Ines Geipel

Ines Geipel

Ines Geipel, Schriftstellerin und im Jahr 2010 Professorin für Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst. Bild: privat
Ines Geipel, Schriftstellerin und im Jahr 2010 Professorin für Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst. Bild: privat

Ines Geipel war einmal eine der schnellsten Frauen der Welt. In den 1980er Jahren gehörte sie zur DDR-Leichtathletik-Nationalmannschaft. Sie wurde Opfer des Zwangsdopings in der DDR. Im Sommer 1989 floh Geipel über Ungarn aus der DDR und studierte an der TH Darmstadt Philosophie und Soziologie.

Heute ist sie Schriftstellerin und Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Über ihre Zeit an der TH Darmstadt sagt Ines Geipel:

„Nach meiner Flucht aus der DDR im Sommer 1989 war Darmstadt für mich ein wichtiges Interregnum und das Studium an der TH Darmstadt so etwas wie der geistige Basalraum. Lesen, lesen und zwar das, was bisher nicht gestattet war: Deleuze, Bataille, Gadamer, Steiner, aber auch Genet, Char, Duras, Borges. Der Aufenthalt im Darmstädter Denkschloss war im Grunde ein einziges ausuferndes, unverdauliches Lesefest. Man konnte all die Denkschwergewichte natürlich nicht schlucken, aber ihnen das erste Mal begegnen. Ich saß ganz oben, direkt unter dem Dach im Schloss, in den Übungen von Gernot Böhme, hörte den gespreizten Sätzen der mehrheitlich männlichen Promoventen nach und fragte mich, was von all dem die Tauben später mit in den Himmel nehmen würden, die es sich in der obersten Reihe des Bücherregals seit geraumer Zeit gemütlich gemacht hatten. Wenn ich heute mit einem Text stocke, der zu schreiben ist, rufe ich mitunter jenes seltsame, verwunschene Gegurre heran und die Atmosphäre in diesem von Vogelkot angereicherten Kabuff. Als ich ging, wurde ich Schriftstellerin. Zwischen diesen beiden Sätzen hockt meine ganze Dankbarkeit gegenüber dem Schutzraum, den mir die Stadt, die Hochschule, das Institut gegeben haben“.

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