgehend komplett, und die Darmstädterinnen und Darmstädter können auch durch den westlichen Teil des Gartens und über die neu gestaltete Wallanlage streifen.

Anklänge an die Geschichte

Die Bastion. Bild: Claus Völker
Die Bastion. Bild: Claus Völker

Der westliche Garten steht unter dem Thema „Biodiversität“: Wiesen, die nur selten gemäht werden, sowie ein Teich bieten einer Vielzahl von Pflanzen und Insekten ein Zuhause; Schattenstauden ergänzen den Baumbestand. Die Pflanzen sind so ausgewählt, dass sie mit städtischem und sich wandelndem Klima gut zurechtkommen. Wie schon im Ostteil des Grabens – hier wurden Beete angelegt, die an die Vergangenheit der Anlage als Botanischer Garten erinnern – finden sich auch im Westteil Anklänge an die Geschichte: Ein Teich lässt ahnen, wie sich in früheren Jahrhunderten hier die Bebauung im Wassergraben spiegelte.

Möglich wurde all dies durch das Engagement von 550 Spenderinnen und Spendern, Unternehmen und Stiftungen. Gemeinsam brachten sie die Gesamtsumme von 231.000 Euro auf oder packten in Mitmachaktionen selbst an. Zum Spenderkreis gehören etwa der Heimatverein und Förderverein Darmstädter Heiner e. V., die Sparkasse Darmstadt, die ENTEGA Stiftung und die Merck’sche Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft e.V. Insbesondere die DR.-ING. SCHMITT GmbH brachte mit einer großen Spende gleich zu Beginn die Kampagne in Fahrt. „Ich bin zutiefst berührt – und dankbar für die große Bereitschaft der Stadtgemeinschaft, für den Schlossgraben aktiv zu werden“, sagt TU-Kanzler Dr. Manfred Efinger. Ernst Freiherr von Ledebur ist Spender und Teilnehmer an den Mitmachaktionen. „Ich bin froh, dass sich die Technische Universität nicht nur durch Forschung und Lehre für die Belange der Gesellschaft und Bürgerschaft einsetzt, sondern uns Darmstädtern vor Ort eine ,grüne Oase‘ mitten in der Stadt schenkt. Daher ist es für meine Familie selbstverständlich, dass wir unseren Teil zu einer gelingenden Stadtgemeinschaft beitragen“, erläutert er.

Die „unsichtbaren“ Arbeiten

Der historische Brunnen auf der Bastion mit seiner Renaissance-Schüssel. Bild: Claus Völker
Der historische Brunnen auf der Bastion mit seiner Renaissance-Schüssel. Bild: Claus Völker

Wege, Treppen, Teiche, Beete, Bäume, Bänke, Nistkästen und Fledermaushöhlen sind Gestaltungselemente und „Mobiliar“ der grünen Oase. Der mit knapp 30.000 Euro teuerste Einzelposten war der historische Brunnen auf der Bastion mit seiner Renaissance-Schüssel, der unter anderem dank ENTEGA Stiftung, Merck’scher Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft sowie der Leserinnen und Leser des „Darmstädter Echo“ zu neuer Pracht gelangte. Die Arbeiten im Graben beschränkten sich jedoch nicht auf diese sichtbaren Veränderungen, sagt Heiko Feuchter vom Dezernat Baumanagement und Technischer Betrieb der TU, das die Restaurierung von Graben und Schloss betreut: „Ein großer Teil der Spenden wurde darauf verwendet, den Boden so herzurichten, dass hier überhaupt wieder etwas außer Unkraut wachsen konnte.“ Aus dem Erdreich mussten Abfälle von Jahrzehnten und Überbleibsel aus dem Krieg entfernt werden, Mutterboden und Substrat wurden aufgebracht.

Bereits seit dem 13. Jahrhundert gibt es den Darmstädter Schlossgraben – seinerzeit als wassergefüllter Wehrgraben konzipiert, wurde er erst 1814 trocken gelegt, um Platz für einen Botanischen Garten zu schaffen. Die Initiative von Großherzog Ludwig I. erwies sich als folgenreich. Die nun trocken fallende Eichenpfahlgründung des Schlosses begann zu faulen, und die Schlossanlage war in ihrer Standsicherheit gefährdet. Die Fundamentierung musste in den vergangenen Jahren im Zuge der Schloss-Sanierung aufwendig unterfangen und gesichert werden.

Die Sanierung ist auch der Grund, warum ein kleiner Teil im Süden und Südwesten des Grabens sich derzeit noch verwildert präsentiert. Erst wenn die Renovierung des De-la-Fosse-Baus im Jahr 2020 abgeschlossen ist und die Flächen nicht mehr für die Einrichtung der Baustelle benötigt werden, kann auch hier gejätet werden. In diesem Bereich wird dann eine Streuobstwiese das Stadtbild bereichern.

Ein „Krönchen“ für die Spenderinnen und Spender

Die TU bedankt sich zum Ende der Spendenkampagne mit einem Gartenfest im Stile der Biedermeierzeit beim Kreis der engagierten Unterstützerinnen und Unterstützer. „Das Engagement war außergewöhnlich“, sagt Manfred Efinger. „Wir sagen 550 Mal ,Danke‘ und möchten jedem Spender und jeder Spenderin beim Fest symbolisch ein ,Krönchen‘ aufsetzen.“ Wer möchte, kann Fotos der Aktion mit nach Hause nehmen. Die Namen der besonders engagierten Spenderinnen und Spender sind künftig auf Tafeln in der Nähe der Wallbrücke verzeichnet.

Eine Chronik des Darmstädter Schlossgrabens

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