Schneller vom Wasser ins Land

30.01.2014

Schneller vom Wasser ins Land

TU-Wissenschaftler beschleunigen mit Praxispartnern Containertransporte

Wie können Akteure in maritimen Transportketten ihre operative Planung verbessern? Steigende Containerumschlagsmengen, Containerschiffe mit einem Fassungsvermögen von mehr als 18.000 Standardcontainern und mangelnde Ausdehnungsmöglichkeiten der Hafeninfrastruktur in vielen europäischen Seehäfen erfordern neue Lösungen.

Die Chicago Express im Hamburg Hafen. Bild: Hapag-Lloyd
Die Chicago Express in Hamburg, Deutschlands wichtigstem Containerhafen. Bild: Hapag-Lloyd

Schiffe müssen schneller beladen und gelöscht werden, Container möglichst platzsparend, aber gleichzeitig schnell zugänglich auf den Terminalflächen eingelagert werden und Transportmittel des Hinterlandverkehrs möglichst gut ausgelastet sein. Insbesondere im schienengebundenen Transport hat dieser Aspekt eine hohe Bedeutung, da einerseits die zur Verfügung stehenden Trassen auf den Nord-Süd-Relationen stark ausgelastet sind, aber andererseits die darauf fahrenden Züge mehr Container transportieren könnten.

Prozessoptimierung im Hamburger Hafen

Gemeinsam mit Akteuren des Hamburger Hafens, namentlich der Hapag-Lloyd AG, der HHLA Intermodal GmbH, der HHLA Container-Terminal Altenwerder GmbH, der TFG Transfracht Internationale Gesellschaft für kombinierten Verkehr mbH und der DB Schenker Rail Deutschland AG, untersuchten Wissenschaftler des Fachgebiets Unternehmensführung und Logistik der TU Darmstadt im Rahmen einer Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (ISETEC II) die akteursübergreifenden Prozesse und damit verbundenen Informationsflüsse entlang des Hamburger Hafens. Durch die Modellierung der Prozesse und Informationsflüsse mittels der Business Process Modeling Notation konnten mehr als ein Dutzend Verbesserungspotenziale aufgezeigt werden.

Im Anschluss wurden zahlreiche Kommunikationsschnittstellen zwischen den am Transport beteiligten Akteuren angepasst, Prozesse neu strukturiert und für die Disponenten operative Planungshilfen implementiert. Zur Auswertung der Effekte der verbesserten Informationsflüsse musste jedoch auch berücksichtigt werden, dass andere Einflussfaktoren, wie beispielsweise die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, die Ergebnisse der operativen Planung beeinflussen. Aus diesem Grund haben die Wissenschaftler der TU Darmstadt ein Simulationsmodell entwickelt, welches die Auswirkungen der verbesserten Informationsflüsse unter verschiedenen Bedingungen misst.

Effizienter Containertransport – weniger Standzeiten

Simulationsmodell zur Messung der Auswirkungen verbesserter Informationsflüsse. Bild: FG Unternehmensführung und Logistik / GoogleMaps
Simulationsmodell zur Messung der Auswirkungen verbesserter Informationsflüsse. Bild: FG Unternehmensführung und Logistik / GoogleMaps

Neben dem wahrgenommenen Nutzen einer einfacheren und verlässlicheren Planung durch die Akteure konnte durch das Forschungsprojekt die Standardabweichung der Containerstandzeiten für die betrachteten Container deutlich reduziert werden, und die durchschnittliche Containerstandzeit im Terminal hat sich mehr als halbiert. Darüber hinaus konnten durch einen verbesserten Informationsfluss 14,3 Prozent mehr Container pro Zeiteinheit per Schiene in das angebundene Hinterland transportiert werden.

Die Forschungsergebnisse sind ein Beweis dafür, dass verlässlichere und verbesserte Informationsflüsse dabei unterstützen können, zukünftige infrastrukturelle Engpässe zu beseitigen.

zur Liste