Portrait_Klemt

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Dr.-Ing. Katharina Klemt-Albert

Nach einer Bilderbuch-Karriere bei der Deutschen Bahn AG ist Dr.-Ing. Katharina Klemt-Albert seit August 2011 Geschäftsführerin Deutschland, Technik und Produktion der DB International GmbH. Damit ist sie verantwortlich für 600 Beschäftigte. Sie hat eine elfjährige Tochter. Und sie findet darüber hinaus Zeit zum Joggen und Tanzen.

Katharina Klemt-Albert promovierte von 1996 bis 2001 mit Auszeichnung an der TU Darmstadt in Kooperation mit der Northwestern University, Evanston, USA. Der anschließende Übergang in die Wirtschaft als Mitarbeiterin Großprojekte für die Deutsche Bahn AG gelang reibungslos. „Ein großer Schritt besteht im Wechsel vom Fachlichen zum Management, meine Social Skills konnte ich jedoch übertragen“, so Klemt-Albert. Schon nach kurzer Zeit wurde sie mit Führungsaufgaben betraut. Schon 2007 wurde sie Bereichsleiterin, 2009 dann Leiterin des Regionalbereichs Ost der DB ProjektBau GmbH.

Als Schlüssel für ihren raschen Aufstieg sieht die Bauingenieurin zwei entscheidende Faktoren: Da ist zum einen ihr grundlegendes technisches Verständnis durch ihre fachliche Heimat. Zum anderen – und das ist fast noch wichtiger – bringt sie die Fähigkeit mit, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihre Projekte zu begeistern, so dass sie voll und ganz hinter ihr stehen. Dies war entscheidend für sie, vom ersten Praktikum auf dem Bau über ihre Assistenztätigkeit an der TU Darmstadt bis zu großen technischen Herausforderungen wie dem Umbau des Bahnhofs Ostkreuz, Europas größtem Nahverkehrsknoten „unter dem rollenden Rad“. Mit jeder neuen Position wollten neue fachliche Themen erarbeitet und neue Kolleginnen und Kollegen überzeugt werden, operative und strategische Themen gemeinsam aufzugreifen.

Heute engagiert sich Frau Klemt-Albert im Verein Deutscher Eisenbahningenieure als Beiratsmitglied. Zudem hält sie intensiven Kontakt zu Hochschulen, ist u.a. Patin der Deutschen Bahn für die TU Berlin. An der TU Darmstadt stellte sie bei der Absolventenfeier des Fachbereichs 13 ihre Vita und ihre Projekte vor. Umgekehrt profitieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn von Weiterbildungsangeboten wie dem Symposium zum proaktiven Vertragsmanagement in Zusammenarbeit mit der TU. Auch als Geschäftsführerin legt sie Wert auf fachlichen Austausch und persönlichen Kontakt. Nicht zuletzt ist es ihr wichtig, junge Ingenieurinnen und Ingenieure für eine Karriere in ihrem Unternehmen zu begeistern.

An ihrem Beruf liebt Katharina Klemt-Albert, etwas bewegen zu können und über einen großen Entscheidungsspielraum zu verfügen. „Ich habe neue Herausforderungen immer geschätzt“. Den naturgemäßen Autoritätsvorsprung eines großen, breitschultrigen Mannes gegenüber einer Frau macht Klemt-Albert stets mit Überzeugungskraft wett. „Ich führe anders“, erklärt sie, „ich argumentiere mehr.“ Man müsse sich seiner Rolle als Führungskraft bewusst sein, egal ob Mann oder Frau. Auch ihre kleine Tochter war dank Unterstützung im privaten und beruflichen Umfeld kein Hindernis für ihren Aufstieg. Die Karriere mit Kind war für sie kein einfacher Weg − aber einer der sich unbedingt lohnt: „Ich habe sehr viel Freude und persönliche Befriedigung durch Job und Familie. Mir ist beides sehr wichtig“.

Als problematisch nimmt Klemt-Albert die noch immer fehlende gesellschaftliche Akzeptanz berufstätiger Mütter war. Eine feste Frauenquote bewertet sie dennoch als zweischneidig. Insbesondere im Ingenieurbereich lasse sich eine Quote mangels geeigneter Frauen nicht vernünftig umsetzen. Gut findet Klemt-Albert die geteilte Elternzeit. Durch den zunehmenden Einsatz der Männer in Sachen Kinderbetreuung erfahre diese Aufgabe eine neue Akzeptanz. Und wenn auch mal die Männer losmüssen, um die Kinder abzuholen, verringert sich der Druck auf die Frauen deutlich. „Auf jeden Fall muss ein Umdenkungsprozess stattfinden“, so Klemt-Albert, „und beide Gesellschaftsmodelle müssen akzeptiert werden.“

(Stand: 2011)