„Elektroautos nicht prinzipiell umweltfreundlicher“

06.07.2011

„Elektroautos nicht prinzipiell umweltfreundlicher“

TU Darmstadt investiert 1,3 Millionen Euro für Motorenprüfstände

Auch wenn alle Welt die Elektromobilität preist, stehen Verbrennungsmotoren als Bestandteil der Forschung weiterhin im Fokus der TU Darmstadt. So hat die Universität jüngst für die Motorenprüfstände des Fachgebietes Verbrennungskraftmaschinen insgesamt 1,3 Millionen Euro investiert. Mit neuer Lüftung, Kühlung, Strom- und Kraftstoffversorgung ist das Gebäude L1|04 nun ebenso auf dem neuesten Stand der Technik wie die zwölf Motorenprüfstände, unter denen sich ein weltweit einzigartiger Prüfstand für Hybridantriebe mit Echtzeitsimulation von Fahrzeug, Fahrer, Strecke und Antriebsstrang befindet.

Motorenprüfstand des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen. Bild: Roman Größer
Motorenprüfstand des Instituts für Verbrennungskraftmaschinen. Bild: Roman Größer

Um die Zukunft des klassischen Verbrennungsmotors macht sich Professor Dr. Christian Beidl keine Sorgen. Der Leiter des Fachgebiets Verbrennungskraftmaschinen ist überzeugt, dass Elektromotoren nur einen kleinen Teil der Verbrennungsmotoren in Fahrzeugen verdrängen werden. „Durch die geringe Speicherkapazität der Batterien und der daraus resultierenden geringen Reichweite werden reine Elektrofahrzeuge auf absehbare Zeit nur Nischenprodukte im PKW-Markt sein“, ist Beidl überzeugt.

Außerdem stehe noch lange nicht fest, dass Elektroautos automatisch umweltfreundlicher seien als die klassischen Verbrenner. „Das hängt wesentlich vom Energiemix ab – auch bei der Stromerzeugung mittels fossiler Brennstoffe wie Kohle und Gas fallen CO2-Emissionen an“, gibt Beidl zu bedenken. So weise ein effizienter Verbrennungsmotor bezogen auf den deutschen Energiemix bereits heute eine ebenso gute CO2-Bilanz auf wie ein Elektromotor. „Und wir gehen davon aus, dass die Verbrennungsmotoren bis 2020 noch einmal rund 30 Prozent weniger CO2 emittieren werden als heute“, so Beidl.

Hervorragende Reputation durch jahrelange Erfahrung

Damit das gelingt, erproben Beidl und seine Mitarbeiter auf der Lichtwiese für viele namhafte Autobauer und Zulieferer die Motoren und Abgasanlagen der Zukunft. „Unsere Forschung bereitet die langfristigen Entwicklungen im Motorenbau vor: Was heute dem Endkunden verkauft wird, wurde häufig vor vier bis sechs Jahren bei uns ausführlich durchleuchtet und optimiert“, erklärt Beidl.

Die Auftraggeber schätzten dabei vor allem die Flexibilität und Akribie der TU-Ingenieure. „Wir haben uns dank unserer mittlerweile jahrzehntelangen Erfahrung einen hervorragenden Ruf erarbeitet, wenn es darum geht, hochkomplexe Systeme weiterzuentwickeln“, so Beidl.

Gemeinsames Bau-Budget ermöglicht optimierte Forschungsbedingungen

Während die Motorenprüfstände des Fachbereichs stets auf dem neuesten Stand der Technik sind, war die umgebende Infrastruktur des Gebäudes auf dem Campus Lichtwiese mittlerweile aber nicht mehr zeitgemäß. Daher entstand bereits 2007 der Plan, die gesamte Gebäudeinfrastruktur zu erneuern. Wegen der laufenden Forschungsprojekte und Aufträge aus der Industrie durften die zwölf Prüfstände dabei aber nur kurze Zeit stillstehen.

In über einem Jahr intensiver Vorbereitung entstand so ein Umbauplan, bei dem die Prüfstände lediglich sechs Wochen nicht genutzt werden konnten. Und auch die Kostenfrage wurde einvernehmlich geregelt: Die benötigten 1,3 Millionen Euro kamen aus dem Bau-Budget der TU sowie den Budgets des Fachbereichs Maschinenbau und des Fachgebiets zusammen.

Nach Abschluss der Umbauarbeiten hält nun auch das Gebäude technisch wieder mit den zwölf hochmodernen Motorenprüfständen mit. Zu denen zählt auch der weltweit einzigartige Prüfstand für Hybridantriebe, der in Echtzeit ein hybridgetriebenes Auto in nahezu jeder erdenklichen Fahrsituation simulieren kann.

Denn – bei aller Skepsis gegenüber reinen Elektrofahrzeugen – sieht Beidl im Hybridantrieb eine vielversprechende Zukunftsperspektive. Bereits seit Jahren bearbeitet das Fachgebiet die Kombination von Elektro- und Verbrennungsmotoren und hat so einen weiteren Forschungsschwerpunkt entwickelt. Welches System sich jedoch letztendlich durchsetzt, kann auch Beidl heute noch nicht sagen. Gut möglich ist aber, dass die TU Darmstadt dabei ein entscheidendes Wort mitreden wird.

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