Altpräsident Helmut Böhme gestorben

29.12.2012

Altpräsident Helmut Böhme gestorben

Der Historiker Professor Böhme stand der Universität 24 Jahre vor

Professor Helmut Böhme, langjähriger Präsident der TU Darmstadt, ist in der Nacht zum 29. Dezember im Alter von 76 Jahren verstorben.

Schwarzweiß-Bild von Helmut Böhme, der am Tisch sitzend etwas erklärt. Bild: Roman Größer
Prof. Helmut Böhme war von 1971 bis 1995 Präsident der Technischen Hochschule Darmstadt (Foto vom März 1987). Bild: Roman Größer

Der Historiker starb, geschwächt durch mehrere Krankheiten, im Kreise seiner Familie in Darmstadt. TU-Präsident Professor Hans Jürgen Prömel drückte den Angehörigen sein tiefes Mitgefühl aus und äußerte seine Betroffenheit: „Die Universität trauert um eine große Persönlichkeit mit Charisma und feinem politischen Fingerspitzengefühl.“

Böhme studierte zunächst in Tübingen und dann in Hamburg, wo er 1962 promovierte und 1968 habilitierte. Bereits ein Jahr darauf wurde er als Professor für Neuere Geschichte an die TH Darmstadt berufen. Der junge Wissenschaftler wurde 1971 – im Zuge der Studentenbewegung und der reformerischen Entwicklung der Hochschulen hin zur „Gruppenuniversität“ – zum ersten Präsidenten der damaligen Technischen Hochschule Darmstadt gewählt. Während der stürmischen Aufbruchphase der Politisierung und inneruniversitärer Kontroversen in den 1970er Jahren führte er stets Personen und Positionen zusammen und schmiedete Kompromisse. Böhme hielt bis 1995 das Amt des Präsidenten inne.

Prägend für die Universität war Böhmes Bestreben, das Kooperationsnetz der TH Darmstadt mit führenden ausländischen Technischen Universitäten systematisch auszubauen. So festigten sich insbesondere Beziehungen nach Osteuropa (z.B. Sofia, Bukarest, Prag, Warschau, Sankt Petersburg). Sehr enge Bande wuchsen auch mit türkischen und amerikanischen Universitäten sowie ab den 1980er Jahren mit der Tongji-Universität Shanghai.

Böhme war mehrfach Sprecher der Konferenz hessischer Universitätspräsidien (KHU) und Mitglied in nationalen und internationalen Gremien für Wissenschaft, Forschung und Lehre. Von 1990 bis 1994 war er Präsident des ersten Europäischen Netzwerks CESAER, das führende Technische Hochschulen in Europa verbindet. Böhme wurde mit Ehrendoktorwürden der Technischen Universitäten Ankara, Bukarest, Lyon, Sofia, Veszprem und Warschau ausgezeichnet.

Der Historiker forschte und lehrte an der TU Darmstadt nicht nur am Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften, sondern auch als Professor für Stadt- und Stadtbaugeschichte am Fachbereich Architektur.

Im Jahr 2008 erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Der damalige Darmstädter Oberbürgermeister Walter Hoffmann hob Böhmes Engagement für das Gemeinwohl hervor, würdigte dessen vielfältigen ehrenamtlichen Einsatz für karitative, soziale, kulturelle und wissenschaftliche Projekte im In- und Ausland. So setzte Böhme sich etwa für Geldspenden zum Bau von Augenkliniken in Afrika und Indien ein.

Böhme war zudem Initiator der Gründung des „Hauses für Industriekultur" in Darmstadt, das inzwischen zum Hessischen Landesmuseum Darmstadt gehört.

feu

Ein moderner Präsident und homo politicus

Helmut Böhme im Gespräch mit einem chinesischen Gast bei der Feier zum 30-jährigen Partnerschaftsjubiläum zwischen der TU Darmstadt und der Tongji-Universität Shanghai am 06. Oktober 2010. Bild: Jan Ehlers




Nachruf von Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, Präsident der TU Darmstadt

Ein begeisternder Historiker

Schwarzweiß-Bild: Helmut Böhme in einer Gesprächsgruppe. Bild: Sabine Gerbaulet




Nachruf von Prof. Dr. Dieter Schott für das Institut für Geschichte

zur Liste