Alumni-Portrait

Verbunden bleiben

Vielseitig und weltoffen: TU-Alumnus Leo Sakaguchi im Porträt

Leo Sakaguchi. Bild: privat
Leo Sakaguchi. Bild: privat

Leo Sakaguchi studierte an der TU Darmstadt Angewandte Mechanik und Energy Science and Engineering. Nach seinem Masterabschluss schloss er sich einem Berliner Start-up an, das sich den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung auf die Fahnen geschrieben hat. Darmstadt ist er verbunden geblieben: Als DJ legt er regelmäßig in Darmstädter Clubs auf. Ein Porträt.

Fragt man Leo Sakaguchi, was ihm an seinem Studium an der TU am besten gefallen hat, zögert er nicht lange: „Ich habe mich für meine beiden Studiengänge entschieden, weil sie sehr interdisziplinär angelegt sind, und das war genau die richtige Entscheidung.“ Von 2008 an studierte Sakaguchi an der TU, zunächst Angewandte Mechanik im Bachelor, dann Energy Science and Engineering im Master. Ein zweiter Aspekt, den er sehr zu schätzen weiß, ist die Unterstützung bei der Planung von Auslandsaufenthalten – schon während seines Bachelorstudiums zog es Sakaguchi ins Ausland: Er verbrachte ein Semester an der University of Tokyo in Japan.

Nach seiner Rückkehr nach Darmstadt unterstützte der heute 29-Jährige als studentische Hilfskraft im Dezernat Internationales Studierende, die eine Zeit in Asien, Südamerika oder Afrika verbringen wollten. Genau der richtige Job für Sakaguchi, da er neben Deutsch und Englisch fließend Japanisch und Polnisch spricht. Seine Muttersprache ist jedoch eine andere: Sakaguchi ist einer von weltweit nur einigen Tausend Esperanto-Muttersprachlern. Esperanto ist eine Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Plansprache, die auf dem Ideal grenzübergreifender Verständigung fußt. „Meine Eltern haben die Sprache an der Uni gelernt, sie in Polen, er in Japan. Kennengelernt haben sie sich durch eine Esperanto-Brieffreundschaft. Unsere Familiensprache ist Esperanto.“

Aus seinem Auslandsaufenthalt in Japan hat Sakaguchi eine Lehre gezogen: „Im Nachhinein gesehen war es falsch, nur für ein Semester zu bleiben“, erinnert er sich. „Ehe man sich‘s versieht, ist die Zeit auch schon wieder vorbei.“ Diesen Fehler bügelte er umgehend wieder aus: Seinen Aufenthalt an der renommierten University of California in Berkeley während des Masterstudiums legte er gleich auf ein Jahr an.

Bei der Wohnungssuche half seine außergewöhnliche Muttersprache: „Mein Vermieter hat auch mal Esperanto gelernt und wollte seine Kenntnisse wieder auffrischen.“ Überhaupt ist man als Esperanto-Sprecher Teil einer sehr aktiven Community: Neben Esperanto-Musik und zahlreichen Veranstaltungen gibt es auch ein Portal, auf denen „Esperantistos“ Übernachtungsmöglichkeiten anbieten. So ist man in der ganzen Welt vernetzt.

Masterarbeit zu Food Waste Management

Während Sakaguchis Aufenthalt in den USA entstanden große Teile seiner Masterarbeit zum Thema Food Waste Management: „Das Thema fand ich noch an der TU: Bei einem Seminar zur Abfallverminderung erwähnte die Seminarleiterin Annika Wolff, dass der Aspekt Lebensmittelabfall noch wenig erforscht sei. Dass mein betreuender Professor in Berkeley auch zu diesem Thema forschte, war einfach ein glücklicher Zufall.“ In Berkeley befragte Sakaguchi Gastronomen und Hoteliers danach, welche Rahmenbedingungen sie bräuchten, um weniger Lebensmittel wegwerfen zu müssen.

Im Rahmen seiner Masterarbeit stieß Sakaguchi auch auf das Berliner Start-up „MealSaver“. Dort ist er mittlerweile Teil des Kernteams. Das Konzept: Bei der MealSaver-App können Restaurants und Hotels bereits zubereitete Speisen anbieten, die sie sonst nach Ladenschluss wegwerfen müssten. Die App-Nutzer können für einen Betrag zwischen einem und drei Euro eine Portion des übriggebliebenen Essens abholen. In den nächsten Wochen soll die MealSaver-App auch in Darmstadt starten – und wird dann auch mit der Initiative foodsharing Darmstadt zusammenarbeiten, die an der TU den „Fairteiler“ betreibt.

„Ich bin sehr froh darüber, jetzt genau das beruflich tun zu können, was mich schon im Studium interessiert hat“, sagt Sakaguchi. Und hängt gleich noch einen Tipp an Studis an: „Ich kann nur jedem empfehlen, sich schon während des Studiums Gedanken darüber zu machen, was einem wichtig ist. Es gibt immer Mittel und Wege, das dann auch zu seinem Beruf zu machen.“

Obwohl sein Lebensmittelpunkt nun in Berlin liegt, ist Sakaguchi als DJ regelmäßig in Darmstadt anzutreffen: Ein- bis zweimal im Monat legt er im Schlosskeller und in der Centralstation auf.

Text: Bettina Bastian