Baumeister in drei Epochen

21.09.2011

Baumeister in drei Epochen

Ausstellung zu Leben und Werk des Architekten Ernst Neufert

Als Industriearchitekt schuf Ernst Neufert beeindruckende Bauten. Als Hochschullehrer und Autor der „Bauentwurfslehre“ prägte er das Profil der Architekturfakultät der Technischen Hochschule Darmstadt.

Die 1954/55 errichtete Wasserbauhalle gehört zu den bedeutendsten Werken Ernst Neuferts und kennzeichnet die hohe Qualität der Hochschulbauten Darmstadts nach dem Krieg. Bild: Jürgen Schreiter, Darmstadt
Die 1954/55 errichtete Wasserbauhalle gehört zu den bedeutendsten Werken Neuferts und ist Ausstellungsort. Bild: Jürgen Schreiter, Darmstadt

Im Jahr 1900 geboren, studierte Neufert ab 1919 bei Walter Gropius am Bauhaus in Weimar, war ab 1922 bereits Bauleiter auf dessen Baustellen und ab 1925 am Neubau des Bauhauses in Dessau beteiligt. Seit 1926 Professor und Leiter der unter Otto Bartning neu gegründeten Bauhochschule in Weimar, wurde Neufert 1930 durch die nationalsozialistische Regierung Frick entlassen. Weiterhin war er als freier Architekt und zur Vorbereitung einer grundlegenden „Bauentwurfslehre“ tätig. Dieses 1936 erschienene Grundlagenwerk machte den Architekten weltweit bekannt.

Experte für Normung

1938 wurde er von Albert Speer, Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Berlin, zum Beauftragten für Normungsfragen ernannt und nach Hitlers „Erlass zur Vorbereitung des Wohnungsbaus nach dem Kriege“ mit der Untersuchung von Wohnungstypen und Luftschutz im Städtebau beauftragt. Daneben arbeitete Neufert vorwiegend als Industriearchitekt. Ab 1943 war er auch Mitglied in Speers Arbeitsstab Wiederaufbauplanung.

Seit 1946 ordentlicher Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt, prägte Neufert das Profil der Architekturfakultät als Hochschullehrer, Architekt und international renommierter Autor der in vielen Sprachen weltweit verbreiteten „Bauentwurfslehre“. Zudem setzte er als Industriearchitekt durch seine vielfach publizierten Bauten bemerkenswerte Zeichen des Wiederaufbaus im Westen Deutschlands. Durch seine Entwürfe für das Ledigenwohnheim an der Mathildenhöhe und die Neubauten der Technischen Hochschule hinterließ Neufert im Stadtbild Darmstadts seine Spuren; seine Industriebauten prägen das Bild der Region.

Ausstellung zu Neuferts Leben und Werk in der Wasserbauhalle

Sanierung und Umbau der Wasserbauhalle (Ernst-Neufert-Halle) der TU Darmstadt geben Anlass, nach Abschluss der Fassadenerneuerung eine Ausstellung im Rückblick auf das Leben und Werk des ehemaligen Professors der TH Darmstadt zu präsentieren. Die Ausstellung „Ernst Neufert 1900-1986, Leben und Werk des Architekten“ ist ein Beitrag der TU Darmstadt zum Architektursommer Rhein-Main 2011.

Die Ausstellung ist vom Fachgebiet Geschichte und Theorie der Architektur, Prof. Dr. Werner Durth in Kooperation mit der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt konzipiert worden. Sie wird am Freitag, 23. September 2011 um 18.00 Uhr in der Ernst-Neufert-Halle, Rundeturmstraße 1 eröffnet. Die Ausstellung ist dort bis 23. Oktober 2011 dienstags bis freitags von 14.00 bis 18.00 Uhr, samstags und sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr zu sehen.

Die 1954/55 errichtete Wasserbauhalle gehört zu den bedeutendsten Werken Neuferts und kennzeichnet die hohe Qualität der Hochschulbauten Darmstadts nach dem Krieg. Von außen beeindruckt die Halle durch die hohe Glasfassade, die sich fast fugenlos über dem schmalen Klinkersockel erhebt und bildstark von der Welle des Schalendachs abgeschlossen wird. Im Inneren hingegen lässt sie die Besucher staunen angesichts der Weite und der Helligkeit des Raums mit dem schlanken, trapezförmig eingestellten Tragwerk unter den gewellten Schalen. So wird die Halle zugleich Exponat und Ambiente der Ausstellung.

zur Liste