"Tiefere Einblicke in die Universität"

08.03.2013

„Tiefere Einblicke in die Universität“

Die Zahl studentischer Hilfskräfte wächst

Vielfältig, anspruchsvoll und ein Zuwachs fürs Monatsbudget: Stellen für studentische Hilfskräfte werden immer attraktiver. Stefan Weisenseel, Dezernent für Personal- und Rechtsangelegenheiten, erläutert den erhöhten Bedarf an und die Einsatzmöglichkeiten von Hilfskräften.

Drei Studenten bei der Gruppenarbeit. Bild: Jens Thekkeveettil
Hilfskräfte bei der Arbeit: Am Kittler Student Center (KSC) steht ein internationales HIWI-Team Studierenden bei Fragen zur Seite. Bild: Jens Thekkeveettil

TU Darmstadt: Fast 2900 studentische Hilfskräfte sind heute an der TU Darmstadt beschäftigt, vor fünf Jahren waren es erst 2000. Warum ist ihre Zahl so rasant gestiegen?

Stefan Weisenseel: Den Fachbereichen ist in den letzten Jahren eine enorme Steigerung beim Einwerben von Drittmitteln gelungen, das ist einer der Hauptgründe für den Anstieg. Wo mehr geforscht wird, wird auch mehr Unterstützung benötigt.

Da kommen studentische Hilfskräfte ins Spiel. Das zeigt sich besonders in den Ingenieurwissenschaften, wo mit über 1550 die meisten studentischen Hilfskräfte arbeiten. Aber auch in den Naturwissenschaften mit weit über 500 und in den Sozial- und Geisteswissenschaften mit mehr als 400 sind viele studentische Hilfskräfte beschäftigt.

Spart die TU mit dem Einsatz „billiger Hilfskräfte“ Geld?

Nein. Die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TU, zusammengesetzt aus wissenschaftlichen und administrativ-technischen Beschäftigten sowie Professorinnen und Professoren, ist in den vergangenen Jahren insgesamt immens gewachsen auf aktuell über 4700. Und mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeuten auch mehr Einsatzmöglichkeiten für studentische Hilfskräfte – WiMi-Jobs sind dadurch nicht weg gefallen.

Welchen Status haben studentische Hilfskräfte im Vergleich zu den anderen Uni-Beschäftigten?

Ein Job als studentische Hilfskraft ist ein reguläres Beschäftigungsverhältnis. Auch wenn die Einstellung manchmal nahezu von jetzt auf gleich erfolgt oder studentischen Hilfskräften eine gewisse Flexibilität eingeräumt wird, zum Beispiel zur eigenen Prüfungsvorbereitung – es ist keine Beschäftigung im rechtsfreien Raum. Studentische Hilfskräfte haben ein vollwertiges Beschäftigungsverhältnis mit allen Rechten und Pflichten.

Wenn sich studentische Hilfskräfte im Beschäftigungsverhältnis ungerecht behandelt fühlen, an wen können sie sich dann wenden?

An das Personaldezernat. Wir legen großen Wert auf faire Beschäftigungsverhältnisse und prüfen, ob sich jemand ihnen gegenüber nicht korrekt verhält. Bei Schwierigkeiten stehen wir immer für ein vertrauliches Gespräche zu Verfügung.

Porträt von Stefan Weisenseel.
Stefan Weisenseel, Dezernent für Personal- und Rechtsangelegenheiten

Was spricht dafür, einen Job als studentische Hilfskraft anzunehmen?

Ein solcher Job erlaubt tiefere Einblicke in die Universität als das im regulären Studium möglich ist. Die studentischen Hilfskräfte bekommen einfach mehr von Forschung und Lehre mit, sehen von innen wie Uniabläufe funktionieren. Wer mit dem Gedanken an eine Promotion spielt oder eine Karriere in der Wissenschaft spannend findet, kann als studentische Hilfskraft schon früh schnuppern, ob das tatsächlich etwas für ihn oder sie sein könnte.

Viele unsere wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren vorher studentische Hilfskräfte. Aber auch unabhängig davon, im Lebenslauf macht sich so ein Job in jedem Fall gut: Er beweist, dass man besonderes fachliches Interesse gezeigt hat und über das eigentliche Studium hinaus engagiert war.

Was ist mit der Bezahlung, ist die ein Anreiz?

Ich glaube nicht, dass alleine der Stundenlohn von 9 oder 11 Euro jemanden dazu bewegt, einen Job als studentische Hilfskraft anzunehmen. Außerhalb einer Universität wird manchmal besser bezahlt. Trotzdem: Viele studentische Hilfskräfte finanzieren sich zumindest einen Teil ihres Studiums über diesen Job. Deshalb wirbt das Personaldezernat bei den Fachbereichen auch dafür, möglichst vielen Studierenden die Chance zu geben, hier vor Ort gleichzeitig neue Erfahrungen zu sammeln und Geld zu verdienen. Es ist doch besser, sie tun das bei uns als in einem Supermarkt oder Fast-Food-Laden.

Gibt es eigentlich den typischen Job für studentische Hilfskräfte?

Es gibt Aufgaben, für die an der TU besonders häufig studentische Hilfskräfte eingesetzt werden, zum Beispiel Literatur-Recherche, Tutorien oder Versuchsaufbauten. Aber den typischen Job gibt es nicht, dazu sind nicht zuletzt die Einsatzbereiche zu verschieden. Gemeinsam ist allen Beschäftigungsverhältnissen als studentische Hilfskraft, die als unterstützende Dienstleistungen für Forschung und Lehre oder Studium zu sehen sind, dass sie zugleich der Aus- und Weiterbildung der studentischen Hilfskräfte dienen sollen – so schreibt es das Hessische Hochschulgesetz § 75 vor.

Die Aufgaben einer studentischen Hilfskraft müssen also anspruchsvoll sein – entgegen dem Klischee vom Kopier-Sklaven?

Richtig. Der Begriff „Studentisches Beschäftigungsverhältnis“ lässt sich zweifellos weit fassen, aber Kopieren und Kaffee kochen gehören nicht dazu. Wir beobachten hier eher den gegenteiligen Trend, nämlich dass studentische Hilfskräfte zunehmend in spannende Forschungsprojekte eingebunden und als wirkliche Hilfe und Entlastung gesehen werden. Auch beim Einsatz in Tutorien sind sie ein echter Gewinn. Studentische Hilfskräfte sind am Alltag der Studierenden oft viel näher dran, kennen die Hürden aus eigener Erfahrung und leisten bei der Betreuung von anderen Studierenden hervorragende Arbeit.

Die Fragen stellte Eva Keller

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