Aufbruchstimmung und Protest

Aufbruchstimmung und Protest

Die Jahre 1968 bis 1971

Aufbruchstimmung und Protest: Günter Grass als Gastredner im großen Hörsaal der Elektrotechnik, Oktober 1968. Bild: Darmstädter Echo
Aufbruchstimmung und Protest: Günter Grass als Gastredner im großen Hörsaal der Elektrotechnik, Oktober 1968. Bild: Darmstädter Echo

Aufbrausend und massenhaft ist er nicht, der Studierendenprotest Ende der 1960er Jahre an der Technischen Hochschule Darmstadt. Nicht zu vergleichen mit den Auseinandersetzungen an der Uni Frankfurt am Main. Und doch: Auch in Darmstadt gibt es Go-ins, Sit-ins und lautstarke Diskussionen in überfüllten Hörsälen. Es geht um politische Befreiung, Frieden und Solidarität in der Welt, um mehr Demokratie in der Gesellschaft und gleiche Bildungschancen, um grundlegende Reformen der wissenschaftlichen Ausbildung, um den Abbau von Hierarchien an der Ordinarien-Universität zugunsten von Emanzipation und paritätischer Mitbestimmung.

Mehr als ein Jahr ringen die Gruppierungen der Universität um Proporz und paritätische Besetzung des Großen Senats. Im März 1968 tritt die neue Hochschulsatzung in Kraft. Künftig heißt der Verwaltungsdirektor Kanzler. Im Mai 1969 berichtet das Zweite Deutsche Fernsehen live von der TH Darmstadt: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik tagt ein „drittelparitätisch“ zusammengesetztes Leitungsgremium einer Universität und wählt ein Direktorium.

Neugliederung und der erste Präsident

Politische Parolen im alten Hauptgebäude, 1969. Bild: Archiv TU Darmstadt
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Politische Parolen im alten Hauptgebäude, 1969. Bild: Archiv TU Darmstadt

Dem Großen Senat der TH gehören je 36 Hochschullehrer, wissenschaftliche Beschäftigte und Studierende sowie 12 Mitarbeiter aus Verwaltung und Technik an.

Die Aufbruchstimmung währt nur Monate: Im Januar 1970 erklärt der Hessische Verwaltungsgerichtshof die Satzung der TH Darmstadt wegen formaler Mängel für rechtsungültig. Universitätsrektor Professor Max Guther tritt im Mai 1970 zurück – aus Protest gegen das seiner Ansicht nach zu wenig liberale neue Hessische Universitätsgesetz.

Dennoch beschleunigt die Gesetzes-Novelle den Umbau der Hochschulen und unterstützt Strukturen einer Gruppenuniversität: Die Verwaltung wächst zu einer Einheit zusammen, aus Fakultäten werden neugegliederte, sich selbst steuernde Fachbereiche. Der Konvent der TH wählt 1971 den Historiker Professor Helmut Böhme zum ersten Präsidenten in der Geschichte der Universität.