Auf die Herausforderungen des Lebens vorbereiten

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23.06.2017

Auf die Herausforderungen des Lebens vorbereiten

Drei Fragen an Verena Spatz, Juniorprofessorin für Didaktik der Physik

Prof. Dr. Verena Spatz ist seit Oktober 2016 Juniorprofessorin für Didaktik der Physik. Ihr Ansatz: Physikunterricht als Teil der Allgemeinbildung soll junge Menschen dazu befähigen, auf Grundlage ihrer Kenntnisse an den gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen verantwortlich mitzuwirken. Besonders wichtig sei es aber auch, eine positive, offene Grundhaltung gegenüber naturwissenschaftlichen Fragestellungen in der Schule zu entwickeln und über die Schulzeit hinaus zu erhalten. Prof. Dr. Spatz im Interview.

Juniorprofessorin Verena Spatz während eines Versuches mit Studierenden. Bild: Jan-Christoph Hartung
Juniorprofessorin Verena Spatz während eines Versuchs mit Studierenden. Bild: Jan-Christoph Hartung

Jeder erinnert sich wohl an die Versuche mit der schiefen Ebene im Physikunterricht. Was hat sich in den vergangenen Jahren bei der Vermittlung physikalischen Wissens verändert?

Verena Spatz: Als ich im vergangenen Herbst an die TU Darmstadt kam, wurde bei einem unserer ersten Treffen in der Arbeitsgruppe die Frage aufgeworfen, woran man die von uns ausgebildeten Physiklehrkräfte erkennen soll, wenn man einen Klassenraum betritt. Schnell waren wir uns einig, dass neben der Sinngebung der Lerninhalte aus der Lebenswelt auch die Aktivierung der Schülerinnen und Schüler wesentlich erscheint, z.B. im forschend-entdeckenden Unterricht.

Auch in einem solchen Unterricht könnte die traditionelle schiefe Ebene zum Einsatz kommen, allerdings in einem sehr viel lebendigeren Setting. Motiviert durch das Rad- oder Skifahren an einem Hang könnten Lehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, eigene Fragestellungen zu den Kräfteverhältnissen zu entwickeln und hierzu geeignete Experimente – beispielsweise an der schiefen Ebene – zu planen, durchzuführen und auszuwerten.

In letzter Zeit scheint es konsensfähig zu werden, wissenschaftlich fundierte Tatsachen in Frage zu stellen und ihnen sogenannte alternative Fakten gegenüberzustellen. Inwieweit ist hier auch die Fachdidaktik in der Pflicht, künftige Lehrerinnen und Lehrer so auszubilden, dass sie diese Tendenzen auffangen können?

Spatz: Wie eben bereits angeklungen, sollten zukünftige Lehrkräfte im Rahmen ihrer fachdidaktischen Ausbildung befähigt werden, sinnstiftende und aktivierende Lernangebote zu entwickeln, die das Denken der Schülerinnen und Schüler herausfordern. Schulischer Physikunterricht als Teil der Allgemeinbildung soll dazu beitragen, dass junge Menschen ihre Persönlichkeit entfalten, um auf die Herausforderungen des Lebens vorbereitet zu sein. Durch die gesellschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit, wie etwa die Probleme der Erderwärmung, der Energieversorgung oder eben auch der Verbreitung sogenannter Fake-News, werden hier naturwissenschaftliche Grundlagen immer wichtiger. Bildung kann jedoch nicht einfach von den Lehrkräften an ihre Schülerinnen und Schüler weitergegeben werden. Gemeint ist – in Anlehnung an den kürzlich verstorbenen deutschen Erziehungswissenschaftler Klafki – vielmehr eine aktive Auseinandersetzung mit der Welt, die immer wechselseitig geschieht: Dadurch, dass sich Schülerinnen und Schüler die Welt erschließen, sind sie auch aufgeschlossener für die Welt.

Bei einem von Ihnen organisierten Fachdidaktik-Symposium möchten Sie ein interdisziplinäres fachdidaktisches Netzwerk an der TU Darmstadt etablieren. Wie können die Beteiligten davon profitieren?

Spatz: Im Rahmen des aktuellen Vorhabens „MINT plus“ des Zentrums für Lehrerbildung leite ich gemeinsam mit Frau Prof. Dr. Regina Bruder die Teilkomponente „Netzwerk Lehre & Forschung“. Hierbei sollen unter anderem gute Strukturen geschaffen werden, um Forschungskooperationen im Bereich von Lehren und Lernen über die Fächergrenzen hinweg zu initiieren. Da dies voraussetzt, dass die jeweiligen Expertisen bekannt sind, ist ein Austausch zu aktuellen Forschungsaktivitäten und -ergebnissen notwendig. Das Fachdidaktik-Symposium soll diesen Austausch anregen.

Fachdidaktik-Symposium

30. Juni 2017, 10-15.30 Uhr, Instituts- und Verwaltungsgebäude S3|20, Rundeturmstraße 10, 64283 Darmstadt

An der TU Darmstadt wird in vielfältigen Bereichen fachdidaktisch geforscht. Dabei involviert sind die Fachdidaktiken im allgemeinbildenden Bereich und im beruflichen Bildungsbereich, vertreten durch Professuren, wissenschaftlich Mitarbeitende, abgeordnete Lehrkräfte und Lehrbeauftragte. Wenngleich sich hier einzelne Kooperationen etabliert haben, kann jedoch kaum davon ausgegangen werden, dass „jede jeden“ und die jeweiligen Arbeitsgebiete kennt. Mit dem Ziel, ein fachdidaktisches Netzwerk an der Universität zu initiieren und zu etablieren, findet unter der Federführung der Physikdidaktik (Verena Spatz) und Technikdidaktik (Ralf Tenberg) mit dem Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) ein Fachdidaktik-Symposium statt.

Das Forum interdisziplinäre Forschung (FiF) unterstützt die Veranstaltung, die Vorträge und Poster aus den Gebieten der Didaktik der Naturwissenschaften, der Medien-, Mathematik- und Technikdidaktik sowie der Didaktik beruflicher Domänen (Informatik, Metall-, Elektro-, Chemie- oder Bautechnik) umfassen wird.

Die Teilnahme an der Veranstaltung, die sich an Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker an der TU richtet, ist nur mit Anmeldung möglich:

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