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Sommerschule 2013 „Das politische System Chinas. Historische Entwicklung und aktuelle Lage“

Teilnehmer/innen der Sommerschule in Shanghai.
Teilnehmer/innen der Sommerschule in Shanghai.

Summerschool am Institut für Deutschland- und EU-Studien der Tongji-Universität, Shanghai, vom 03. bis 15. September 2013.

Leitung: Prof. Dr. Hubert Heinelt, Institut für Politikwissenschaft.

Erfahrungsbericht von Dennis Heusser

„Wie jedes Semester begann ich auch diesmal mir die Bezeichnungen der angebotenen Vorlesungen und Seminare durchzulesen und war verwundert über den Titel „Summerschool in China“. Von dem Titel angezogen bewarb ich mich um einen Platz und sollte eine Zeit erleben, die ich so schnell nicht vergessen werde. Im Folgenden werde ich darlegen warum.

Die Summerschool begann damit, dass ich von zwei sehr netten chinesischen Studenten, Zhu Jinfeng und Wang Peng, am Flughafen abgeholt worden bin, deren perfektes (!) Deutsch mich sehr überrascht hat. Etwas angeschlagen vom Flug begann ich unvermittelt über Politik zu sprechen und war erfreut, welche Diskussionen sich so früh morgens am größtenteils menschenleeren Flughafen von Shanghai ergaben. Nachdem alle Kommilitonen eingetroffen waren, was mitunter etwas Zeit in Anspruch nahm, ging es dann mit einem Kleinbus in Richtung Stadtzentrum und wir bekamen durch die Fahrt schon einen kleinen Eindruck davon, was es heißt, in einer Metropolregion mit 28 Millionen Einwohner zu leben. Angekommen in einem tollen Hotel ging es gleich weiter zum gemeinsamen Abendessen, bei dem wir von Prof. Dr. ZHENG Chunrong begrüßt worden. In seiner kurzen Ansprache hob er hervor, dass es ihn sehr freut, dass so viele junge intellektuelle Menschen ein Interesse an China und der chinesischen Kultur haben und dass auch das Essen einen bedeutenden Stellenwert in China genießt. Etwas unbeholfen machten wir uns im Anschluss daran, das uns größtenteils unbekannte Essen mit Stäbchen zu probieren. Am nächsten Tag, den letzten unterrichtsfreien Tag, machten wir eine Stadttour in einem kleinen Minibus und fuhren mit dem Fahrstuhl auf die höchste Aussichtsplattform in Shanghai, dem World Finance Center, mit einer Höhe von 492m. Hier erfuhren wir auch, dass der moderne Stadtteil Pudong mit all seinen Hochhäusern innerhalb von nur 30 Jahren erbaut worden ist, was stellvertretend für die dynamische Entwicklung Chinas gelten kann. Mit dem nächsten Tag begann dann der Unterricht, der normalerweise in Kleingruppen von maximal 10 Studenten gehalten wird, und der mit einer kurzen Einführung in die chinesische Sprache durch unsere Gaststudenten endete. In der ersten Vorlesung führte uns Dr. HU Chunchun in die Politischen Diskurse der Tradition und Gegenwart Chinas ein. Besonders imponierend hierbei war die geschichtliche Darstellung der Entwicklung Chinas, angefangen mit der Frühen Dynastie, der Kaiserzeit und der Neuzeit sowie das Aufzeigen von verschiedenen Parallelen der europäischen und chinesischen Geschichte. Laut Prof. Hu befindet sich China derzeit noch in der Transformationsphase, einer Phase der Veränderung, wobei die künftige Entwicklung nur schwer abschätzbar ist. Um allerdings das gegenwärtige China zu verstehen, lohnt auch ein Blick in die Vergangenheit, was uns anhand der drei Gedankenschulen Konfuzianismus, Daoismus und Legalismus, die auch das heutige China prägen. Prof. Dr. WU Huiping erläuterte uns die Verfassungsprinzipien Chinas und betonte den speziellen Sonderweg Chinas, der abgekürzt wird mit der Endung „chinesischer Prägung, also Demokratie mit chinesischer Prägung in die Literatur Einzug hielt. Zwar gibt es in China demokratische Ansätze, aber eine Demokratie nach westlichem Vorbild und der Herrschaft durch das Volk, ist in China aufgrund der Alleinherrschaft und der Über-dem-System-stehenden Kommunistischen Partei Chinas (KPCH) aktuell nicht gegeben. Die KPCH stützt sich dabei vor allem auf die Output-Legitimität, die solange aufrechterhalten werden kann wie die wirtschaftliche Entwicklung prosperiert. Auch bei der Frage nach einer chinesischen Zivilgesellschaft waren wir überrascht, als uns Prof. Dr. ZHENG Chunrong ein chinesisches Wort für „zivile Organisationen“- Minjian Zuzhi beibrachte, das synonym für die chinesische Zivilgesellschaft verwendet wird. Denn auch hier können schlichtweg keine westlichen Begriffe verwendet werden, da sich jede Organisation bestimmten Rechts- und Fachaufsichten unterwerfen muss, falls die Organisationen nicht verboten werden sollen. Wie auch bei zivilen Organisationen gibt es im Bereich der Massenmedien sich kontinuierlich wiederholende Öffnungs- und Schließungsphasen, die den Zugang zu und den Umgang mit Informationen regeln. Schließlich ergibt sich daraus eine andere Funktion für die Massenmedien als in den westlichen Ländern, die in China als Sprachrohr aber auch als Kontrolleur fungieren. Das Ein-Parteiensystem Chinas zeichnet sich zwar durch eine vorhandene Opposition aus, die formal aber nur in der Konstultationskonferenz (PKKCV) mitwirken kann, sonst keine Gestaltungsmöglichkeiten besitzt und daher nicht als Alternative zur KPCH gelten kann. Zum Abschluss der Summerschool bekamen wir von Dr. ZHU Miaomiao eine eher kritische Analyse des Zusammenspiels von Staat und der Wirtschaft vorgetragen. So sei das chinesische Wirtschaftswachstum primär von dem Staat getragen, wobei die wirtschaftlichen Gewinne nicht unmittelbar den chinesischen Bürgern zugute kommen würden. Bis heute gibt es nur das Bodennutzungsrecht, während das Bodenbesitzrecht nicht existiert und der Immobiliengrund bspw. für jeweils nur 70 Jahre gepachtet werden kann. Zusammengefasst werden können die Eindrücke der Vorlesungen wohl am ehesten mit dem Satz: Das politische System Chinas zeichnet sich durch eine ideologische Kontinuität bei politischem Pragmatismus aus.

Neben dem Unterricht der Summerschool blieb dennoch genügend Zeit, um die Metropolregion Shanghai zu bereisen, bedeutende Sehenswürdigkeiten zu besuchen, das Nachtleben zu erkunden und eine Partie Badminton mit unseren Gaststudenten zu spielen. Vor allem die vielseitigen Eindrücke und die vorhandenen Gegensätze zwischen reich-arm, modern-traditionell, westlich-östlich und die kulturellen Besonderheiten einer mir vorher fremden Kultur haben diesen Auslandsaufenthalt zu einer sehr wertvollen Erfahrung für mich gemacht. Erst im Nachhinein kann ich verstehen, warum die politische Elite Chinas soviel Wert auf Ordnung und Stabilität legt und die Bürger Chinas größtenteils mit dem derzeitigen politischen Systems (noch) zufrieden sind. Meine weiteren Reisen nach Peking und Hongkong rundeten die Summer School ab und mir bleiben neben den unzähligen Fotos, viele tolle Momente, neue Freunde und das Interesse, mehr über die chinesische Kultur und das politische Systems Chinas lernen zu wollen.“

Erfahrungsbericht von Jan Doser

„Die Kooperation zwischen der Tongji Universität und der Technischen Universität Darmstadt ermöglichte mir es zwischen dem 2ten und dem 15ten September 2013 an der Summerschool in Shanghai zu dem Thema „Das politische System Chinas. Historische Entwicklungen und aktuelle Lage“ teilzunehmen. Die Themen in diesen zwei Wochen drehten sich unter anderem um die Verfassungsprinzipien, Verfassungsorgane, das Verbändewesen, die zivile gesellschaftliche Organisationen und die Massenmedien Chinas. Während der Seminare konnte ich meine persönliche Meinung über die Volksrepublik mit der Realität abgleichen und viele Aspekte revidieren. Durch die dezidierten Diskussionen mit den hoch motivierten chinesischen Dozenten und Studenten konnte ich mir nun ein differenziertes Bild von der tatsächlichen Situation in dem Land machen, welches ich vorher zumeist nur auf Grundlage von Medienberichten zeichnete. Die deutschen Medien greifen dahingehend in ihrer Bericht-erstattung häufig zu kurz und schätzen die Handlungen der Außen- und Innenpolitik unter falschen Voraussetzungen ein und berichten ohne den sozialen, kulturellen und politischen Kontext objektiv zu bewerten. Gerade die über mehrere Jahrtausende gewachsene politische Kultur in China wird in ihrer Bedeutung häufig unterschätzt, wenn es um politische Fragen geht. Auch die Kommunistische Partei Chinas wird in diesem politischen Kontext zu sehr als monolithisches und allmächtiges Schreckgespenst beschrieben. Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zeigen dahingehend, dass die Partei zwar sehr machtvoll, aber auch von der Realität getrieben ist. Sie steht massiv unter Druck sich durch gute Politiken und breiten wirtschaftlichen Erfolg zu legitimieren und nicht von den Bürgern ernsthaft in Frage gestellt zu werden, die sie derzeit noch akzeptieren, tolerieren und auch unterstützen. Vor diesem Hintergrund kann ich die Summerschool nur als sehr wertvoll für ein politikwissenschaftliches Studium empfehlen. Neben den akademischen Einblicken war die Reise auch eine sehr große persönliche Bereicherung. Es war unserer Gruppe vergönnt selbständig die Stadt zu er-kunden und die verschiedenen Eindrücke dieser sehr modernen Stadt aufzunehmen und mit den Menschen in persönlichen Kontakt zu kommen. Besonders die uns betreuenden Studenten öffneten sich uns und gaben sich sehr viel Mühe all unsere Fragen zu beantworten und uns eine wunderbare Zeit zu ermöglichen. So konnten wir die moderne und die historische Seite des Landes kennenlernen und die verschiedenen kulinarischen Traditionen genießen.“