Dokument aus KZ Mittelbau-Dora rekonstruiert

13.05.2011

Dokument aus KZ Mittelbau-Dora rekonstruiert

Die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora (Thüringen) eröffnet am Sonntag (15. Mai) die Ausstellung „Der Tunnel“. Die Schau präsentiert das Kunstwerk eines KZ-Häftlings aus dem Jahr 1944, das die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der unterirdischen Stollenanlage des KZ darstellt. Teil der Ausstellung ist ein virtuelles interaktives Modell des Kunstwerks, das von der Technischen Universität Darmstadt entwickelt wurde.

Das Kunstwerk von Edmund Polak im Original. Foto: KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Das Kunstwerk von Edmund Polak im Original. Foto: KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Der polnische KZ-Häftling Edmund Polak fertigte 1944 eine aus Papier gefaltete Tunnelnachbildung an, die die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der unterirdischen Stollenanlage des KZ Mittelbau-Dora darstellt. Das heimlich hergestellte Dokument ist mit Texten und Zeichnungen über das Leben und Sterben im „Tunnel“ versehen.

Da das Original aus konservatorischen Gründen nur kurzzeitig gezeigt werden kann, werden in der Ausstellung außerdem eine Reproduktion des Faltkunstwerks sowie das von der TU Darmstadt stammende virtuelle Modell des „Tunnels“ zu sehen sein. Dieses virtuelle Modell macht an einen Touchscreen Texte und Zeichnungen interaktiv zugänglich. Außerdem präsentiert es Dokumente zum Leben von Edmund Polak und der Geschichte der Papierfaltarbeit.

Die Idee zur Digitalisierung und Rekonstruktion der Stollennachbildung entstand 2003 an der TU Darmstadt. Bruno Arich-Gerz, damals Juniorprofessor am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft, und Marc Grellert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Informations- und Kommunikationstechnologie in der Architektur, entschlossen sich, die Potentiale und Einsatzmöglichkeiten von neuen Medien für das kulturelle Gedächtnis zu nutzen.

Unterstützt vom e-learning-center der TU Darmstadt wurde das Papierkunstwerk in Nordhausen detailgenau fotografiert. Aus diesen Aufnahmen erarbeiteten die Wissenschaftler in Darmstadt die virtuelle Rekonstruktion. Die charakteristischen Faltungen des Originals blieben in der Rekonstruktion erhalten, darüber hinaus ist eine interaktive Navigation möglich.

Die Besonderheit des 2004 in der literaturwissenschaftlichen Lehre eingesetzten und mit dem Best-E-Teaching-Award der TU Darmstadt ausgezeichneten „Lern- und Dokumentationsraum Tunnel“: Er basiert auf einer besonders zerfallsgefährdeten Quelle – dem lichtempfindlichen Papierartefakt im Depot der KZ-Gedenkstelle Mittelbau-Dora. Da in absehbarer Zeit auch die letzten Überlebenden der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager nicht mehr leben werden, ist es von großer Bedeutung, ihre Zeugnisse aufzuzeichnen und künftigen Generationen zugänglich zu machen.

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