Portrait_Marazzi

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Alumnus im Portrait

Caralos Marazzi mit seinen Kollegen im Laboratorium, Quelle: privat
Caralos Marazzi mit seinen Kollegen im Laboratorium, Quelle: privat

Dr. Carlos Marazzi studierte vor fast 60 Jahren an der TU Darmstadt

Aufgrund des Militärputsches im Jahr 1956 entschied sich Carlos Marazzi seine argentinische Heimat zu verlassen und sein eben begonnenes Studium der Elektrotechnik in Europa fortzusetzen. Die nächsten vier Jahre verbrachte er an der TU Darmstadt. Auch heute erinnert er sich noch gern an diese spannende Zeit.

Um ein Visum für seinen Europa-Aufenthalt zu bekommen, wandte sich Carlos Marazzi an diverse Konsulate. Jedoch war keines bereit, einem mittellosen Studenten ein Visum auszustellen – außer das deutsche. Zwei Tage später hatte Marazzi ein Visum, einen Immatrikulationsantrag sowie einen Antrag auf finanzielle Unterstützung durch den DAAD. Der Vizekonsul riet ihm allerdings, nicht nach München zu gehen, denn dort gebe es zu viel Ablenkung, er empfehle Darmstadt … An der TU Darmstadt wurde Marazzi bereits einen Monat später zum Studium zugelassen.

Einziges Problem: wie sollte er in den verbleibenden Wochen bis Studienbeginn die deutsche Sprache lernen? „Mein Nachbar, ein Delikatessenhändler aus Sudentendeutschland, vermittelte mir eine ältere Berliner Dame, die mir Basiskenntnisse im Präsenz und Imperfekt beibrachte“, schmunzelt Marazzi rückblickend, „für das Futur war die Zeit jedoch leider zu knapp“.

Die argentinische Handelsmarine brachte Marazzi nach Europa. Er hatte dort zunächst als Aushilfe angeheuert, doch als seine Studienzulassung bekannt wurde, erhielt er eine Gratis-Überfahrt nach Genua, von wo aus er mit dem Zug weiterreiste. So erreichte Marazzi im Herbst 1956 Darmstadt. Obwohl er davon gelesen hatte, dass Deutschland zehn Jahre nach Kriegsende noch immer in Trümmern lag, war er über das Ausmaß der Zerstörung Darmstadt doch erstaunt. Straße und Bürgersteig allerdings waren fein gekehrt. Unterkunft fand er zunächst in einem alten, baufälligen Gebäude. Glücklicherweise konnte er nach ein paar Wochen ins Studentenwohnheim Riedeselstraße umziehen. Dort knüpfte er die meisten Studienfreundschaften, so dass er 2007 extra nach Darmstadt kam, um mit seinen ehemaligen Mitbewohnern das 50-jährige Jubiläum zu feiern.

Bereits einen Tag nach seiner Ankunft in Darmstadt fand Marazzi auch Arbeit − als Techniker in einem Ericsson Labor. Niemand fragte damals nach Papieren. Als das Semester startete, bekam er jedoch Schwierigkeiten bei der Vereinbarung von Arbeitszeit und Studium, und sein Studienbetreuer machte ihm klar, dass beides unmöglich sei. Ein paar Wochen später, kurz vor Weihnachten, meldete er sich allerdings mit einer guten Nachricht: Marazzi sollte eine temporäre Hilfe von 150,- DM monatlich erhalten. Vom zweiten Jahr an wurde der Argentinier dann vom DAAD unterstützt, so dass er 1961 nach insgesamt vier Jahren sein Diplom in der Elektrotechnik ablegen konnte.

Im Anschluss an sein Studium kehrte Marazzi in seine Heimat zurück, um in Buenos Aires zwei Jahre in der Comisión Nacional de Energía Atómic als Design-Ingenieur Messtechnik zu arbeiten. Weitere spannende Stationen folgten: Tätigkeiten für die USA Atomic Energy Commission und IBM, ein Masterstudium im Bereich Digitale Systeme in den USA, eine Dissertation im Bereich Telekommunikation an der University of London. Im Anschluss zog es Marazzi und seine Frau wieder über den Atlantik. Beide unterrichteten an der Universität von Puerto Rico. 1980 schließlich wurde er von der World Bank zum Telecommunications Expert ernannt. Drei Jahre später wechselte er zu einer Consulting Company in Boston.

Heute verbringt Carlos Marazzi seinen Ruhestand abwechselnd in Puerto Rico und Buenos Aires. Mit der TU Darmstadt verbinden ihn nach 50 Jahren noch immer sehr schöne Erinnerungen.

(Stand: Januar 2014)