Schloss: Ältester Keller Darmstadts entdeckt

30.03.2011

Schloss: Ältester Keller Darmstadts entdeckt

Bei Bauarbeiten am Kirchbau des Darmstädter Schlosses hat die TU Darmstadt den vermutlich ältesten Keller Darmstadts entdeckt. Die Gewölbe unter dem Kirchhof entstanden im 14. Jahrhundert und reichen damit in die Ursprungszeit des Darmstädter Schlosses zurück. Archäologen haben hier bereits gut 1.000 Glas- und Keramik-Fundstücke aus dem späten Mittelalter und den Anfängen der Frühen Neuzeit ausgegraben.

Jennifer Berndt, Mitarbeiterin beim Landesamt für Denkmalpfelge, präsentiert Fundstücke der Grabungen im Kirchhof. Bild: Roman Grösser
Jennifer Berndt, Mitarbeiterin beim Landesamt für Denkmalpfelge, präsentiert Fundstücke der Grabungen im Kirchhof. Bild: Roman Grösser

Die Architekten des TU-Baudezernates staunten nicht schlecht, als Bauarbeiter direkt unter dem Kirchhof im Darmstädter Residenzschloss nicht nur einfache Grundmauern, sondern gleich ein ganzes Kellergewölbe sowie die Überreste einer Kloake fanden. „Wir wussten zwar, dass wir Reste der ursprünglichen Burgmauer finden würden – das Kellergewölbe war ebenso wie die Kloake bisher aber vollkommen unbekannt“, sagt Anette Hochberg, die mit den Arbeiten am Kirchbau betraut ist. Sie rekonstruierte, dass der Keller zum so genannten „Hölzernen Haus“ gehören muss, das in der ursprünglichen Burg als Küche, Speisesaal und als Wohngebäude für die Frauen diente und im Schmalkaldischen Krieg (1546/47) zusammen mit den anderen Gebäuden des ursprünglichen Schlosses zerstört wurde. „Die Bezeichnung ‚hölzern’ weist darauf hin, dass die oberen Stockwerke vermutlich als Fachwerkhaus gebaut waren, während das Erdgeschoss und der nun gefundene Keller mit Steinen gemauert wurden“, so Hochberg. Nach dem Fund informierte die TU umgehend das Hessische Landesamt für Denkmalpflege.

Funde zeigen Reichtum der Grafen von Katzenelnbogen

Da die Archäologen unter anderem Bruchstücke alter Weinkrüge und Trinkbecher fanden, liegt der Schluss nahe, dass der Keller unter anderem als Vorratsraum für die Küche diente. Andere Fundstücke verweisen wiederum auf die Frauengemächer im „Hölzernen Haus“ und auf den damaligen Reichtum der Grafen von Katzenelnbogen, die das Schloss im Spätmittelalter errichteten: Unter den Fundstücken befinden sich Scherben venezianischen Glases ebenso wie Bruchstücke gezogenen Glases, das damals sehr teuer war. Die Stücke stammen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert – eine genaue Einordnung und Bewertung wird in Kürze ein Experte für Mittelalterkeramik vornehmen.

TU sichert Kirchbau mit bis zu 22 Meter langen Pfeilern

Gefunden wurde der Keller bei Bauarbeiten am Kirchbau des Residenzschlosses. Weil das Darmstädter Schloss – ursprünglich eine Wasserburg – auf einem morastigen und feuchten Untergrund entstand, stellten die damaligen Baumeister den Kirchbau, den Glockenbau und auch schon die alte Burganlage auf Holzroste. Aufgrund des gesunkenen Grundwasserspiegels verfaulten diese Holzroste jedoch und es entstanden Hohlräume. Der Kirchbau, der Glockenbau und Teile des Herrenbaus waren dadurch in den vergangenen Jahren um mehrere Zentimeter abgesackt. Als Schlossherrin entschloss sich die TU Darmstadt deshalb, die Mauern des Kirchbaus mit einer Klammer aus Stahlbeton abzustützen, die wiederum auf mehreren Dutzend Pfeilern ruht, die bis zu 22 Meter tief in die Erde reichen. Diese Klammer, die rund einen halben Meter unter dem Erdgeschoss innen und außen komplett um den Bau herum verläuft, verhindert das weitere Absinken des Gebäudes.

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