„Jenseits der gläsernen Decke“

05.04.2017

„Jenseits der gläsernen Decke“

Forschungsprojekt zur Situation von Professorinnen

Obwohl Wissenschaftsorganisationen und die Politik in den 2000er Jahren Programme zur Steigerung des Professorinnenanteils an den Hochschulen aufgelegt haben, bleibt – so die Bestandsaufnahme des Wissenschaftsrats – die Zahl der Professorinnen hinter den Erwartungen zurück. Die Soziologieprofessorin Tanja Paulitz untersucht in einem Forschungsprojekt der TU Darmstadt und der HAWK die Erfahrungen von Professorinnen in der Bundesrepublik Deutschland.

Männliche und weibliche Miniaturfiguren auf einem Spiegel. Bild: Patrick Bal
Statistische Daten weisen darauf hin, dass Professorinnen an Hochschulen seltener Leitungspositionen innehaben als ihre männlichen Kollegen. Bild: Patrick Bal

Das Forschungsprojekt „Jenseits der gläsernen Decke: Professorinnen zwischen Anerkennung und Marginalisierung (academica)“ befasst sich mit der Arbeitssituation und den Erfahrungen von Professorinnen im Hochschulalltag. Das Ziel ist, näheren Aufschluss über das komplexe Wechselspiel zwischen Anerkennung und Marginalisierung zu gewinnen, um so auch mögliche Handlungsspielräume zu erforschen.

Einbezogen werden verschiedene Vergleichsgruppen und Kohorten sowie Expertinnen und Experten aus Gleichstellung und Wissenschaftsberatung. Die breit angelegte empirische Untersuchung deckt dabei alle Hochschultypen ab. Es handelt sich um ein Verbundprojekt der TU Darmstadt und der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen, Prof. Dr. Leonie Wagner, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund 800.000 Euro gefördert wird und bis März 2020 läuft.

Hintergrund des Projekts ist die aktuelle Situation, dass die meisten Programme zur Steigerung des Professorinnenanteils an Hochschulen auf der Stufe vor bzw. auf dem Weg zur Professur ansetzen, nicht jedoch an der Situation von Professorinnen und ihren Teilhabechancen bei der Gestaltung von Hochschule und Wissenschaft. Auch die soziologische Forschung zu den Ursachen der Unterrepräsentanz von Frauen in der Wissenschaft fokussiert bislang auf die Situation des Nachwuchses und auf Wissenschaftskarrieren bis zur Professur. Indessen weisen statistische Daten – etwa zur Besetzung von Leitungspositionen an Hochschulen – darauf hin, dass sich die Unterrepräsentanz von Frauen „jenseits der gläsernen Decke“, d.h. auch nach Berufung auf eine Professur, fortsetzt.

Professorinnen im Fokus

Prof. Dr. Tanja Paulitz. Bild: Claus Völker
Professorin Dr. Tanja Paulitz. Bild: Claus Völker

Daher richtet sich das Forschungsinteresse in „academica“ nicht auf die Situation von Anwärterinnen auf eine Professorenstelle, sondern stellt Frauen, die bereits eine Professur innehaben, in den Mittelpunkt der Untersuchungen. Dabei schließen die Forscherinnen an aktuelle Studien zu Wissenschaftskultur an.

Diese zeigen einhellig, dass in der Wissenschaftskarriere heute nicht primär formale Zugangsbarrieren Ungleichheit (re-)produzieren, sondern die in hohem Maße kulturellen und häufig informellen Praktiken von Anerkennung bzw. Marginalisierung im wissenschaftlichen Alltag.

Für die Statusgruppe der Professorinnen klafft hier eine deutliche Forschungslücke, insbesondere hinsichtlich der Fragen, mit welchen Handlungsstrategien sie solchen Marginalisierungsmechanismen begegnen und welche Unterschiede zwischen den Hochschultypen Universität, Fachhochschule sowie Kunst- und Musikhochschule existieren. Diese Forschungslücke möchte „academica“ in den kommenden drei Jahren schließen.

Das Verbundvorhaben „Jenseits der gläsernen Decke. Professorinnen zwischen Anerkennung und Marginalisierung (academica)“ wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter den Förderkennzeichen 01FP1637 und 01FP1638 gefördert.

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