Archiv Aktuelles Details breit

23.10.2014

„Wir wollen lernen und uns austauschen“

Workshop zu möglicher Systemakkreditierung mit reger Beteiligung

Das Präsidium strebt für die TU Darmstadt eine Systemakkreditierung an. Damit soll die Qualitätssicherung in Lehre, Forschung und Struktur besser verzahnt, bestehende Qualitätssicherungsinstrumente und Synergiepotenziale besser genutzt werden. In einem hochschulweiten Workshop am 21. Oktober konnten sich alle Interessierten zu dem Thema gemeinsam mit dem Präsidium und externen Experten austauschen.

Es herrschte großes Interesse am Thema Systemakkreditierung und aktive Beteiligung in der Diskussion.Bild: Patrick Bal
Es herrschte großes Interesse am Thema Systemakkreditierung und aktive Beteiligung in der Diskussion.Bild: Patrick Bal

Seit 2009 hat die TU Darmstadt ihr Qualitätsmanagement konsequent ausgebaut und weiterentwickelt. Dabei wurden neue Qualitätssicherungsinstrumente (z. B. Verfahren zur Entwicklung- und Weiterentwicklung von Studiengängen, Institutionelle Evaluation) eingeführt sowie bestehende Instrumente weiterentwickelt und optimiert (z. B. Lehrveranstaltungsevaluation). Darauf basierend könnte dieses Qualitätsmanagementsystem nun in einem nächsten Schritt in dem Verfahren der Systemakkreditierung extern begutachtet werden. Dazu fanden an verschiedenen Stellen bereits Gespräche statt, im November soll der Senat dazu ebenfalls eine Stellungnahme abgeben.

Den rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus allen Bereichen der Universität wurde im Rahmen eines hochschulweiten Workshops die Möglichkeit geboten, sich gemeinsam mit dem Präsidium und externen Referentinnen und Referenten darüber auszutauschen, welche Chancen und Herausforderungen mit einer Systemakkreditierung verbunden sind und wie dieses Vorhaben gemeinsam angegangen werden kann.

Der Präsident der TU Darmstadt, Professor Hans Jürgen Prömel, stellte in seinem Eröffnungsvortrag ein mögliches Qualitätssicherungssystem, das die Bereiche Studium und Lehre sowie Forschung verbindet, vor. Dieses wird zurzeit in einem Pilotverfahren in den Materialwissenschaften erprobt. Der Präsident warb dafür, die Qualitätskultur an der Universität weiter zu fördern und zu leben. Mithilfe einer Systemakkreditierung könnte man im Bereich der Qualitätssicherung und -weiterentwicklung „vieles passgenauer für unsere Uni machen“. Er betonte dabei auch die notwendige Zusammenarbeit aller Universitätsmitglieder bei der Weiterentwicklung solcher Verfahren.

Externe Expertise einholen

Dr. Tina Klug, Prof. Dr. Frank Gießelmann, Friederike Leetz, Präsident Prömel, Vizepräsident Bruder und Claudia Meijering (v.l.n.r.) beantworteten Fragen und diskutierten mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Bild: Patrick Bal
Dr. Tina Klug, Prof. Dr. Frank Gießelmann, Friederike Leetz, Präsident Prömel, Vizepräsident Bruder und Claudia Meijering (v.l.n.r.) beantworteten Fragen und diskutierten mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Bild: Patrick Bal

Eingeladene Gäste des Akkreditierungsrats, der Universität Stuttgart, der Technischen Universität München und der Johannes Gutenberg Universität Mainz gaben im ersten Veranstaltungsteil Einblicke in ihre Arbeit und berichteten von ihren Erfahrungen. So zeigte sich Friederike Leetz (Referentin beim Akkreditierungsrat) „beeindruckt vom Stand der Vorbereitungen“ und bescheinigte schon dem derzeitigen integrierten Qualitätsmanagement der TU Darmstadt, „außerordentlich zukunftsfähig und tragfähig“ zu sein. Sie empfahl der TU, auch weiterhin den Dialog aufrechtzuerhalten.

Auch Claudia Meijering (Leitung des Hochschulreferats Studium und Lehre, Leitung des Studenten Service Zentrums an der TU München, systemakkreditiert seit 2014) ermutigte die Zuhörer und Zuhörerinnen, weiter in Richtung Systemakkreditierung zu denken, da ihrer Meinung nach in Sachen Qualitätsmanagement schon sehr vieles angelegt und vorbereitet sei. Dr. Uwe Schmitt (Leiter des Zentrums für Qualitätssicherung und -entwicklung, JGU Mainz, systemakkreditiert seit 2011) machte deutlich, dass für ihn der zentrale Vorteil einer Systemakkreditierung darin läge, dass die Steuerung der Qualitätsziele und -kriterien wieder zurück in die Hochschule gelangten.

In der Podiumsdiskussion mit den Gästen, Präsident Prömel, Vizepräsident Bruder und Dr. Tina Klug (Leiterin des Referats Qualitätsmanagement) wurden sowohl Fragen nach Herausforderungen und Chancen, aber auch nach Mitgestaltungsmöglichkeiten gestellt und diskutiert. Die rege Diskussionsbeteiligung zeugte nicht nur von großem Interesse am Thema, sondern auch von der Bereitschaft, sich aktiv an zukunftsgestaltenden Prozessen zu beteiligen.

In den darauffolgenden fünf parallelen Workshops konnten verschiedene Aspekte rund um die Systemakkreditierung, wie z. B., Ablauf und Kriterien einer Systemakkreditierung oder externe Begutachtungen, vertieft diskutiert werden. In allen Workshops wurde intensiv und konstruktiv diskutiert. Erneut zeigte sich die hohe Bereitschaft der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Zukunft der TU Darmstadt mitgestalten zu wollen.

Am Ende der Veranstaltung fasste TU-Präsident Prömel die Ergebnisse zusammen und zeigte sich erfreut darüber, dass auch am Ende des langen Tages Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur noch zahlreich anwesend waren, sondern sich auch noch aktiv beteiligten. Das sei ein tolles Zeichen für die Universität und wichtiger Bestandteil eines Prozesses der Identitätsbildung.

Hintergrund: Systemakkreditierung

Systemakkreditierung bedeutet, dass anders als bisher bei Programm- und Clusterakkreditierungen, nicht mehr einzelne Studiengänge überprüft und zertifiziert werden, sondern das gesamte interne Qualitätsmanagementsystem unter die Lupe genommen wird. Hierfür wird das Qualitätsmanagement von einer externen Agentur geprüft. Im Erfolgsfall heißt das dann, dass nach einer solchen Zertifizierung alle Studiengänge, die das universitätsinterne Qualitätsmanagement durchlaufen haben, als akkreditiert gelten. Die Systemakkreditierung hat zunächst eine Laufzeit von sechs Jahren, danach ist eine Reakkreditierung notwendig.

Die TU Darmstadt verspricht sich von der Systemakkreditierung mehrere Vorteile: Zum einen werden positive Synergieeffekte erwartet, die sich aus der Integration der Begutachtung auf Studiengangebene (bisherige Programmakkreditierung) und auf institutioneller Ebene (Institutionelle Evaluation) ergeben: Der Aufwand für die evaluierten Bereiche wird reduziert und in den Bereichen des Zeit- und Wissensmanagements werden Ressourcen frei, die wiederum sinnvoll für die Weiterentwicklung und Verbesserung der Qualitätssicherungsinstrumente und -prozesse genutzt werden können.

Zum anderen kann das Ziel der forschungsorientierten Lehre durch die weitere Integration der Qualitätssicherung aller Bereiche (Begutachtung der Studiengänge im Rahmen des Institutionellen Evaluationsverfahrens) konsequent umgesetzt werden. Darüber hinaus können die externen Begutachtungen auf Studiengangebene eine qualitative Verbesserung erfahren, da Gutachterinnen und Gutachter für das Institutionelle Evaluationsverfahren auch die Studiengänge betrachten. Ausgewählte Gutachterinnen und Gutachter evaluieren somit den Fachbereich ganzheitlich und können dadurch Alleinstellungsmerkmale der TU Darmstadt in die Begutachtung einfließen lassen. Schlussendlich führt eine Systemakkreditierung so zu einer größeren Autonomie.

zur Liste