Darmstädter Tage der Fotografie

Darmstädter Tage der Fotografie

23. und 24. April 2016

Die TU Darmstadt ist neuer Kooperationspartner der Darmstädter Tage der Fotografie.

Ab jetzt sind wir mit von der Partie! Die TU Darmstadt beteiligt sich zum ersten Mal an den Darmstädter Tagen der Fotografie.

Wenn am 23. und 24. April von 10 bis 18 Uhr die Künstler der Fototage ihre Werke zeigen, öffnet die gerade entstehende Ausstellungshalle des Kunstforums der TU Darmstadt erstmalig ihre Türen. Mit dabei sind: Christine Braun, Philip Frowein, Johannes Kersting, Thiemo Kloss und Ken´ichi Matsubara.Ort: Ausstellungshalle des Kunstforums der TU Darmstadt, Altes Hauptgebäude, Hochschulstr. 1, 2. OG.

Mit ihren Arbeiten erforschen die Fotokünstler die Grenzen des Mediums Fotografie und setzen sich gleichzeitig mit dem Thema Raum auseinander. Das passt perfekt zu der gerade entstehenden Ausstellungshalle des neuen Kunstforums der TU Darmstadt und dem forschenden Geist einer Technischen Universität.


Christine Braun

Leere Behauptung

Mich interessiert die Vergänglichkeit des Moments in der Fotografie.
Wie kann sie aufscheinen und in welcher Form?
Wie beeinflusst das Vergängliche die Projektionen und lässt sich daraus überhaupt noch eine Behauptung ableiten?
Fotografie lässt durch den dargestellten, fixierten und „eingefrorenen“ Moment den Eindruck von etwas Realem und Beständigem entstehen. Allein die Masse an Fotografien – täglich werden ca. 3 Milliarden Fotos im Netz hochgeladen – fügt sich zu einer Form von Wirklichkeit, beziehungsweise Behauptung zusammen und bietet dadurch eine Fülle an Projektionsmöglichkeiten. Dabei sind es alles nur Momente, die schon beim Hochladen ins Netz der Vergangenheit zuzuordnen sind.

Leere Behauptung, Installationsansicht, 2016

Johannes Kersting

Between the Lines

Die installativen Fotografien von Johannes Kersting nehmen in besonderer Weise Bezug auf den Umraum ihrer Präsentation. Sie können als erweiterte oder „extended photography“ betrachtet werden. In Kerstings meist abstrakt-konstruktivistischen Motiven sind die Grenzen zwischen Malerei und Fotografie bewusst fließend gehalten.

Sie postulieren, geschult an den Errungenschaften der Malerei, in einer ungewohnten Melange aus konstruktivistisch-geometrischen Grundstrukturen und dem üppigen Einsatz von Farbe, die Versöhnbarkeit klassischer und zeitgenössischer Bildgebungssysteme. Daraus ergibt sich ein kalkuliertes Spiel mit den etablierten Erwartungshaltungen an das fotografische und das malerische Medium. Können wir Bildern überhaupt noch vertrauen? Handelt es sich um Fiktion oder Faktum? Hier wird eine Gratwanderung zwischen Dokumentation und Konstruktion eröffnet. Denn obwohl sich diese fotografischen Aufnahmen nicht dem Beschreiben bzw. der authentischen Wiedergabe der Wirklichkeit verschrieben haben, handelt es sich nicht etwa um retuschierte Collagen, sondern um genuine, unbearbeitete, fotografische Bilder, deren kompositorische Vorgaben spielerisch in den Raum erweitert werden. Die erweiterten Fotografien werden durch installativ-malerische Eingaben intensiviert und fortgeschrieben, so dass gerade die architektonischen Elemente in den Bildern in einen überraschenden Dialog mit dem Ausstellungsraum treten. Auf diese Weise entsteht eine ästhetische Improvisation über die Fortführbarkeit der Abbildung im Realen.

Sportsground Extended, installative Fotografie, 2015

Ken’ichi Matsubara

Wall

Diese Arbeiten präsentieren eine Art Prototyp des Raumes, der mit minimalen strukturellen Elementen konstruiert ist. Die anscheinend tiefen Räume in diesen Bildern sind Aufnahmen von Collagen bestehend aus einigen Fotoausschnitten einer Mauer und weiß gestrichenen Platten. In diesen Collagen sind die Formen der Platten so geschnitten, um den Perspektiven der Wände in den Fotos zu entsprechen, aber die Oberfläche der Platten stehen ein wenig höher als die Fotos wegen des stärkeren Materials. Diese halb dreidimensionalen Collagen sind von einer Seite beleuchtet, so dass die Kanten der Platten Reflexionen und Schatten auf ihre Hintergrundfläche werfen; diese werden wiederum direkt so fotografiert.

Die daraus resultierenden Fotos werden mit Holzrahmen gerahmt, die ebenfalls weiß gestrichen sind wie die Platten in den originalen Collagen. Wenn die Arbeiten auf einer weißen Wand eines Ausstellungsraumes gehängt werden, werfen die Rahmen die gleiche Art von Reflexionen und Schatten auf die Wand sowie auf die Oberfläche der Fotos. Infolgedessen dehnen sich die visuellen Räume in diesen Arbeiten nicht nur in Richtung ihrer optischen Tiefe innerhalb der Bilder, sondern auch auf den physikalischen Raum, in dem sie ausgestellt werden.

Die Arbeiten stellen zwei sich widersprechende Sichtweisen auf einen visuellen Raum dar — den tiefen Raum durch den optischen Effekt sowie den flachen materiellen Raum mit kaum physikalischer Tiefe. Die einfachen Strukturen der originalen Collagen verwandeln sich in illusionäre dreidimensionale Räume, aber diese Räume können nur in fotografischen Bildern existieren. Die Figuren in den Bildern helfen dem Betrachter den Umfang und den Abstand des visuellen Raumes zum realen Raum zu beziehen, aber sie betonen auch den modellartigen Aspekt dieses visuellen Raumes, der eher eine Illusion als real ist. Durch die trügerischen Perspektiven und die Nutzung einer einfachen Lichtwirkung spielen diese Arbeiten mit unserer Wahrnehmung eines visuellen Raumes und wie wir ihn mit der Wirklichkeit in Verbindung bringen.

Wall 2

Philip Frowein

Blind Alleys

„Surrealismus liegt bereits in der Natur des fotografischen Unterfangens, in der Erzeugung eines Duplikats der Welt, einer Wirklichkeit zweiten Grades, die zwar enger begrenzt aber dramatischer ist, als jene, die wir mit eigenen Augen sehen.“ Susan Sontag – Objekte der Melancholie

In der Arbeit „Blind Alleys“ setzt sich Philip Frowein mit den Grenzen des Wirklichen auseinander. Inspiriert von Autoren wie Haruki Murakami und der Kunst der Surrealisten versucht er dem Übernatürlichen nachzuspüren. Die Frage, die ihn dabei umtreibt, ist, was die Fotografie leisten kann in dem Bestreben eine Wirklichkeit abzubilden, die in ihrer Äußerlichkeit unvollständig bleibt. Seine Bilder sollen als Metaphern fungieren für seine Befragungen der Wirklichkeit und für das trügerische Verhältnis, welches die Fotografie mit ihr einging.

„Ohne Titel“ aus der Serie „Blind Alleys“, 2014

Thiemo Kloss

White Rooms

Das Konzept meiner Fotoserie „White Rooms“ ist es, Massenszenarien darzustellen, die gängige Verhaltensweisen, humangeschichtliche Entwicklungen und den technologischen Fortschritt unserer Gesellschaft aufzeigen.

Für die Bilder fotografiere ich aus erhöhter Position kontinuierlich ein- und dieselbe Person, die sich auf einer freien Fläche vor mir, nach einem festgelegten Muster, bewegt. In der digitalen Nachbearbeitung stelle ich in jedem Bild die Person frei und füge sie in einen weißen Hintergrund ein. Dieser Prozess wird unzählige Male wiederholt, bis sich aus der Masse der Personen das geplante Muster ergibt. Die Arbeitszeit eines Bildes variiert zwischen einigen Stunden und mehreren Monaten.

Die übergreifenden Themen sind Anonymität, Anpassung und Austauschbarkeit. Weitere zentrale Punkte der Serie sind Identität, das Individuum und Beziehungen. Durch die teilweise strikte Ordnung werden Freiheit, Selbstbestimmung und Anpassung an eine computergesteuerte Welt hinterfragt. Dazu trägt auch noch der überwachende, beobachtende Charakter der Aufsichtsperspektive bei.

Da für jedes Bild eine ganze Serie von Fotos gemacht wurde, die dann in einem Bild zusammengefasst wurden, stellen die Bilder auch die Idee des „entscheidenden Moments“ in der Fotografie in Frage sowie die Synchronität unserer Gesellschaft.

White Rooms #4, 2008/2014