Die Lust am Musizieren

Die Lust am Musizieren

Das Orchester der TU Darmstadt hat eine lange Tradition. Bild: Katrin Binner
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Das Orchester der TU Darmstadt hat eine lange Tradition. Bild: Katrin Binner

Igor Strawinsky und Wolfgang Amadeus Mozart – das Orchester der TU Darmstadt liebt klassische wie moderne Komponisten. Dirigenten voller Temperament haben das 1947 gegründete Ensemble geformt. Dr.-Ing. Karl Marguerre, Professor für Mechanik, ruft 1947 das Orchester ins Leben, „um Studierenden, die dazu Lust haben, zum Musizieren Gelegenheit zu geben und durch Musikabende auch Hörer anzusprechen.

Die beiden Zielsetzungen widersprechen sich bis zu einem gewissen Grade; denn da grundsätzlich jeder, der regelmäßig zu den Proben kommt, mitwirken kann, lassen sich Hochleistungen des Ensembles naturgemäß nicht erzüchten. Aber die Freude der Musizierenden überträgt sich erfahrungsgemäß auf die Hörer, so daß bisher noch nie ein Musikabend fehlgeschlagen ist …“.

Bis zu seinem Tod 1979 leitet Marguerre das Orchester und den 1951 dazu gegründeten Chor.

Ein neuer Chef bringt neuen Schwung

1981 übernimmt der neue Chefdirigent Martin Knell den Taktstock und setzt neue Akzente: Bekanntes aus der klassischen Epoche ergänzt der Dirigent um zeitgenössische, spannungsreiche Stücke und begeistert Musiker und Publikum für die Vielfalt der Musikkultur. Aus dem zu Anfang kaum 30 Musiker zählenden Ensemble ist ein stattliches Orchester geworden mit regelmäßig über 60, in einzelnen Semestern bis zu 100 Instrumentalisten – Studierende, Lehrende, Angestellte der Universität und „Ehemalige“.

Mit Martin Knell entdeckt das Orchester den Darmstädter Schlosshof als Open-Air-Aufführungsort. Konzertreisen führen nach Russland, Rumänien, Ungarn, Zypern, Italien und Lettland, um dort mit Chören oder Orchestern gemeinsam ein Programm zu erarbeiten und dieses sowohl in Darmstadt als auch im jeweiligen Gastland aufzuführen. Viele persönliche Freundschaften entstehen.

Im Februar 2010 gibt Martin Knell sein furioses Abschiedskonzert. Kann es einen schöneren Auftakt für seinen Nachfolger geben?

„Besonders eindrucksvoll war das Mozart-Requiem, das wir zum 200. Todestag Mozarts, in seiner Todesnacht am 5. Dezember 1991, in der Darmstädter Stiftskirche aufführten. An der Stelle, an der das originale Autograph von Mozart abbricht – es ist ja eigentlich ein Fragment – haben wir das Konzert eine halbe Minute unterbrochen. Das war einer der denkwürdigsten Momente, seit ich in Darmstadt mit dem Orchester und auch mit dem Chor arbeite. Dann haben wir nach Ende, so wie es sein Schüler Süßmayr komplettiert hat, fortgesetzt. Welch ein Erlebnis.“ (Martin Knell)