Porträt_Kirch

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Olaf Kirch

Olaf Kirch als Keynote Speaker auf der LinuxCon Europe 2014 Bild: Krd (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons
Olaf Kirch als Keynote Speaker auf der LinuxCon Europe 2014 Bild: Krd (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Olaf Kirch, der an der TU Darmstadt Mathematik studierte, schrieb eines der ersten Bücher über das Betriebssystem Linux. Heute treibt der Mathematiker als Director SUSE Linux Enterprise, Research & Development die Weiterentwicklung von SUSE-Linux voran.

Olaf Kirch studierte ab 1987 an der Technischen Universität Darmstadt Mathematik mit Schwerpunkt Informatik. Das Studienfach Informatik galt damals noch als sehr exotisch, Mathematik dagegen als sichere Bank für einen erfolgreichen Berufseinstieg. Finanziell unterstützte ihn ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Zudem jobbte er in einer kleinen CAD-Firma, die ihn mit einer bis heute andauernden Begeisterung für Unix infizierte.

Mit der TH Darmstadt verbindet Kirch Hörsäle mit leicht bröckeligem Charme, zu seinem Studienfach meint er: „Die Mathematik ist für mich ein ästhetisches Fach, das Zusammenhänge gleich der Säulen- und Gewölbestruktur einer gotischen Kathedrale freilegt und beschreibt.“ Für seine Diplomarbeit in der Kategorietheorie bei Professor Klaus Keimel arbeitete er ein Dreivierteljahr in der Ungewissheit, ob sich die angestrebte Beweisführung überhaupt erbringen ließe. Als „praktischen Ausgleich“, wie Kirch es nennt, schrieb er nebenbei eines der ersten Linux-Bücher: 1995 erschien im Verlag O-Reilly & Associates sein LINUX Network Adminstrator's Guide, der 1996 ins Deutsche übersetzt wurde, rasch zum Standardwerk avancierte und das noch junge Open Source-Betriebssystem Linux einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte.

Eine besondere Qualität von Mathematikern bestehe darin, sich „wie eine Bulldogge“ in Herausforderungen festzubeißen, bis eine Lösung erarbeitet sei, so Kirch. Sowohl Englisch als auch Linux-Knowhow, die Voraussetzungen für seinen Network Guide, eignete er sich selbst an, ersteres durch die intensive Nutzung englischsprachiger Medien, letzteres durch hartnäckiges Löchern von Unix-Experten.

Sein Diplom bestand Kirch 1994 mit Auszeichnung. Obwohl es zu Beginn der 90er wenige Stellen für Mathematiker gab, hatte er das Glück, als Softwarenentwickler bei Caldera sein Hobby zum Beruf zu machen, schließlich hatte er in der Linux-Community einen gewissen Namen. Es folgten Tätigkeiten für Novell / SUSE Linux als Core Entwickler, Teamleiter sowie – nach einem Interim bei Oracle – Leitung der Forschungs- und Entwicklungsabteilung bei SUSE Linux Enterprise. 2014 sprach Olaf Kirch als Keynote Speaker auf der LinuxCon Europe unmittelbar vor Linus Torvalds.

Rückblickend empfiehlt Kirch: „Man sollte bei der Studienwahl nicht zu sehr auf den Arbeitsmarkt schauen, sondern mit dem Herzen auswählen, eigene Interessen erkennen und ausbauen.“ Beim Berufseinstieg wiederum seien viele AbsolventInnen sehr theorieorientiert und dann enttäuscht von der beruflichen Realität. Besser sei es, neugierig zu sein, manches einfach mal in der Praxis auszuprobieren und nicht zu erwarten, dass gleich alles zu 100 Prozent passe.

Entsprechend beeindruckend findet Kirch jene Young Professionals, die sich drei Jahre nach ihrem Studium sowie verschiedenen Stationen in Europa und in der Welt mit entwaffnender Offenheit und Charme bei ihm bewerben, um „wieder näher an zu Hause“ zu leben.

Hintergrund-Info:

Bei Unix handelt es sich um ein Mehrbenutzer-Betriebssystem für Computer, das 1969 von Bell Laboratories entwickelt wurde. Anfang der 1990er Jahre gab es einige UNIX-ähnliche Open Source Systeme, von denen sich Linux durchsetzte. Dieses basiert auf dem von Linus Torvalds geschriebenen Betriebssystem-Kernel, den Torvalds 1992 unter die freie GNU General Public License (GPL) stellte. Heute bezeichnet der Name Linux nicht nur den Kernel, sondern das komplette Betriebssystem. Dieses wird noch heute unter Torvalds Regie von Softwareentwicklern auf der ganzen Welt weiterentwickelt.

OS X von Apple und dessen Mobilvariante Apple iOS bilden heute die meist verbreitete kommerzielle, proprietäre Unix-Variante.

SUSE-Linux ist eine Linux-Distribution der SUSE Linux GmbH, die 2003 von Novell übernommen wurde. Seit 2005 ist die Weiterentwicklung von SUSE Linux durch den Launch des openSUSE-Community-Projekts für externe Benutzer und Entwickler geöffnet.