Hochschulgruppe des Monats: TUD Schauspielstudio e.V.

Hochschulgruppe des Monats

TUD Schauspielstudio e.V.

„Die Welt ist eine Bühne“, lautet eines der berühmtesten Zitate Shakespeares. „Die Uni ist eine Bühne“ ist dagegen das Motto des TUD Schauspielstudio e.V. Die Hochschulgruppe führt Stücke von Dürrenmatt bis Molière auf und organisiert alles selbst. Ein Besuch bei den Proben.

Proben bei der Hochschulgruppe TUD Schauspielstudio e.V.. Bild: Jannes Lüdtke
Voll in der Rolle: Geprobt wird normalerweise einmal die Woche – oder täglich, wenn eine Aufführung ansteht. Bild: Jannes Lüdtke

Um die 20 Studierende stehen in einem hell erleuchteten Raum im Kreis. Sie fangen an, kreuz und quer durch den Raum zu schreiten, immer wieder grüßen sie sich, eilen entschlossen von Ecke zu Ecke – und dann hallt ein lautes „Freeze!“ durch den Raum und alle bleiben wie angewurzelt stehen. Willkommen bei der Sprechübung des TUD Schauspielstudios, die Miguel Parada jeden Dienstag leitet.

Parada geht es um Körpersprache, um Präsenz auf der Bühne und um das blinde Verständnis unter den Schauspielern. Ausgebildeter Schauspiellehrer ist er nicht, wie seine Mitstreiter treibt ihn die Leidenschaft für das Theater. So komisch man sich als Zuschauer vielleicht bei diesem Schauspiel auch vorkommt, es scheint großen Spaß zu machen. Es ist viel Bewegung im Spiel, es wird viel gelacht. Auch, als Claudia Baier einer anderen Studentin gegenübersteht und sie sich hunderte Male „Gute Nacht!“ entgegenrufen.

Mitmachen kann beim TUD Schauspielstudio jeder, nicht nur als Schauspielerin oder Schauspieler. Ca. 40 aktive Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat die Hochschulgruppe, bunt gemischt aus den verschiedensten Fachgebieten aller Darmstädter Hochschulen. Seit 2002 ist das Schauspielstudio ein eingetragener Verein, doch angefangen hat alles schon viel früher. Wann genau ist unklar, doch die ältesten Plakate und Rechnungen datieren aus den 1950er Jahren. Einiges hat sich seitdem getan und aus selbstgebauten Dimmern wurde eine professionelle Lichtanlage.

Ausgewählt wird basisdemokratisch

Die Hochschulgruppe TUD Schauspielstudio e.V. bei den Proben. Bild: Jannes Lüdtke
„Freeze!“ Miguel Parada leitet die Sprechübung. Bild: Jannes Lüdtke

Als Spielstädte nutzten die Jungschauspieler und -schauspielerinnen bis vor kurzem den Wilhelm-Köhler-Saal im zweiten Stock des Alten Hauptgebäudes. Weil der nun renoviert wird, musste man umziehen an das Theater Moller Haus. Hier ist es zwar schwerer Termine zu bekommen, aber es wird auch professioneller. „Wir machen alles selbst, wie ein richtiges Theater“, sagt Claudia Baier und ist sichtlich stolz, wie weit es das Schauspielstudio gebracht hat. Techniker, PR, Bühnenbildner, Regisseur: Nicht nur Schauspieler gibt es in der Hochschulgruppe, die von der Auswahl des Stücks bis zur letzten Aufführung alles organisiert.

Eine Hauptproduktion gibt es jedes Jahr – im letzten war es „Der Eingebildete Kranke“ von Molière – und immer wieder auch einige Nebenproduktionen. Ausgewählt wird das Hauptstück im März in einer basisdemokratischen Abstimmung. Vorher darf jeder seinen Vorschlag für ein großes Ensemblestück einbringen und präsentieren.

Von April bis Oktober wird dann geprobt, zunächst einmal die Woche, später fast täglich. „Es ist natürlich sehr zeitaufwendig, ein ganzes Stück zu inszenieren“, gibt Claudia Baier zu, aber „die Resonanz ist sehr gut, die letzten zwei Jahre waren sehr erfolgreich. Bei Molière letztes Jahr war bis auf eine Aufführung jeder Termin ausverkauft.“ Die Mühe lohnt sich also. Zehn Mal wird das Stück in der Regel aufgeführt und dann beginnt alles von vorne.

Campusreporter Jannes Jüdtke