Bundeskanzlerin Merkel an der TU
Hoher Besuch im Plusenergiehaus
Dass heute kein Normalbetrieb auf der Darmstädter Lichtwiese herrscht, zeigt sich schon auf dem Parkplatz vor dem Gebäude des Fachbereichs Architektur. Der Übertragungswagen des ZDF reckt seine Satellitenschüssel in den Himmel und schwarzgekleidete Sicherheitsleute lehnen an den rot-weiß-gestreiften Absperrungen vor dem Zugang zum Gebäude. Noch ist alles ruhig. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wird erst in etwa einer Stunde per Hubschrauber einfliegen. Zum Abschluss ihrer Energiereise besichtigt die Regierungschefin heute das Plusenergiehaus „SurPlusHome“, mit dem Studenten der TU Darmstadt im letzten Jahr den renommierten Wettbewerb „Solar Decathlon“ in der US-Hauptstadt Washington gewonnen haben.
Die ersten Journalisten packen ihre Kameras und Mikrofone aus und legen sie auf die Tische im Presseraum, der sich im Architekturgebäude befindet. Sie setzen sich, und überbrücken die Zeit bis zur Ankunft der Kanzlerin mit Gesprächen.
Draußen leuchtet noch die Sonne auf die Solarzellen an den Fassaden des Plusenergiehauses, doch in der Ferne donnert es bereits. Eine Gruppe von Studenten wartet plaudernd vor dem Sonnenhaus, das mehr Energie erzeugt als es verbraucht und an dessen Bau sie beteiligt waren. Der Stolz ist ihnen anzusehen. Gemeinsam mit der Kanzlerin das Haus besichtigen dürfen sie allerdings nicht. Aber ein Kommilitone von ihnen, der Architekturstudent Hannes Beck, begleitet als Vertreter des Siegerteams die Kanzlerin bei ihrer Besichtigung.
Die Fieberkurve steigt langsam. Eine zehnköpfige Polizeitruppe spaziert am SurPlusHome vorbei. Präsident Hans-Jürgen Prömel plaudert mit dem gerade eingetroffenen Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Inzwischen treiben kurze aber heftige Schauer das Publikum zwischendurch in das Architektur-Gebäude.
Immer mehr Journalisten und Polizisten tauchen auf. Auch die Balkone des Architekturgebäudes füllen sich nach und nach mit Schaulustigen. Der nächste Sturzregen setzt ein und ins Plätschern mischt sich das Knattern eines Hubschraubers: die Kanzlerin kommt.
Am Zugang zum Plusenergiehaus versammeln sich Journalisten, Kameraleute und Prominenz: Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD), der Darmstädter CDU-Landtagsabgeordnete Rafael Reißer, die ehemalige Hessische Kultusministerin Karin Wolff (CDU), Thomas Hartkopf, der Leiter des Fachgebietes Regenerative Energiequellen der TU Darmstadt und die ehemalige Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD).
Aus der Ferne tönen Vuvuzelas und Trommeln. Rund 45 Atomkraftgegner demonstrieren vor der Absperrung und verlangen die Abschaltung des Atomkraftwerkes in Biblis.
Dann fahren die Limousinen mit Berliner Kennzeichen vor. Die Kanzlerin steigt aus, schüttelt Hände und macht sich auf den Weg in das SurPlusHome. Prof. Manfred Hegger, Leiter des Fachgebiets Entwerfen und Energieeffizientes Bauen, sowie zwei Studierende führen Frau Merkel das Haus vor. Während der Besichtigung ist das Lichtblitzgewitter durch die Fenster des Solarhauses zu sehen.
Bei der anschließenden Pressekonferenz zeigt sich Angela Merkel beeindruckt vom Plusenergiehaus der TU Darmstadt. „Die TU Darmstadt hat uns ein spannendes Projekt gezeigt“, sagte sie. Weil das SurPlusHome mehr Energie erzeuge als es verbrauche, sei es „ein Haus für die Zukunft“. Besonders beeindruckt habe sie, dass das Haus auch lange Zeit ohne Sonne überbrücken kann, ohne Energie von außen beziehen zu müssen. Das Haus sei zudem praktisch – „es sind alle Küchengeräte vorhanden“ – und habe eine architektonisch interessante Fassade. Sie könne sich vorstellen, eine Weile darin zu wohnen, sagte Angela Merkel. Das Haus zeige, wie wichtig interdisziplinäre Arbeit ist für die Akzeptanz neuer Technologien sei.
Auch der Bundesumweltminister Norbert Röttgen, der die Kanzlerin neben Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle begleitete, betonte die Wichtigkeit von Projekten wie dem SurPlusHome. Durch die Energieproduktion im eigenen Haus könne der Import teurer Energie durch regionale Wertschöpfung, die von Ingenieuren und Handwerkern erbracht wird, ersetzt werden.
Nach der Pressekonferenz, die Regierungssprecher Steffen Seibert moderierte, reiste die Kanzlerin innerhalb weniger Minuten ab. Die Journalisten strömten in den Presseraum, um ihre Artikel zu schreiben und Filmbeiträge zu produzieren.
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