Hochschulgruppe des Monats: Ingenieure ohne Grenzen

Hochschulgruppe des Monats

Zisternenbau in Kenia: Mareike Jenne von der Darmstädter Regionalgruppe der Ingenieure ohne Grenzen vor Ort in Aktion: Bild: Anton Blanke
Zisternenbau in Kenia: Mareike Jenne von der Darmstädter Regionalgruppe der Ingenieure ohne Grenzen vor Ort in Aktion: Bild: Anton Blanke

Ingenieure ohne Grenzen e.V.

„Hilfe zur Selbsthilfe“ lautet das Motto der Ingenieure ohne Grenzen e.V. Weltweit helfen Regionalgruppen des Vereins mit technisch einfachen Lösungen die Lebensumstände der Menschen in Entwicklungsländern zu verbessern. Das Darmstädter Team hat sich dabei auf Probleme rund um das Thema Wasser spezialisiert.

Sie bauen Zisternen in Kenia, erstellen einen Wassermanagement-Plan für eine Schule in Ladakh (Indien), forschen an einer solaren Wasserdesinfektion und informieren in deutschen Schulen von ihrer Arbeit – die Regionalgruppe Darmstadt der Ingenieure ohne Grenzen ist spezialisiert auf das Thema Wasser. Das älteste Projekt der 2007 gegründeten Hochschulgruppe ist der Zisternenbau in Kenia.

Die Menschen in dem ostafrikanischen Land durchleben jährlich zwei Trockenzeiten und müssen dann lange Wege auf sich nehmen, um an Wasser zu kommen, welches oft mikrobiell verunreinigt ist. „Durchfall oder andere schwerere Erkrankungen sind die Folge“, erzählt Arno Fey. Er ist Doktorand im Fachgebiet Materialwissenschaften. „Mittlerweile wurden dort über 60 Zisternen gebaut, die in der Regenzeit das Wasser speichern“, sagt er.

„Wir setzen unser Wissen ein, um Menschen mit essentiellen Problemen zu helfen“, fasst der Doktorand die Arbeit des Projektteams zusammen. Und dabei gehe es weniger darum eine Zisterne zu errichten und dann wieder zu verschwinden. „Wir geben unser Wissen weiter, damit es vor Ort bleibt und später auch ohne uns Zisternen gebaut werden können – wir wollen keine Abhängigkeiten schaffen.“

Die Darmstädter arbeiten mit einem ortsansässigen Projektpartner zusammen. „Zu unserem Partner und auch zu den Menschen vor Ort haben wir engen Kontakt“, sagt Arno. So seien sie teilweise beim Bau dabei, lernen die Arbeiter kennen und legen selbst Hand an. „Das reizt mich sehr, denn das kann man später im Beruf nicht mehr“, schwärmt er.

Offen für alle Fachrichtungen

Ingeineure ohne Grenzen e.V.: Zisternenbau in Kenia. Bild: Anton Blanke
Für ihre Projekte sucht der Verein Helferinnen und Helfer aus allen Fachrichtungen. Bild: Anton Blanke

Neben Ingenieuren sind auch Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter anderer Fachrichtungen bei den Ingenieuren ohne Grenzen aktiv. Zurzeit suchen sie verstärkt Soziologen, Gesellschaftswissenschaftler, Pädagogen und auch Kommunikationsdesigner. „Wir haben wirklich für jedes Studienfach eine Aufgabe“, sagt Johannes Muntau. Er studiert Umweltingenieurswissenschaften und ist seit zwei Jahren dabei. „Ingenieure ohne Grenzen ist mit ein Grund, weshalb ich mich für das Studium entschieden habe.“ Er hat sich schon zu Schulzeiten für Entwicklungsarbeit interessiert. „Und neben der Theorie im Studium gewinnt man bei uns Praxiserfahrung“, fügt er hinzu.

Auch Abschlussarbeiten im Bereich Bauingenieurswesen oder Soziologie werden regelmäßig mit eingebunden: Die Evaluation des Zisternenbauprojekts ist beispielsweise Teil der Masterarbeit einer Soziologiestudentin. „Sie analysiert, welchen Effekt der Zisternenbau auf die Menschen hat, wie es ihnen davor und danach geht“, erklärt Johannes.

Doch die Planung, Umsetzung und Evaluation einfacher technischer Lösungen ist nur ein Teil der Arbeit. „Wir machen viel im Bereich Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit und interne Verwaltung, das ist enorm wichtig“, erklärt Johannes. „Jedes Projekt hängt entscheidend von der Spendenbereitschaft ab“, ergänzt Arno. Und darum müsse geworben werden. Auch in Schulen machen die Darmstädter Ingenieure ohne Grenzen ihre Projekte bekannt und wollen so ein Bewusstsein für die Wasserprobleme schaffen. „Wir leben alle auf einer Erde, wir haben den Vorteil eines hohen Wissensstandards – wieso sollen wir den nicht exportieren?!“

kc

Weitere Informationen:

Regionalgruppe Darmstadt der Ingenieure ohne Grenzen e.V.