Sonnige Aussichten

Sonnige Aussichten

Siegerhaus der TU Darmstadt, Solar Decathlon 2009. Bild: Stefano Paltera / U.S. Department of Energy
Siegerhaus der TU Darmstadt, Solar Decathlon 2009. Bild: Stefano Paltera / U.S. Department of Energy

Er ist der Tauglichkeits-Test schlechthin für Architekturstudierende und ihre Visionen für das Wohnen im Jahr 2020: der vom US-amerikanischen Energieministerium ausgelobte internationale Wettbewerb „Solar Decathlon“ in der US-Hauptstadt Washington.

Alle zwei Jahre kämpfen studentische Teams um den Titel, das aktuell nachhaltigste und attraktivste Solarhaus der Welt gebaut zu haben. Chancen haben nur ästhetisch anspruchsvolle Wohlfühlhäuser, die mindestens so viel Sonnenenergie einsammeln, wie die Bewohner verbrauchen. Die strenge Experten-Jury prüft die Performance der Plus-Energie-Bauten bis in den letzten Winkel. Zum zweiten Mal in Folge hieß es im Oktober 2009, nach acht Tagen Praxistest in Sichtweite des Capitols: „The winner is… Team Germany“. Um genau zu sein: Der Sieger hieß nach einem Herzschlagfinale, wie schon zwei Jahre zuvor, „Technische Universität Darmstadt“.

Gemeinsam zum Sieg

Innenansicht des Solarhauses der TU Darmstadt, 2009. Bild: Thomas Ott
Innenansicht des Solarhauses der TU Darmstadt, 2009. Bild: Thomas Ott

Das Darmstädter ‚Powerhouse‘, entworfen und gebaut von 25 Studentinnen und Studenten aus den Fachbereichen Architektur und Elektrotechnik unter Leitung von Professor Manfred Hegger, ist eine Demonstration der Extreme des technisch Machbaren.

Alle vier Außenfassaden tragen schwarze, spiegelnde Schindeln aus Dünnschichtsolarzellen, auf dem Dach sind kristalline Silizium-Solarzellen installiert. Die solaraktive und vakuumisolierte Gebäudehülle versorgt das gesamte Haus, von der Wärmepumpe über die LEDLeuchtpaneelen bis hin zu den hocheffizienten Haushaltsgeräten, mit Strom. Der Clou ist die hochmoderne, aufeinander abgestimmte Haustechnik, welche die Bewohner intuitiv über ein Touchpad steuern. So sorgen neben der Wärmepumpe eine aktive Kühldecke und ein Verschattungssystem für das richtige Raumklima bei jedem Wetter. Alles greift ineinander, wodurch die Energieeffizienz des Gebäudes erhöht wird.

In diesem ganzheitlichen Konzept lag auch die besondere Herausforderung: Keiner konnte sich allein auf seinen Beitrag konzentrieren, sondern alle trugen Verantwortung für das Gelingen des Ganzen. Der Wettbewerb war nur durch Teamarbeit zu gewinnen. Bis zur letzten Minute mussten die Studierenden Kräfte und Wissen bündeln, um die knapp vor ihnen liegenden Teams aus Illinois und Kalifornien noch zu übertrumpfen. Den Ausschlag gab das ausgeklügelte und extrem effiziente Energiesystem des Hauses: Selbst bei nasskaltem Washingtoner Oktoberwetter lief der Stromzähler rückwärts.
Und die Geschichte geht weiter: 2014 baut ein Team aus Architektur-Studierenden der TU Darmstadt auf Einladung des Solar Decathlon Europa in Paris das erste Plusenergie-Studierendenwohnheim der Welt.