„Die Natur kennt keinen Lärm"

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23.04.2013

„Die Natur kennt keinen Lärm"

TU Darmstadt beteiligt sich an internationalem Aktionstag

Was ist Lärm? Wo ist es in Darmstadt besonders laut? Wann hört das Rockkonzert auf und fängt der Gehörschaden an – und wie klingt die Welt, wenn der Hörsinn geschädigt ist? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der „Tag gegen Lärm“, an dem sich das Fachgebiet Systemzuverlässigkeit und Maschinenakustik an der TU seit fünf Jahren mit Experimenten und Aktionen beteiligt.

Nahaufnahme eines Messgerätes. Bild: Paul Glogowski
Ein tragbares Messgerät analysiert Geräusche. Bild: Paul Glogowski

Das Fachgebiet hatte in diesem Jahr gemeinsam mit dem Umweltamt und dem Vermessungsamt der Stadt Darmstadt eingeladen zu einführenden Vorträgen über Lärm, Lärmaktionspläne und Lärmkartierung und zu Informationsständen an der Innenstadt-Mensa. Außerdem führte ein „Lärmspaziergang“ durch Gebäude des Campus‘ Stadtmitte und den Herrngarten bis hin zur Frankfurter Straße.

Wichtigstes Utensil: ein tragbares Messgerät, mit dessen Hilfe Dr.-Ing. Joachim Bös vom SzM die vermeintliche Ruhe im Park entlarvt als Mischung aus Vogelgezeter, krachendem Kies unter Schuhsohlen und sausenden Fahrradreifen. Um die 67 Dezibel zeigt das Display – und doch fühlt sich niemand gestört. „,Lärm‘ ist sehr subjektiv“, erklärt Joachim Bös.

Wenn ein Geräusch das Wohlbefinden beeinträchtige, verstehe man es als „Lärm“. Und ob jemand sich beeinträchtigt fühle, hänge von vielen Faktoren ab: Gesundheitszustand, der Art des Geräuschs, der Uhrzeit, aber auch davon, ob jemand das Geräusch oder die Lärmquelle als positiv empfinde oder sie sogar absichtlich aufsuche, wie etwa bei einem Diskobesuch oder Rockkonzert.

Dr. Joachim Bös demonstriert vor Pressevertretern ein Lärmmessgerät im Herrengarten. Bild: Paul Glogowski
Sind 67 Dezibel schon Lärm? Kommt darauf an, erläutert Dr. Joachim Bös beim „Lärmspaziergang“. Bild: Paul Glogowski

Die Geräusche der Stadt – Straßenbahnen, Martinshörner, Baustellen – dringen nur gedämpft zu den Herrngarten-Besuchern vor, die auf den Wiesen dösen, im Biergarten Mittagspause machen oder über die Wege schlendern. „Bäume und Büsche spielen eine große Rolle bei der Lärmminderung“, erläutert Harry Korn vom Vermessungsamt der Stadt.

Direkt an der Geräuschquelle – in diesem Fall die Frankfurter Straße gleich am Willy-Brandt-Platz – hört sich das schon anders an. Als die Straßenbahn nach Arheilgen vorbeirattert, blickt Joachim Bös auf sein Messgerät. „In der Spitze habe ich kurz die 89 Dezibel aufblitzen sehen.“ Anfahrende Autos und Hupkonzerte, Bus und Bahn können dann durchaus zur Belastung für Anwohner und Passanten werden. Lärmgrenzwerte gibt es indes nicht, wie Birgitt Kretzschmar vom Umweltamt der Stadt erklärt.

Lärm durch Technik in den Griff bekommen

Was beim „Tag gegen Lärm“ exemplarisch und allgemeinverständlich vorgeführt wird, ist an der TU Gegenstand intensiver Forschungen und Untersuchungen. Im von Professor Dr. Holger Hanselka geleiteten Fachgebiet Systemzuverlässigkeit und Maschinenakustik SzM wird unter anderem die physikalische Entwicklung von Geräuschen untersucht – die Ergebnisse liefern Hinweise, wo Störungen liegen und wie Maschinen optimiert werden können. Und auch Lärmschutz ist den Wissenschaftlern ein Anliegen. „Die Natur kennt keinen Lärm, der kam letztlich erst mit der Technik“, erläutert Joachim Bös. „Wir im Fachgebiet sagen: Deshalb muss man Lärm auch durch Technik wieder in den Griff bekommen.“

sip

So klingt die TU Darmstadt – eine Hörprobe

Anlässlich des Tags gegen den Lärm haben wir eine kleine Auswahl von Geräuschen und Eindrücken aus der Universität gesammelt – vom Mensalärm bis zum hallenden Flur im Alten Hauptgebäude. Viel Spaß beim Reinhören!

Vorlesung im Audimax:

Essensausgabe in der Mensa:

Sonne genießen im Herrngarten:

Flur im Alten Hauptgebäude:

Schreiben in der karo lounge:

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