Feierstunde für sieben Persönlichkeiten

14.10.2013

Feierstunde für sieben Persönlichkeiten

Straßennamen auf dem Campus Lichtwiese erinnern an Pionierinnen und Pioniere

Mit einer Feier ist am Montag das Straßennetz auf dem Campus Lichtwiese offiziell „neu geordnet“ worden: Sieben Straßenabschnitte sind ab jetzt nach Wissenschaftlerinnen, Professoren und Absolventinnen benannt, die historisch wegweisend für die Technische Hochschule bzw. Universität waren und deren Entwicklung positiv beeinflussten.

TU-Kanzler Manfred Efinger, Franziska Berndt-Schultz und Prof. Peter Stephan bei der Enthüllung neuer Straßennamen. Bild: Patrick Bal
Franziska Berndt-Schultz enthüllt mit TU-Kanzler Manfred Efinger (li.) und Prof. Peter Stephan vom Fachbereich Maschinenbau (re.) das Straßenschild mit dem Namen ihres Urgroßvaters. Bild: Patrick Bal

Freude, sicher auch ein wenig Stolz und ein Gefühl der Dankbarkeit – so lässt sich umschreiben, was die Angehörigen und Nachkommen der nunmehr von der TU Darmstadt mit Straßennamen Geehrten am Montag Vormittag empfanden und berichteten: Sie waren der Einladung zu einer kleinen Zeremonie gefolgt, um bei der offiziellen Umwidmung und symbolischen Enthüllung eines der Straßenschilder dabei zu sein.

Und so konnte Franziska Berndt-Schultz ein Straßenschild mit dem Namen ihres Urgroßvaters Professor Otto Berndt gemeinsam mit TU-Kanzler Dr. Manfred Efinger vor dem Fachbereich Maschinenbau enthüllen.

Otto Berndt, der 1892 als Professor an die TH Darmstadt berufen wurde, prägte den Darmstädter Maschinenbau und die gesamte damalige Technische Hochschule in besonderer Weise. Aus einem von Berndt aufgebauten Labor entwickelte sich die 1907 gegründete und von ihm geleitete Staatliche Materialprüfungsanstalt.

Für die TU Darmstadt war es auch eine Ehre, dass Elisabeth Weiss, Witwe von Professor Alarich Weiss, und Michael Kogon, Sohn von Professor Eugen Kogon, zugegen waren. Der Chemiker Alarich Weiss, 1972 als Professor für Physikalische Chemie an die TH Darmstadt zurückgekehrt, genoss weltweit hohe Forschungsreputation.

Dynamische Entwicklung am Campus Lichtwiese

Gruppenfoto mit Angehörigen der Namensgeber der neuen Straßennamen auf dem Campus Lichtwiese. Bild: Patrick Bal
V. li. n. re.: Franziska Berndt-Schultz mit Ehemann Bruno Schultz, Dr. Michael Kogon, Johanna Behnisch, Elisabeth Weiss und Annemarie Sanio sowie Kanzler Efinger. Bild: Patrick Bal

Eugen Kogon war von 1951 bis 1968 Professor für Politikwissenschaft an der TH Darmstadt. Der in der NS-Zeit im KZ Buchenwald inhaftierte Antifaschist war Autor des Buches „Der SS-Staat“ (1946). Von 1949 bis 1953 war er Präsident der Europaunion. Die zentrale Zufahrtsstraße zur Lichtwiese trägt nunmehr Kogons Namen, die Fachbereiche Chemie und Material- und Geowissenschaften sind Anlieger der Alarich-Weiss-Straße.

Schließlich waren auch Johanna Behnisch, Witwe von Professor Günter Behnisch, sowie Annemarie Sanio, Tochter von Franziska Braun, zu der Feierstunde gekommen. Günter Behnisch war von 1967 bis 1987 Professor für Architektur an der TH Darmstadt sowie Direktor des Instituts für Normgebung. Weltweite Bekanntheit erlangte er durch den Bau des Münchner Olympiageländes (1967-1972).

Franziska Braun wurde 1908 als erste Studentin an der TH Darmstadt immatrikuliert. Diese Immatrikulation begründet eine neue Ära, Franziska Braun erobert ein bis dato Frauen verschlossenes Feld: Wissenschaft und Technik. Die Behnisch-Straße erschließt fortan den Fachbereich Bauingenieurwesen und betont die Nachbarschaft zum Fachbereich Architektur. Größter Anlieger der Franziska-Braun-Straße ist das neue Hörsaal- und Medienzentrum.

In seiner Rede und bei einer anschließenden Campus-Rundfahrt stellte TU-Kanzler Dr. Manfred Efinger die dynamische Entwicklung des Campus vor – Neubauten, Sanierungsprojekte, Zuwachs allerorten. Und so durfte auch die Vorstellung zweier weiterer neuer Straßennamen nicht fehlen, mit der die TU Darmstadt die Erinnerung an große Persönlichkeiten wach hält: Jovanka Bontschits, die im Juli 1913 an der Technischen Universität Darmstadt ihr Architektur-Studium abschloss und als erste Frau in Deutschland den Titel „Diplom-Ingenieur“ erhielt. Und Ottilie Bock, promovierte Chemikerin und als erste Assistentin dauerhaft an der TH Darmstadt (1921-1924).

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