Unter Druck

17.01.2013

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Ausstellung beleuchtet Geschichte des Fachgebiets Reaktortechnik

Bis Ende Februar ist im karo 5 eine Ausstellung über die Entwicklung des Fachgebietes Reaktortechnik an der TU Darmstadt zu sehen. Die Schau wurde von Studierenden der Geschichtswissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Universitätsarchiv der TU Darmstadt konzipiert. Anlass war das fünfzigjährige Jubiläum des Fachgebietes.

Ausstellungsbanner der Ausstellung 50 Jahre Reaktortechnik. Bild: Paul Glogowski
Wechselvolle Geschichte prägnant aufgearbeitet. Bild: Paul Glogowski

TU-Kanzler Manfred Efinger eröffnete die Ausstellung im karo 5 und bedankte sich bei den Studierenden, die die Ausstellung vorbereitet und realisiert haben. Er betonte die Leistung, die wechselvolle Geschichte der Reaktortechnik an der TU prägnant und verständlich darzustellen. Diese beginnt in der 1950er Jahren.

Damals drängte die Fakultät für Mathematik und Physik auf die Schaffung kernphysikalischer Institute, um den Anschluss an die kerntechnische Forschung nicht zu verlieren. In diesem Zusammenhang wurde 1962 das Fachgebiet Reaktortechnik gegründet. Erster Lehrstuhlinhaber wurde Professor Dr. Walter Humbach.

Neben den Anfängen des Fachgebietes thematisieren die Ausstellungsmacher auch die zwischen 1950 und 1970 erfolgte Planung zum Bau eines mittelgroßen Atommeilers zu Forschungszwecken bei Darmstadt sowie die Nutzung des Schul- und Unterrichtsreaktors SUR100, der von 1963 bis 1985 in Betrieb war. Der Reaktor erzeugte keinen elektrischen Strom und hatte eine Leistung von 0,1 Watt – und war damit in der Zeit seiner Inbetriebnahme trotzdem der drittgrößte Reaktor in Hessen.

Schock von Tschernobyl

Mit der Emeritierung Professor Humbachs 1982 war die Zukunft des Fachgebietes ungewiss. Man diskutierte, wie die Reaktortechnik an der damaligen TH Darmstadt weiter präsent sein konnte. Das Unglück von Tschernobyl trug mit dazu bei, dass das Fachgebiet mit der Berufung von Professor Dr. Ralf Loth in Energiesysteme und Reaktoranlagen umbenannt wurde und eine inhaltliche Neuorientierung, weg von der reinen Betrachtung kerntechnischer Anlagen, erhielt.

Neue Energiesysteme

Eine Gruppe von Studierenden neben TU-Kanzler Manfred Efinger. Bild: Paul Glogowski
Studierende der Geschichtswissenschaften haben die Ausstellung konzipiert (im Bild mit TU-Kanzler Manfred Efinger, rechts). Bild: Paul Glogowski

Die öffentliche Meinung über die Kernenergie und auch die Haltung der Studentenschaft finden in der Ausstellung daher ebenso Beachtung wie die strukturellen und inhaltlichen Veränderungen innerhalb des Fachgebietes unter Professor Loth. Nach dessen Emeritierung und der anschließenden Berufung von Professor Dr. Bernd Epple 2004 erfuhr das Fachgebiet neuerliche Umstrukturierung, mit der die TU Darmstadt auf die gesellschaftlichen bzw. politischen Veränderungen bezüglich der Kernenergie reagierte.

Mit der damit einhergehenden Umbenennung des Fachgebietes in Energiesysteme und Energietechnik verschwand der Ursprung des Fachgebietes fast vollständig aus seinem Namen und der dortigen Forschung. Daher schließt die Ausstellung mit einem Ausblick auf die Zukunft des Forschungsgebietes an der TU Darmstadt.

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