Portrait_Federn

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Prof. Dr.-Ing. Klaus Federn

Prof. Dr.-Ing Klaus Federn, Bild: TU Berlin/Ruta
Prof. Dr.-Ing Klaus Federn, Bild: TU Berlin/Ruta

Vor kurzem ist der älteste Alumnus der TU Darmstadt in seiner Geburts- und Heimatstadt Berlin gestorben. Klaus Federn begann 1929 ein Maschinenbaustudium an der damaligen Technischen Hochschule Darmstadt, an der er auch promovierte und habilitierte. Zuletzt war Federn für Historiker der TU Darmstadt im Rahmen des laufenden Forschungsprojekts „TH Darmstadt und Nationalsozialismus“ ein wertvoller Gesprächspartner.

Jugend und Ausbildung in Darmstadt

Klaus Gideon Federn wurde am 21. Dezember 1910 als Sohn des Verlegers und Buchhändlers Robert Federn (1878-1959) und der Bildhauerin Luise Federn-Staudinger (1879-1967) in Berlin geboren. 1912 kam die Schwester Else in Paris zur Welt. Der Vater entstammte einer jüdischen Arztfamilie aus Wien. Nach der Trennung der Eltern von Klaus Federn zog die Mutter mit den beiden Kindern 1917 in ihre Heimatstadt nach Darmstadt in die Liebigtraße 25. Luise Federn-Staudinger war die Tochter des Gymnasialprofessors Franz Staudinger (1849-1921), seit 1899 Oberlehrer am Darmstädter Ludwig-Georgs-Gymnasium und Vordenker des Genossenschaftswesens. Ihre Mutter war die bekannte Frauenrechtlerin Auguste Staudinger geb. Wenck (1852-1944).

Klaus Federn besuchte zunächst die Volksschule und ab Ostern 1920 das Realgymnasium in der Kapellenstraße 5. An Ostern 1929 legte er die Reifeprüfung ab. Aufgrund seiner besonderen Leistungen in Mathematik und Physik erhielt er den Münch-Preis und wurde in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen. Im Wintersemester 1929/30 begann er ein Maschinenbaustudium an der TH Darmstadt. Die für das Studium vorgeschriebene praktische Tätigkeit erledigte er u.a. in der Maschinenfabrik Carl Schenck in Darmstadt und bei der Firma A. Ott in Kempten im Allgäu. Bereits während des Studiums war er fünf Semester bis zum Ende des Wintersemesters 1932/33 Hilfsassistent bei Alwin Walther (1898-1967), dem Leiter des Instituts für Praktische Mathematik.

Opfer des NS-Systems

Klaus Federn, der niemals Kontakt zum Judentum hatte, war nach den Gesetzen des NS-Systems ein „Halbjude“. Er schied nach der „Lieser-Affäre“ an der TH Darmstadt im Frühjahr 1933 aus „rassischen Gründen“ aus seiner Position als Hilfsassistent bei Walther aus. Er konnte sein Studium fortsetzen und beendete dies 1935 „mit Auszeichnung“. Ab Juni 1935 war Federn Privatassistent bei August Thum (1881-1957) am Lehrstuhl für Werkstoffkunde und Leiter der Materialprüfungsanstalt beschäftigt. Diese Beschäftigung erfolgte „gegen den scharfen Widerstand von Seiten einiger seiner damaligen Assistenten und entgegen der betonten Anfeindung der Studentenschaft“, wie Melanie Hanel in ihrer jüngst fertiggestellten Dissertation Die Technische Hochschule Darmstadt im „Dritten Reich“ (Ms. Darmstadt 2013, S. 78) schreibt. Angeblich auf Druck der Hessischen Regierung musste Thum Federn kurz vor dem Abschluss seiner Dissertation im Januar 1939 entlassen, promovierte ihn gleichwohl noch. Der Titel der Dissertationsschrift lautete Spannungszustand und Bruchausbildung. Klaus Federn wechselte am 15. Januar 1939 zu der auf Prüf- und Auswuchtmaschinen spezialisierten Firma Carl Schenck. Zwischen den Familien Staudinger und Schenk bestand seit Jahrzehnten ein enges Verhältnis, da die Familien seit Mitte des 19. Jahrhunderts verschwägert waren. Von August 1939 bis April 1941 war er zur Wehrmacht eingezogen. Federn arbeitete bei Schenck an Neuentwicklungen von Auswuchtverfahren, die sich nach und nach in der Industrie durchsetzten.

Am 1. Juni 1945 übernahm Klaus Federn die Leitung der Abteilung Prüf- und Auswuchtmaschinen. Er hatte maßgeblichen Einfluss an der Expansion des Unternehmens nach dem 2. Weltkrieg. Schenck-Erzeugnisse wurden in alle Teile der Welt geliefert und kamen in zahlreichen Industriezweigen zum Einsatz. In vielen Ländern wurden Vertriebs- und Produktionsstätten errichtet. Am Standort Darmstadt konnte aufgrund dieses Erfolges vor allem in die technische Entwicklung investiert werden, wodurch die Firma ihre Pionier-Rolle auf dem Gebiet der Messtechnik, des Waagenbaus sowie der Prüf-, Förder- und Auswuchttechnik weiter festigte. 1951 erhielt Federn die Gesamtprokura für die Maschinenfabrik Carl Schenck, nachdem er bereits seit Oktober 1945 die Handlungsvollmacht für seine Abteilung besaß.

Parallel zu seiner Aufbauarbeit bei Schenck konnte Federn seine wissenschaftliche Betätigung fortsetzen. Bereits 1947 hatte er sich mit einer Arbeit über Elektrische Feinwuchtmaschinen. Aufbau, Eigenschaften, Anwendungsgrundsätze an der TH Darmstadt habilitiert und erhielt im Sommersemester 1947 die venia legendi von der Fakultät für Mathematik und Physik. Ab 1948 hielt er erste Vorlesungen über Schwingungstechnik und Auswuchttechnik. Im Juli 1953 wurde er zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Professur in Berlin

Im April 1962 erhielt Federn einen Ruf auf den Lehrstuhl für Maschinenelemente an der Fakultät für Maschinenwesen der TU Berlin. Nach intensiven Verhandlungen wechselte er am 10. Juli 1963 an die TU Berlin. Dort baute er das II. Institut für Maschinenelemente auf. Bis zu seiner Emeritierung am 31. März 1979 war Federn als Hochschullehrer, Gründer und Leiter des Lehrstuhls und Instituts für Konstruktionslehre und Maschinenelemente und Dekan der Fakultät Maschinenwesen an der TU Berlin tätig.

Klaus Federn hat zahlreiche Schriften publiziert und 150 Patente angemeldet. Er hat 27 Dissertationen als Erstgutachter und zwei Habilitationen betreut. Federn erhielt zahlreiche Ehrungen: 1979 das Ehrenzeichen des VDI, 1982 den Leonardo-da-Vinci-Preis des italienischen Vereins der Industrie-Designer und 1989 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Seit 1991 war er Ehrenmitglied der TU Berlin. 2010 stand er für ein ausführliches Interview durch Melanie Hanel und Isabel Schmidt zur Verfügung.

Klaus Federn war seit Silvester 1948 mit der Lehrerin Ingeborg Kliehm, geb. in Zingst/Pommern, verheiratet. Aus der Ehe entstammen zwei Söhne und eine Tochter. Am 26. Juni 2014 ist Klaus Federn im Alter von 103 Jahren in seiner Geburts- und Heimatstadt Berlin verstorben.

Dr. Manfred Efinger