Praxiserfahrungen nach sieben Wochen Theorie

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16.12.2013

Praxiserfahrungen nach sieben Wochen Theorie

Erstsemester tüfteln an neuer Energiespeicherung für Fahrräder

Im Rahmen der Studieneingangsprojekte „Einführung in den Maschinenbau“ (embKivA) hatten die jungen Studierenden der Studiengänge Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen den Auftrag, ihre ersten theoretischen Grundlagen für ein Problem aus der Praxis zu nutzen.

Sarah Kern und Alicia Jester von der Projektgruppe "Hydraulic Spring Bike" besprechen das Getriebe, das ihre Gruppe sich ausgedacht hat. Bild: Patrick Bal
Sarah Kern und Alicia Jester von der Projektgruppe „Hydraulic Spring Bike“ besprechen das Getriebe, das ihre Gruppe sich ausgedacht hat. Bild: Patrick Bal

Das Problem, das es zu lösen galt, kennen viele Studierende selbst aus ihrem Alltag: Man fährt mit dem Fahrrad durch die Stadt, hat sich Schwung erarbeitet, der einem an der nächsten roten Ampel wieder ersatzlos gestrichen wird.

„Back to the Roots“ lautete das inoffizielle Motto, das den Studierenden in der Aufgabenbeschreibung des Projektskriptes mitgegeben wurde und meint eine mechanische Weiterentwicklung von bisher etablierter Technologie: Elektrofahrräder gibt es schon, jedoch haben sie mit langen Akkuladezeiten und der Abhängigkeit von Steckdosen ihre Nachteile. Neue Lösungswege sollten nun von den Studierenden gefunden werden, um Radfahrern Unterstützung im Stadtverkehr zu bieten.

Von der Theorie in die Praxis

Nach sieben Wochen Lehrveranstaltungen in ihren Studiengängen mit viel Theorie und Grundlagen konnte in der ersten Dezemberwoche für die jungen Studierenden die Arbeit an einem konkreten Projekt beginnen.

Das Skript gab erste Hilfestellung mit einer Einführung in das Thema sowie Hinweisen zur Entwicklungsmethodik im Ingenieurwesen und wirtschaftswissenschaftlichen Perspektiven, die es zu beachten galt. Im Team sollte eine Lösung gefunden werden, die sowohl die technische Planung und Auslegung als auch die wirtschaftliche Umsetzbarkeit adressiert.

Schritt für Schritt

Frederik Mankel und Johannes Lutz von der Projektgruppe "KERBI" präsentieren die Fahrradkonstruktion ihrer Gruppe. Bild: Patrick Bal
Frederik Mankel und Johannes Lutz von der Projektgruppe „KERBI“ präsentieren die Fahrradkonstruktion ihrer Gruppe. Bild: Patrick Bal

Am zweiten Tag der Projektwoche haben die beiden angehenden Wirtschaftsingenieure Frederik Mankel und Johannes Lutz mit ihrer Gruppe die Arbeit an der Themenstellung aufgenommen. „Eine willkommene Abwechslung“ sei das Projekt zur bisherigen Theorievermittlung, sagt Johannes Lutz. Auch sein Kommilitone Frederik Mankel pflichtet ihm bei, das Projekt sei eine gute Gelegenheit, die beiden Fachrichtungen zu verbinden und erste erlernte Grundlagen in der Praxis umzusetzen.

Um mit der Gruppe eine Entscheidung für einen Lösungsweg zu finden, haben sie Kleingruppen gebildet, um so die unterschiedlichen Optionen genauer prüfen zu können. Johannes ist noch etwas skeptisch, was die Umsetzung anbelangt: „Warum wurde noch keine Lösung für dieses Problem gefunden? Wo ist der Haken?“ fragt er sich.

Auch Alicia Jester und Sarah Kern, beide Maschinenbaustudentinnen im ersten Semester, gefällt die Idee des interdisziplinären Studieneingangsprojektes. Im Gegensatz zur Vorlesung sind sie hier gefragt, eigene Ideen zu entwickeln, so Sarah, der insbesondere gefällt, dass alle Beteiligten am Thema interessiert sind und der Austausch zum Projekt sie weiterbringt. Das Thema ist für beide Studentinnen durch seine Alltagsrelevanz interessant. Auch sie wollen durch einzelne Kleingruppen innerhalb der eigenen Projektgruppe zu einer individuellen Lösung gelangen.

Die Spurensuche beginnt für die insgesamt rund 670 Studierenden, die innerhalb einer Woche ein fertiges Konzept erarbeiten sollen, um den Vorschlag anschließend einer Jury aus Wissenschaft und Industrie zu präsentieren.

KERBI und Hydraulic Spring Bike

Am Freitagvormittag geht es an die letzten Arbeitsschritte für die große Abschlussveranstaltung. Fünf Tage haben die insgesamt 60 Gruppen zusammen mit 80 Fach- und Teambegleitern und knapp 20 Help-Desk-Mitarbeitern an ihren Lösungsansätzen gearbeitet.

Eine Einigung für eine Vorgehensweise musste inzwischen gefunden werden, erste Ideen wurden zum Teil nochmal überdacht, verworfen oder optimiert. Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Help-Desk wurden geführt, Experten der zahlreichen Fachgebiete aus Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften wurden mit Fragen zu Grundlagen, technischen Zusammenhängen oder Prinzipien der Vermarktung und Wirtschaftlichkeit überhäuft.

Die Gruppe von Alicia und Sarah hat sich eingespielt und konstruktiv an beiden Blickwinkeln aus Technik und Wirtschaft gearbeitet. Das „Hydraulic Spring Bike“ ist das Produkt einer intensiven Woche. Ein eigenes Getriebe hat die Gruppe sich ausgedacht, das mittels einer Hydraulikpumpe eine Feder spannt, deren Energie am Fahrrad nach Bedarf wieder eingesetzt werden kann. Alicia und Sarah sind überzeugt von der Idee, kleine Einblicke in die Arbeit anderer Gruppen mit zum Teil professionell wirkenden alternativen Ansätzen lassen jedoch auch Respekt aufkommen.

Auch Johannes und Frederik sind zufrieden mit ihrem Team und dem Ergebnis. Ihre Gruppe hat einen anderen Ansatz gewählt, um Interdisziplinarität zu nutzen und sich die technischen und wirtschaftlichen Fragestellungen je nach Fach aufgeteilt und bearbeitet. „KERBI“, ein Fahrrad, das durch Eindrehen von Elastomeren Energie speichert und anschließend wieder bereitstellt, ist der daraus entstandene Lösungsvorschlag des Teams.

Ein Platz unter den ersten drei Siegerteams ist es für die zwei Maschinenbaustudentinnen und ihre zwei Kommilitonen aus den Wirtschaftsingenieurwissenschaften leider nicht geworden, aber sehr gut gefallen hat ihnen die erste Praxiserfahrung. Neben einem Lerneffekt und neuen Erfahrungen sind auch die ersten Verabredungen mit den übrigen Teamkollegen schon geplant – diesmal für die Freizeit.

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