Friedensforscher erklären Risiken der Kernfusion

18.08.2010

Friedensforscher erklären Risiken der Kernfusion

„MS Wissenschaft“ macht Station in Frankfurt

Plasmakugel im Ausstellungsbereich Kernfusion. Bild: Ilja C. Hendel/Wissenschaft im Dialog
Plasmakugel im Ausstellungsbereich Kernfusion. Bild: Ilja C. Hendel/Wissenschaft im Dialog

Die schwimmende Ausstellung der Initiative Wissenschaft im Dialog setzt sich in diesem Jahr mit den verschiedensten Aspekten des Themas „Energie“ auseinander. Mit an Bord ist ein Exponat, das die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) in Kooperation mit der TU Darmstadt und der Hochschule Darmstadt entwickelt hat. Damit regen die Friedensforscher an, die Zukunftstechnologie Kernfusion auch als weltpolitische Herausforderung zu betrachten.

In die Kernfusion als neue Quelle der Energiegewinnung werden große Hoffnungen gesetzt. Die Rohstoffe, die für die Reaktionen benötigt werden, vor allem Wasserstoff und Lithium, sind praktisch grenzenlos verfügbar; die Endlageranforderungen für radioaktive Abfälle überschaubar. Doch bei aller Begeisterung für diese Technologie möchten die Wissenschaftler unter dem Titel „Fusionsreaktoren vor militärischem Missbrauch schützen“ auf die damit verbundenen Risiken hinweisen, wie die mögliche Verbreitung von Kernwaffen.

Besucher spielen Atominspektor

Auf dem Ausstellungsschiff können Besucher die Kernfusion mit Hilfe einer Computersimulation verfolgen, die aus drei interaktiven Teilen besteht: Kurzfilme vermitteln die technischen Grundlagen der Kernfusion sowie deren Vor- und Nachteile.

  • Fusionsreaktoren können manipuliert werden, um neben der Stromproduktion auch waffenfähiges Spaltmaterial zu erzeugen.
  • Die Frage, wann und wo Staaten in der Vergangenheit zivile Nukleartechnologien für militärische Zwecke missbraucht haben, wird per interaktiver Weltkarte erklärt.
  • Im letzten Teil, einem interaktiven Spiel, können die Besucher in die Rolle von Atominspektoren schlüpfen und Absicherungsmaßnahmen ergreifen, um das Erbrüten waffenfähigen Materials zu verhindern.

Anbindung an Forschungsprojekt

Inhaltlich ist das Exponat eng an das Forschungsprojekt „Proliferationsresistente Gestaltung von Fusionsreaktoren – Beitrag zur Entwicklung einer effektiven und gerechten nuklearen Ordnung für das 21. Jahrhundert“ geknüpft. Das Projekt wird von Prof. Dr. Franz Fujara (Fachbereich Physik, Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Naturwissenschaft, Technik und Sicherheit, IANUS, TU Darmstadt), Dr. Wolfgang Liebert (IANUS, TU Darmstadt) und Prof. Dr. Klaus Dieter Wolf (Stellvertretendes Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der HSFK und Professor am Institut für Politikwissenschaft, TU Darmstadt) geleitet und vom Forum für Interdisziplinäre Forschung (FIF) der TU Darmstadt finanziell unterstützt. Gefördert wurde die Umsetzung des Exponats außerdem von der Deutschen Stiftung Friedensforschung sowie der Wirtschaftsinitiative FrankfurtRheinMain.

Das Ausstellungsschiff „MS Wissenschaft“ wird von der Initiative Wissenschaft im Dialog organisiert und zieht jährlich rund 100.000 Besucher an. Es geht zwischen Mai und Oktober in dreißig deutschen Städten vor Anker.

Das Ausstellungsschiff macht vom 26. bis 29. August am „Eisernen Steg“ in Frankfurt fest.

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