Zivile und militärische Luftfahrtforschung – ab 1908

Zivile und militärische Luftfahrtforschung – ab 1908

Flugplatz Lichtwiese in den 1920er Jahren. Bild: Stadtarchiv Darmstadt
Flugplatz Lichtwiese in den 1920er Jahren. Bild: Stadtarchiv Darmstadt

Welche Universität besitzt schon einen eigenen Flugplatz? Die Technische Universität Darmstadt ist seit dem Jahr 2005 Eigentümerin des in Deutschland ältesten Flugfeldes. Benannt ist es nach dem Luftfahrtpionier August Euler. Der Tausendsassa Euler (1868-1957) gründet den Start- und Landeplatz 1908 auf dem Griesheimer Sand. Er hat in ganz Deutschland einfach die Nase vorn: In seiner Flugzeugfabrik auf dem Gelände baut er erstmals Motorflugzeuge. Hier gründet er die erste Flugschule.

Und die TH Darmstadt ist angesteckt vom Pioniergeist: Sie richtet 1913 den ersten Lehrstuhl für „Luftschifffahrt und Flugtechnik“ ein. Mit ihren Fachvorlesungen in Flugtechnik, Mechanik und Aerodynamik sowie Flugmeteorologie bietet die Hochschule hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten. 1921 gründen Studenten die Akademische Fliegergruppe, die in Eigenarbeit Flugzeugtypen entwickelt und produziert. hre spektakulären Rekorde begründen den internationalen Ruf Darmstadts als Zentrum des Segelflugs. Ab 1927/28 ist im Maschinenbau die Spezialisierung zum Flugzeug-Ingenieur möglich.

Darmstadt Airport 1924/25

August Euler in einem seiner ersten Flugzeuge, 1909. Bild: Stadtarchiv Darmstadt
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August Euler in einem seiner ersten Flugzeuge, 1909. Bild: Stadtarchiv Darmstadt

Mit der Gründung einer Flugbetriebsgesellschaft durch die Stadt Darmstadt, die Technische Hochschule, das Land Hessen und die örtliche Industrie entwickelt sich 1924/1925 das Feldgelände Lichtwiese, heute der zweite Campus der TU Darmstadt, zum Vorläufer des heutigen Frankfurt Airport: Die Süddeutsche Luft Hansa nimmt 1926 den Luftverkehr auf den Linien nach Stuttgart und München sowie nach Köln, Hannover und Hamburg auf.

Flugplatz Griesheim 1933/34

1933/34 wird der Flughafen Darmstadt auf das Gelände am Griesheimer Sand verlegt – genehmigt vom Reichsluftfahrtministerium und Auswärtigem Amt. Das NS-Regime weiß um das militär- und rüstungstechnisch nutzbare Potenzial besonders der Wissenschaftler vor Ort und der Flugzeugindustrie. Das rasch für die Luftwaffe ausgebaute und modernisierte Gelände wird zu einem für die Kriegsplanung wichtigen Ausbildungs- und Entwicklungszentrum im Deutschen Reich mit mehr als tausend Beschäftigten. Professoren der TH beteiligen sich umfangreich an der Rüstungsforschung. Zwischen 1935 und 1937 entsteht der Windkanal der TH.

Die Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) ist auf dem Flughafen ebenso ansässig wie die studentische Akaflieg, der Deutsche Luftsportverband, die Ingenieurschule für Luftfahrtechnik und ab 1937 die vormilitärische Kampforganisation„Nationalsozialistisches Fliegerkorps (NSFK)“.

Testfeld für viele Wissenschaften

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nutzen die US-amerikanischen Truppen das Areal. 1955 übergeben die Amerikaner den Windkanal an die Hochschule, 1992 auch den Flugplatz für Starts und Landungen zu wissenschaftlichen Zwecken.

Inzwischen forschen rund ein Dutzend Institute und Fachgebiete der TU auf dem Flugplatz: Sie messen mit Flugzeugen Turbulenzen in der Atmosphäre, testen Sicherheits-Assistenzsysteme und neue LED-Rückleuchten in Autos, entwickeln Anwendungen für die Satellitennavigation und haben ein geowissenschaftlich wie biologisch hoch interessantes, weites Feld.