Der Traum vom Fliegen

Der Traum vom Fliegen

Die akademische Fliegergruppe (Akaflieg) tüftelt seit 1920 an der TU Darmstadt. Bild: Akaflieg
Die akademische Fliegergruppe (Akaflieg) tüftelt seit 1920 an der TU Darmstadt. Bild: Akaflieg

Sie gehen oft und gerne in die Luft. Und gehören mit ihren Konstruktionen seit Jahrzehnten bundesweit zu den Überfliegern auf ihrem Gebiet: Forschen, Bauen, Fliegen – diesem Motto folgt die „Akademische Fliegergruppe“ (Akaflieg) der Technischen Universität Darmstadt seit 1920. Heute tüfteln die Studierenden an einem neuen Prototyp, dem Ausbildungs-Segler D-43. Im Rumpf können Fluglehrer und Schüler erstmals nebeneinander sitzen. Das gab es bisher nur für Motorflieger.

Für Notfälle in der Luft entwickelt die Akaflieg das Piloten-Rettungssystem für die D-43 gleich mit: SOTEIRA heißt das künftige Rettungssystem zum Überleben. In höchster Not katapultiert eine Feststoff-Rakete den Piloten mit einem Ruck aus dem Cockpit, ein Fallschirm bringt ihn unversehrt zu Boden.

Die rund 50 Studierenden, die sich heute mit mehr als 300 Arbeitsstunden im Jahr für das Segelfliegen ins Zeug legen, bekommen als Gegenleistung für ihr Engagement eine Pilotenausbildung und einen Segelflugschein. Mitmachen können alle Immatrikulierten. Die TU Darmstadt stellt Werkhalle und Büros, finanzielle Unterstützung sowie das Know-how des Fachbereichs Maschinenbau, besonders des Fachgebiets Konstruktiver Leichtbau und Bauwesen, zur Verfügung.

Die „Darmstädter Schule“

Das Rettungssystem SOTEIRA in Aktion. Bild: Akaflieg
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Das Rettungssystem SOTEIRA in Aktion. Bild: Akaflieg

Die Faszination für Segelflugzeuge und das Fliegen teilen die heutigen Mitglieder der Fliegergruppe mit den Gründervätern von Akaflieg, die die erste von weltweit zehn gleichnamigen Technik-Vereinigungen nach dem Ersten Weltkrieg ins Leben riefen. Damals war aufgrund der Versailler Verträge das motorgetriebene Fliegen verboten.

Bereits 1923 baute die Akaflieg Darmstadt die D-9, „den Konsul“, mit stromlinienförmigem Rumpf und freitragenden Flügeln mit hoher Streckung: Noch heute werden Segelflugzeuge in dieser Art gebaut – man spricht von der Bauweise der „Darmstädter Schule“. Johannes Nehring, Mitglied der Akaflieg, gelang 1925 in der D-9 sein erster Weltrekord und lieferte 1926 erstmals den Nachweis, dass Segelfliegen im thermischen Aufwind möglich ist. Im März 1931 übernahmen Mitglieder der Akaflieg Darmstadt eine Vorreiterrolle beim Test des Flugzeugschlepps und gewannen später zehn Weltrekorde im Segelflug, siegten in Rhön-Segelflugwettbewerben und bei Alpenüberquerungen.

Die „Akademische Fliegergruppe“ Darmstadt steht seit jeher für Neukonstruktionen und Erfindungen, die weltweit wegweisend für den Segelflugzeugbau sind.