Miteinander statt nebeneinander

31.10.2014

Miteinander statt nebeneinander

Foodsharing an der TU Darmstadt – ein Konzept mit Zukunft?

Fair teilen ist das Motto des Foodsharing Kühlschranks im offenen Raum des AStA an der TU Darmstadt: Statt nebeneinander an den Supermarktkassen Schlange zu stehen, kann man hier miteinander teilen. Jeder darf nehmen und jeder darf geben.

Blick in ein Kühlschrankfach voller Gemüse. Bild: Jannes Lüdtke
Jeder darf sich bedienen und selbst teilen. Bild: Jannes Lüdtke

Nachhaltigkeit hat etwas mit Lebensmitteln zu tun – diese Erkenntnis möchten Miriam Heil, TU-Studentin und ehrenamtliche Botschafterin des Foodsharing e.V. in Darmstadt, und ihre Mitstreiter auch Studierenden an der TU Darmstadt näher bringen. Sie war von Anfang an dabei, als 2012 die Foodsharing Gruppe in Darmstadt entstand.

Mittlerweile sind es ca. 35 Mitglieder und seit im März dieses Jahres der FairTeiler, ein Foodsharing Kühlschrank, eröffnet wurde, werden es fast täglich mehr. „Es ist eine schöne Möglichkeit, sich zu engagieren, es macht Spaß und jeder hat etwas davon“, sagt sie über den öffentlichen Kühlschrank an der TU Darmstadt. Hier kann jeder seine überschüssigen Lebensmittel loswerden oder sich an dem bedienen, was andere geteilt haben. Teilen als Lebensmotto wird hier Wirklichkeit.

Rund 300 Nutzer erfreuen sich regelmäßig an frischen Lebensmitteln, die vor allem von Supermärkten, Bäckereien und Bistros zur Verfügung gestellt und von den Lebensmittelrettern im Kühlschrank deponiert werden. Allein in Darmstadt gibt es 15 Betriebe, die froh sind, am Ende des Tages ihren Überschuss nicht in die Tonne werfen zu müssen.

Natürlich gibt es auch Regeln: Nichts Verdorbenes, nichts Verderbliches, wie Fisch, Fleisch oder rohe Eier und nichts selbst Verarbeitetes darf in den Kühlschrank. So sieht es das Ordnungsamt vor. Ansonsten kann jeder geben und nehmen, was er möchte. Ein Blick in den Kühlschrank zeigt von Paprika über Tomaten bis hin zum Salat nahezu alles, was das Herz begehrt – und alles sieht frisch aus. Zum FairTeiler gehört auch ein Regal, das gut bestückt ist mit Kartoffeln und Brot.

Finanziert wird durch Sachspenden

Der FairTeiler-Kühlschrank an der TU Darmstadt. Bild: Jannes Lüdtke
Der FairTeiler ist im offenen Raum des AStA im alten Hauptgebäude (S1|03) zu finden. Bild: Jannes Lüdtke

Eine Strichliste gibt Auskunft über die Nutzung. Jeder, der etwas nimmt oder gibt, macht hier einen Strich an der richtigen Stelle und so können die Lebensmittelretter nachvollziehen, wie gut ihr Konzept funktioniert. Es funktioniert hervorragend und die Nachfrage ist so groß, dass bereits zwei weitere FairTeiler in der Evangelischen Hochschule und im Kaufhaus der Gelegenheiten eröffnet werden konnten. Bald soll an der Hochschule Darmstadt ein vierter hinzukommen.

Finanziert wird lediglich durch Sachspenden. Finanzielle Zuwendungen dürfen die Foodsaver laut Satzung nicht annehmen und auch das ist einer ihrer Vorteile. Teilen ist eben nicht kaufen.

Auf die Frage, warum die Bewegung so erfolgreich ist, antwortet Miriam Heil: „Weil wir nichts verbieten und nicht den moralischen Zeigefinger heben. Alles ist freiwillig und unverbindlich. Verbote führen zu nichts, deshalb schaffen wir lieber Möglichkeiten.“ Die Möglichkeit zum Teilen schaffen, das ist das erklärte Ziel der Lebensmittelretter und dabei geht es nicht nur um das Teilen von Obst und Gemüse, auch Erfahrung ist ein wertvolles Gut. Deshalb werden regelmäßig Veranstaltungen organisiert wie die „Schnippelparty“ im Mehrgenerationenhaus, wo aus geteilten Lebensmitteln verschiedenste Gerichte zubereitet werden, oder eine große Marmeladenkochaktion gemeinsam mit dem Hausfrauenbund im Herrengarten. „Es geht vor allem darum, ein Bewusstsein zu schaffen, wie viel Wert Lebensmittel haben.“

Foodsharing, ein Konzept mit Zukunft? Miriam Heil wird jedenfalls noch eine Weile weitermachen. Und angesichts des ständigen Zuwachses ist die Zukunft der FairTeiler wohl ohnehin gesichert.

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