Den kulturellen Verlust dokumentieren

27.01.2017

Den kulturellen Verlust dokumentieren

„Synagogen in Deutschland – eine virtuelle Rekonstruktion“ zu Gast in Kanada

Die University of Manitoba (Winipeg) und die Ryerson-University (Toronto) stellen in den nächsten Monaten das Projekt der TU Darmstadt „Synagogen in Deutschland – eine virtuelle Rekonstruktion“ aus. Start ist am 28. Januar in Winipeg.

Die „Große Synagoge Glockengasse“ in Köln wurde am 10. November 1938 bis auf die Grundmauern zerstört. Bild: FG Digitales Gestalten / TU Darmstadt
Virtuelle Rekonstruktion der „Großen Synagoge Glockengasse“ in Köln. Bild: FG Digitales Gestalten / TU Darmstadt

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative von Dr.-Ing Marc Grellert (Fachgebiet Digitales Gestalten) aus dem Jahre 1994. Wie heute gab es damals eine große Anzahl an Angriffen auf Flüchtlingsheime. Antisemitismus wurde verstärkt sichtbar. So verübten Neonazis im März 1994 einen Brandanschlag auf die Synagoge in Lübeck. Das brachte Marc Grellert auf die Idee, Synagogen, die in der NS-Zeit zerstört wurden, virtuell zu rekonstruieren.

Mit den Rekonstruktionen, die unter der Leitung von Professor Manfred Koob († 2011) und Marc Grellert erfolgten, sollte der kulturelle Verlust aufgezeigt werden. Gleichzeitig gilt es, die bauhistorische Bedeutung der Bauwerke in Erinnerung zu rufen, die Bestandteile deutscher Städte und Straßenbilder waren, Teil der deutschen Kultur. Synagogen aus Bad Kissingen, Berlin, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Frankfurt, Hannover, Kaiserslautern, Köln, Langen, Leipzig, Mannheim, München, Mutterstadt, Nürnberg und Plauen sind virtuell in Darmstadt rekonstruiert worden.

Das Projekt geht auch der Frage nach, wie mit Hilfe der Informations- und Kommunikationstechnologien neue Formen des kulturellen Gedächtnisses gebildet und Beiträge zur Erinnerung an den Holocaust geleistet werden können.

Über 60 Studierende der TU Darmstadt haben bisher an den Rekonstruktionen gearbeitet und durch ihren Einsatz das Projekt zum Erfolg getragen. Ergebnisse waren in Ausstellungen des Jüdischen Museums Frankfurt am Main und der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn zu sehen bzw. werden in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Berlin der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Wanderausstellung, die bereits im Diaspora Museum in Tel Aviv (Israel) und im Holocaust Memorial Center in Farmington Hills, (USA) zu sehen war, wird organisatorisch begleitet vom Institut für Auslandsbeziehung, eine Unterorganisation des Außenministeriums. Das Generalkonsulat in Toronto und das Auswärtige Amt finanzieren die kanadische Tournee.

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