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Dr. Christian Glock

Christian Glock, Bild: privat
Christian Glock, Bild: privat

Auf den ersten Blick erscheint der Lebenslauf von Dr. Christian Glock wie die klassische Karriere eines BWLers. „Ich wurde schon gefragt, ob ich meinen Doktor im Financial-Modelling gemacht habe“, sagt Glock. „Ich spiele auch gern damit, dass niemand damit rechnet, dass ich eine Statik berechnen kann“. Denn Christian Glock ist ein Dr.-Ing. Und die Eigenwilligkeiten seines Lebenslaufs offenbaren sich erst bei genauerem Hinsehen.

Von 1993 bis 1999 studierte Christian Glock Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Darmstadt mit einem Auslandssemester an der Universität Oulu (Finnland). 1996 nahm ihn die Studienstiftung des deutschen Volkes auf. Preise erhielt er sowohl für seine Diplomarbeit als auch für seine Dissertation. Bei Bilfinger hatte Glock sehr unterschiedliche Positionen inne, über die er sich für den weiteren Aufstieg qualifizierte. Seit Anfang 2013 ist er Mitglied der Geschäftsführung bei der Bilfinger Hochbau GmbH. Seit einigen Jahren leitet er zudem den Arbeitskreis Immobilien im Bundesverband Public Private Partnership e.V. Und dennoch erinnert er sich gerne auch an eher ungewöhnliche „Karriere-Stationen“:

„Viele Jahre habe ich zur Finanzierung meines Studiums an der TU in einem Weinlokal gekellnert − im Blauen Affen in Bensheim. Abends war für mich die ideale Arbeitszeit, und im Rückblick war der Umgang mit komplizierten Gästen das beste Training fürs Berufsleben. Das hat mich sehr geprägt.“ Auch als wissenschaftliche Hilfskraft und Tutor hat er an seinem Fachbereich gearbeitet. Doch das Fachliche, so Glock, trage nur 50 Prozent zum Erfolg bei, ebenso wichtig sei die Fähigkeit, mit Menschen umgehen zu können, so der frischgebackene Geschäftsführer im Rückblick.

Weitere wichtige Erfahrungen machte Glock als „Bagpacker“. Um seinen Wunsch einer längeren Mexiko-Reise inklusive Sprachkurs und Rucksack-Tour zu realisieren, riskierte er sogar den sicheren Job bei der damaligen Bilfinger + Berger Bauaktiengesellschaft. Die Ansage, dass der angebotene Job in sechs Monaten nicht mehr verfügbar sein könne, hielt ihn nicht ab, seiner Überzeugung zu folgen, obwohl 1998 der Berufseinstieg auch für Ingenieure schwierig war. Doch das Unternehmen stellte Glock auch später gern ein – als Bauleiter und Tragwerksplaner.

Erfolg in der Wissenschaft

Vor seiner wissenschaftlichen Weiterqualifizierung wollte Glock, auch auf Anraten seines Mentors und späteren Doktorvaters Professor Carl-Alexander Graubner, erst Praxiserfahrung in der Wirtschaft sammeln. Nach zwei Jahren Bilfinger war er bereit, am Institut für Massivbau zu promovieren und Lehrveranstaltungen zu halten. Dass ihm das Unternehmen die Dissertation in Kooperation mit der TU ermöglichte, war keine Selbstverständlichkeit.

Glock konnte seinen Wunsch, sein „Fachwissen in Lehre und Forschung weiter zu vertiefen“ erfolgreich umsetzen. Seine Dissertation „Traglast unbewehrter Beton- und Mauerwerkswände“ erschien 2004. Sein „Nichtlineares Berechnungsmodell und konsistentes Bemessungskonzept für schlanke Wände unter Druckbeanspruchung“ lieferte Grundlagen für die DIN und Eurocode Normierung und Glock erhielt dafür die Ernst-Ludwigs-Medaille für hervorragende wissenschaftliche Leistungen der Vereinigung von Freunden der Technischen Universität zu Darmstadt e.V. Seitdem ist er auch Mitglied des Vereins sowie davor schon bei den Freunden des Instituts für Massivbau der Technischen Universität Darmstadt e.V.

Zurück in die Wirtschaft

Bei seiner Rückkehr zu Bilfinger verließ Glock erneut eingetretene Pfade: Statt der ihm zugedachten Fachkarriere eines klassischen Bauingenieures wollte er interdisziplinäre Aufgaben. Sein Wunsch war es, Neues zu bewegen, Barrieren zu überwinden sowie den Umgang mit Menschen ins Zentrum seiner Tätigkeit zu stellen, um – und Technik, Wirtschaft und Management zu verbinden. Denn auch wenn oft die Innovationen und damit die eigentliche Wertschöpfung im Technikbereich liegen, sind die größten Stellschrauben meist in anderen Bereichen, so Glocks Kritik an der Arbeitswelt. Wobei er zugleich einräumt: „Ingenieure sind oft zu technikverliebt. Sie müssen die PS auch auf die Straße bringen!“. Die 2004 begonnene neue Funktion als Leiter für Lebenszyklus- und PPP-Projekte bei Bilfinger bot ihm genau diese Möglichkeiten.

Im Laufe seiner Karriere-Stufen musste Glock immer mal wieder andere davon überzeugen, warum mutige Entscheidungen wertvoll sind. Es ging gut aus, wie seine jetzige Funktion zeigt. Und da ihm Bilfinger weiterhin genügend Abwechslungen und Herausforderungen bot, ist er bis heute dort und hoch zufrieden mit seinem Weg.

(Stand: März 2013)

Drei Karriere-Tipps von…

Christian Glock für Absolventinnen und Absolventen:

  • Über den Tellerrand schauen! Die technische Ausbildung an der TU Darmstadt ist eine tolle Grundlage. Doch nur wer sich auch auf die Zwänge der Wirtschaft einlassen kann und sich im Umgang mit Menschen übt, ist gut aufgestellt.
  • Authentisch bleiben! Berufliche Entscheidungen sollten niemals allein aus taktischen Gründen getroffen werden. Dass etwas heute Spaß macht, ist eine wichtige Voraussetzung für künftigen Erfolg. Und wer sich bei einem Vorstellungsgespräch verbiegen muss, sollte sich überlegen, ob er den zugehörigen Job wirklich möchte. Lieber auch mal Charakter zeigen!
  • Distanz entwickeln! Glück gehört immer dazu bei der Stellensuche. Man kann günstige Voraussetzungen schaffen und viel beeinflussen − aber nicht alles.