Geothermie

Energie, die aus der Tiefe kommt

Prof. Dr.-Ing. Ingo Sass
Prof. Dr. Ingo Sass. Bild: Katrin Binner

Geothermie kann Teil eines zukünftigen Energiemixes werden

Geothermie bezeichnet die im Boden gespeicherte Wärme. Die Erde ist in ihrem Inneren bis zu 6.000 Grad Celsius heiß und wird zur Oberfläche immer kühler, wobei lediglich 0,1 Prozent kühler sind als 100 Grad.

Viele Vorteile, bisher kaum genutzt

Geothermie ist grundlastfähig, das heißt, anders als die regenerativen Energiequellen Sonne – die nur tagsübers scheint und hinter Wolken verschwinden kann – und Wind – der nicht beständig bläst – ist Geothermie 24 Stunden am Tag nutzbar, jeden Tag. Sie ist kostengünstig, und sie ist CO2-neutral. Geothermie kann zur Stromerzeugung oder in Kraft-Wärme-Kupplungssystem eingesetzt aber auch zur Gebäudeheizung genutzt werden. Der Gebäudebetrieb verursacht 50 Prozent des deutschen Energieendverbrauchs und steht damit mit Abstand an der Spitze.

Doch trotz dieser vielen positiven Eigenschaften wird Geothermie in Mitteleuropa bisher kaum genutzt.

Dabei ist sie nicht unproblematisch. Die Stadt Stauffen ist zum unrühmlichen Beispiel geworden, wie Bohrungen in unklaren Bodenverhältnissen den Grund unter der Stadt aufquellen ließen und zahllose Häuser beschädigten. Um diese zuverlässige Energiequelle sicher einsetzen zu können, ist weiterhin Forschung notwendig.

Stiftungsprofessur durch Kooperation

Am Fachbereich Material- und Geowissenschaften ist 2009 durch eine Kooperation mit dem NaturPur Institut für Klima und Umweltschutz eine Stiftungsprofessur für das neue Fachgebiet „Angewandte Geothermie“ eingerichtet worden. Die Professur nimmt der Geologe Prof. Dr. Ingo Sass wahr. Im neuen Institut soll untersucht werden, wie Geothermie zukünftig nutzbar gemacht werden kann.

Als regenerative Energiequelle kann Geothermie helfen, CO2-Emmissionen zu reduzieren. Durch ihre Grundlastfähigkeit kann Geothermie zudem im Energiemix eine wichtige Rolle zwischen traditionellen Energieträgern wie Kohle und Kernkraft auf der einen, und regenerativen, aber nicht beständig verfügbaren Energielieferanten wie Sonne und Wind spielen.

Zum Thema:

Meldung zur Einrichtung der Stiftungsprofessur (11.09.2009)

Geothermie als maßgebliche Komponente von energieeffizienten Gebäuden (aus forschen 3/2007)

Institut für Angewandte Geowissenschaften