Workshop_2016_03

Internationaler Workshop an der Tongji Universität in Shanghai

Eine erste Ortsbegehung der ausgewählten Freiräume entlang des Huangpu Jiang Rivers nördlich der Shanghaier Innenstadt. Untersucht wurde die Gestaltung, die verschiedenen Nutzungspraktiken und -­‐rythmen und die Bedeutung für die Bewohner der Quartiere.
Eine erste Ortsbegehung der ausgewählten Freiräume entlang des Huangpu Jiang Rivers nördlich der Shanghaier Innenstadt. Untersucht wurde die Gestaltung, die verschiedenen Nutzungspraktiken und -­‐rythmen und die Bedeutung für die Bewohner der Quartiere.

Das erste Ziel der Reise bestand darin, Studierenden der Architektur (Master) die Möglichkeit zu bieten, aktuelle Prozesse der Stadtentwicklung und Formen der Nutzung städtischer Räume in China in eigener Anschauung kennenzulernen und sich der Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Vergleich zum europäischen Kontext bewusst zu werden. Die Zusammenarbeit mit chinesischen Studierenden wurde dabei als wichtiges Mittel zur Intensivierung der Studienreise erachtet.

Vorbereitend auf die Exkursion wurde im Februar 2016 in Darmstadt ein Blockseminar durchgeführt. Dieses widmete sich dem städtischen Raum als Ort des öffentlichen Lebens und als Ausdruck kultureller Identität in einer vergleichenden Betrachtung von China und Deutschland. Exemplarisch untersucht wurde diese Thematik anhand der Städte Shanghai und Frankfurt am Main. Zu den Lehrinhalten gehörten die geschichtliche Genese heutiger Stadtstrukturen und Stadtraumnutzung in beiden Ländern, die Geschichte der Gartenkunst in China sowie die gegenwärtigen Planungsbedingungen und aktuellen Entwicklungen der Landschaftsarchitektur in China und Deutschland. Darüber hinaus wurden Methoden der empirischen Sozialforschung zur Beobachtung und Evaluierung der Nutzung öffentlicher Freiräume vermittelt, da diese während des Workshops in Shanghai benötigt wurden (Nutzungskartierung, teilnehmende Beobachtung, Befragung, explorative Interviews, Post‐Occupancy‐Evaluation nach Claire Cooper Marcus, fotografische Bestandsaufnahme, zeichnerische Vor‐Ort‐Analyse).

Der Workshop in Shanghai begann am Montag Morgen mit Informationen zu dem Programm und den Zielen des Workshops sowie mit einem gemeinsamen Rundgang über den Campus der Tongji University. Mit einem daran anschließenden Vortrag informierte Prof. Dr. Nannan Dong unsere Gruppe über aktuelle Planungsthemen in China und die Herausforderungen, mit denen Shanghai gegenwärtig konfrontiert ist. Dieser Vortrag bot eine erste Grundlage zum Verständnis dessen, was im Folgenden zu untersuchen war: In gemischten Kleingruppen von chinesischen und deutschen Studierenden wurde die Nutzung ausgewählter Freiräume im Wohnumfeld entlang des Huangpu Jiang Rivers nördlich der Shanghaier Innenstadt erhoben und ausgewertet. Die Teams hielten sich vier halbe Tage im Feld auf. Dabei kamen die im Vorbereitungsseminar erlernten Forschungsmethoden zum Einsatz. Als notwendig erwies es sich, insbesondere in den frühen Morgenstunden und nach Feierabend vor Ort zu sein, da Freiräume in China in dieser Zeit traditionell am stärksten genutzt werden.

Die Ergebnisse der empirischen Untersuchung wurden gemeinsam ausgewertet und am letzten Tag präsentiert. Sie waren für uns Deutsche äußerst lehrreich und somit ein hervorragender Einstieg in die Thematik und die Kultur.

Touren zu wichtigen Schauplätzen der Stadt‐ und Freiraumentwicklung in Shanghai, etwa einer historischen Wasserstadt, des Shanghai Urban Planning Exhibition Centers und eines Uferbereichs des Huangpu Rivers mit dem Gelände der EXPO 2010, zum dem auch der Houtanpark als ökologisch vorbildhaft sanierte Konversionsfläche gehört, komplettierten das Programm.

Gerade bei diesen Ausflügen, aber auch im Guest House erwies es sich aufgrund der Sprachbarriere als äußerst nützlich, ja geradezu notwendig, mit Frau Wei eine Muttersprachlerin in unserem Team zu haben.

Die Beobachtung der Nutzungen öffentlich zugänglicher Freiräume im Wohnumfeld erwies sich als sehr geeigneter Weg, um ein Verständnis für aktuelle Planungsanforderungen in China zu entwickeln. Im Zuge des Hineinbegebens in den chinesischen Alltag, das für alle eindrücklich war, lernten die Studierenden unterschiedliche Typen städtischer Räume in ihrer Gestaltung, den typischen Nutzungspraktiken und ‐rythmen und in ihrer Bedeutung für die Bewohner der Quartiere kennen. Gerade auch in der Zusammenarbeit mit chinesischen Studierenden hat der Workshop zur Entwicklung interkultureller Kompetenz beitragen und eine fachübergreifende Perspektive entwickeln geholfen. Shanghai erwies sich als relativ westlich geprägte Stadt als guter Einstiegsort zum Kennenlernen der chinesischen Kultur und aufgrund der hohen Dynamik seiner städtischen Entwicklung als extrem interessanter Kontext für (angehende) Architektinnen und Architekten.