Alles dreht sich

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28.03.2014

Alles dreht sich

Fahrradwerkstatt »Zwanzig Grad« auf dem Campus Stadtmitte

Wer sein Rad liebt, der schiebt. Besonders, wenn es einen Defekt hat. Die vom AStA betriebene Fahrradwerkstatt am Audimax bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Seit Dezember 2012 ist »Zwanzig Grad« geöffnet – das Angebot kommt an.

Selbst Hand anlegen und das Fahrrad ist bald wieder flott. Bild: Katrin Binner
Selbst Hand anlegen und das Fahrrad ist bald wieder flott. Bild: Katrin Binner

Etwas unbeholfen hält Nadezkda den abmontierten Fahrradreifen in die Höhe. Sie hat Kleber auf dem Gummi verteilt, der nun erst antrocknen muss, bevor der orangegezackte Flicken haftet und den Schlauch wieder abdichtet. »Das habe ich zum ersten Mal gemacht«, lacht sie und beäugt die eigene Reparaturleistung skeptisch. Ob das hält? Im »normalen« Leben studiert sie Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt. Ein platter Reifen kommt da selten vor, dafür aber vermutlich das Thema knappe Kassen.

Deshalb ist die Studentin auch hier: Fahrradreparaturen sind in der studentischen Werkstatt »Zwanzig Grad«, gleich unterhalb des Audimax auf dem Innenstadtcampus, günstig. Ersatzteile gibt es massenhaft, freundliche Beratung auch und das Ganze für wenig Geld. Nur reparieren und Hand anlegen muss man selbst.

Der Laden brummt

Es ist kurz nach 17 Uhr an einem trüben Mittwoch. Die Werkstatt hat gerade erst zehn Minuten offen, da stehen schon zwölf Kunden mit ihren Rädern vor und im Ladenraum. Seit Dezember 2012 hat »Zwanzig Grad« geöffnet. Der Laden brummt. »Täglich kommen zwischen 20 und 30 Interessierte«, sagt AStA-Referent Stephan Voeth.

Im ersten halben Jahr wurden allein 400 Fahrradschlauchflicken verbraucht. Das Projekt war die Idee der studentischen Hochschulgruppe »Nachhaltigkeit«, der AStA griff sie auf, die Universitätsleitung unterstützte den Bau finanziell und trägt Miete und Nebenkosten.

Die zwei Werkstatträume sind gefüllt mit Werkbänken, Luftkompressor, Reinigungs-Apparaturen und jeder Menge Ersatzteilen – von der Fahrradkette über Nabenschaltungen bis zum Rücklicht. Ein Dutzend Alträder hängt unter der Decke. Die werden ausgeschlachtet. »Wer will, kann sie sich auch zurechtmachen und mitnehmen«, sagt Voeth.

Wer kommt, kann gegen Pfand eine Werkzeugkiste ausleihen und sich ans Werk machen. Gezahlt wird keine Gebühr, sondern eine Spende. »Jeder gibt so viel es ihm oder ihr wert ist«, erklärt der AStA-Sprecher für gewerbliche Referate das Prinzip. Finanziell geht das noch nicht ganz auf, die Kosten für Personal und Werkzeug in Höhe von 15.000 Euro übersteigen bisherige Einnahmen von 5.300 Euro. »Wir appellieren ans Gewissen«, sagt Voeth. Manch einer nutze das aus, andere gäben mehr als nötig.

Ein Traum für jeden Rad-Freak

Den Namen »Zwanzig Grad« trägt die Werkstatt in Anlehnung an die dort vorgeschriebene Raumtemperatur, deshalb die kalauernde Schreibweise »20 G-Rad«. Bild: Katrin Binner
Den Namen »Zwanzig Grad« trägt die Werkstatt in Anlehnung an die dort vorgeschriebene Raumtemperatur, deshalb die kalauernde Schreibweise »20 G-Rad«. Bild: Katrin Binner

»Zwanzig Grad« erhält selbst viele Spenden. »Wir haben eine Kooperation mit der Stadt«, erzählt Voeth. Die trug der Werkstatt zuerst kürzlich drei Wagenladungen voller Räder ein. Drahtesel, die seit Wochen herrenlos herumstehen, liegen oder angekettet sind, sammelt die Stadt ein. »Wir fahren dann mit einem Bolzenschneider mit und dürfen sie losschneiden«, freut sich Voeth. Ein Traum für jeden Rad-Freak.

Sechs Mitarbeiter, die eine Aufwandsentschädigung bekommen und viele ehrenamtlichen Helfer unterstützen die Werkstatt. Darunter ist auch Philipp Wendel. Er studiert Physik und hat hier mal sein Rad repariert. »Ich fand die Idee cool.« Seither kommt er ein- bis mehrmals die Woche zur Aushilfe. »Es macht Spaß. Man lernt auch selbst viel dabei«, sagt er.

Konkurrenz will »Zwanzig Grad« den örtlichen Radläden nicht machen. »Wir verstehen uns als Ergänzung«, so Voeth. Der AStA will Studierenden günstig Hilfe bieten, die Radnutzung stärken und für Nachhaltigkeit werben. »Wir nutzen gebrauchte Teile, bei uns kommt nichts in den Müll. Und Radfahren schont die Umwelt.«

Lesen Sie diesen und weitere Artikel in der neuen hoch³ – online und ab dem 01. April an den Auslagestellen [zur hoch³ 2/ 2014]

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