Konstruktionspraxis und Teamarbeit von Anfang an

18.11.2008

Konstruktionspraxis und Teamarbeit von Anfang an

Einzigartiger Projektkurs „Einführung in den Maschinenbau“ wird zehn Jahre alt

Projektkurs Einführung in den Maschinenbau
Praxisorientiert und im Team Maschinenbau studieren: Erstsemester-Studierende mit ihrem selbst gebauten Fahrzeug

Praxisnahe, herausfordernde Aufgabenstellungen von Studienbeginn an, intensive Teamarbeit und dazu noch optimale Betreuung: Von solcher universitärer Lehre träumen sowohl Studierende als auch Personalverantwortliche in Unternehmen, die nach optimal ausgebildetem Nachwuchs für ihre Unternehmen suchen. Für die Erstsemester im Studiengang Mechanical Engineering/Maschinenbau an der TU Darmstadt ist eine solchermaßen fordernde und fördernde Ausbildung bereits seit zehn Jahren Realität.

Zu dem deutschlandweit weitgehend einzigartigen Projektkurs „Einführung in den Maschinenbau“ (emb) werden an der TU Darmstadt jedes Jahr alle weiteren Lehrveranstaltungen im ersten Semester für eine Woche ausgesetzt. Anfang Dezember befassen sich dann alle 400 Erstsemester eine Woche lang in etwa 40 Teams nur mit der ihnen gestellten Konstruktionsaufgabe, auch alle Professoren am Fachbereich sind in das Projekt involviert. Die Aufgabe selbst bleibt bis zum Kursstart geheim.

In den zehn Jahren seit Bestehen des Kurses wurden bewusst auch Aufgaben gestellt, die gesamtgesellschaftliche Relevanz besitzen und den Studierenden die Vielfalt des Maschinenbaus darlegen. Die Aufgaben reichten von der Konstruktion einer Meerwasserentsalzungsanlage, den Bau einer Windkraftanlage zum Betrieb eines Kleinverbrauchers bis hin zur Reduktion der Feinstaubbelastung im städtischen Umfeld.

Ziel der „Einführung in den Maschinenbau“ ist es, den angehenden Ingenieuren einen umfassenden Einblick in die Anwendungen des Maschinenbau und die Arbeitsweise von Ingenieuren zu vermitteln. Prof. Dr. Manfred Hampe, einer der Initiatoren des Projekts, erläutert: „Die Studierenden sollen an das methodische Konstruieren und Teamarbeit herangeführt werden. Denn die Aufgabe ist so komplex, dass sie nicht von einer Person gelöst werden kann.“

Prof. Dr. Eberhard Abele und Dipl. Ing. Mario Dewald, die das Projekt seit vielen Jahren organisieren und begleiten, bescheinigen den Studenten einen riesigen Lernfortschritt während dieser zwei Wochen. Prof. Dr. Abele: „Die jungen Leute zeigen eine ungeheure Motivation in dieser aktivierenden Lernform. Sie erfahren plötzlich die Vielfalt der Lösungsansätze für eine technische Problemstellung und sehen dabei auch zu Beginn des Studiums, dass jede Lösung letztendlich im Zielkonflikt von Funktion, Qualität, Kosten und Zeitbedarf steht.“

Das Projekt emb, welches von der TU Darmstadt initiiert und weiterentwickelt wurde, ist nach wie vor deutschlandweit weitgehend einzigartig. Nur der Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Darmstadt und die FH Kiel haben bisher die Anregung aufgegriffen und bieten ähnliche Projektkurse an. Was zunächst als freiwillige Veranstaltung begann, wurde dank der positiven Resonanz der Erstsemester zur Pflichtveranstaltung im Bachelor- und Masterstudiengang Maschinenbau/Mechanical Process Engineering. Eine Woche nach Abschluss der Projektwoche muss jede Arbeitsgruppe ihr Konzept dann in einer zehnminütigen Präsentation vor einer Jury aus Professoren und Sponsoren aus der Industrie vorstellen. Die Ideen werden bewertet und haben die Chance auf Umsetzung in die Realität.

Auch wenn das selbstständige Arbeiten im Vordergrund steht, werden die Studenten während des Projektkurses umfassend betreut: Jeweils ein von der Hochschuldidaktischen Arbeitsstelle (HDA) der TU geschulter Team- und Fachbegleiter unterstützen und begleiten jede Gruppe bei der Suche nach der Lösung. Leitend ist dabei das Prinzip der „Minimalen Hilfe“. Die Teambegleiter geben konstruktives Feedback zum Diskussions-, Moderations- und Problemlöseverhalten in der Gruppe, was den Teamprozess und die soziale Kompetenz fördert.

Detaillierte Informationen rund um die Aufgabe hält der sogenannte Help Desk bereit. Außerdem stehen alle 26 Professoren des Fachbereiches Maschinenbau einen Tag den Studenten bei Fragen zu ihren Konzepten und für Diskussionen zur Verfügung. So haben die Erstsemester frühzeitig auch die Gelegenheit, die Professoren kennenzulernen.

In dem Kurs wird den Teilnehmern ein Überblick über die Bandbreite des Maschinenbaus und die Bedeutung der Grundlagenfächer vermittelt. Ingenieurtypisches Arbeiten und das Training der Soft Skills gehören ebenso dazu. Der Projektkurs will das Interesse am gesamten Maschinenbau wecken und die Studenten für die harte Zeit des Grundstudiums motivieren. Durch die Projektarbeit erhalten sie Einblick in die Arbeit des Ingenieurs in der Industrie. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit in der Gruppe. Diskussions- und Problemlöseverhalten im Team können die Studierenden gezielt trainieren. Fachliche und soziale Kompetenzen werden so integrativ vermittelt.

An vielen deutschen Hochschulen hatte das Maschinenbaustudium in der Vergangenheit eine hohe Abbrecherquote. Die Ursachen lagen in den als schwierig empfundenen Grundlagenfächern und in der nachlassenden Motivation der Studierenden während der ersten Semester: Viele junge Leute wollten ganz praktisch Maschinen konstruieren und mussten sich stattdessen mit viel Mathematik, Physik und Thermodynamik plagen. Diese theoretisch orientierten Vorlesungen in den ersten Semestern des Maschinenbaustudiums fordern höchste Konzentration und enormes Durchhaltevermögen von den Studenten, ihr Sinn bleibt den Studierenden jedoch in den ersten zwei Jahren weitgehend verborgen. Das führte regelmäßig zu Frustration bei den Studierenden und bedingte die hohen Abbrecherquoten im Fach Maschinenbau.

Eine Befragung des Fachbereichs Maschinenbau an der TU Darmstadt bei führenden Industrieunternehmen ergab zudem, dass Maschinenbau-Absolventen zu wenig Projekterfahrung mit in die berufliche Praxis brachten. Der Projektkurs „Einführung in den Maschinenbau“ wurde als Reaktion darauf vom „Arbeitskreis zur Verbesserung der Lehre“ am Fachbereich Maschinenbau 1997 entwickelt.

In den vergangenen Jahren hat die TU Darmstadt im Fachbereich Maschinenbau mutig Innovationen im Bereich der Lehre umgesetzt, wenn es darum ging, die besten Maschinenbauingenieure auszubilden. So ist die TU deutschlandweit die erste Universität, die den Diplomstudiengang im Fach Maschinenbau auf den BA/MA-Abschluss umgestellt hat. Dafür wurde sie 2003 mit dem Preis „Beste Reformstudiengänge“ ausgezeichnet.

Zur diesjährigen emb-Abschlusspräsentation und Feierstunde des zehnten Geburtstags des Projektkurses am 11. Dezember 2008 im Darmstadium, wird der Fachbereich Maschinenbau auch den Präsidenten des VDI, Dr. Willi Fuchs, begrüßen. Unterstützt wird die emb von den Freunden der TU Darmstadt e.V. und dem diesjährigen Industriesponsor Continental Teves.

Pressegespräch:

Zum 10jährigen Jubiläum des Projektkurses „Einführung in den Maschinenbau“ sind die Medien herzlich zu einem Pressegespräch am Montag, 1. Dezember, 11.00 Uhr, in der Maschinenbauhalle L1|06 (Petersenstr. 30, hinter dem Maschinenbau-Gebäude), Raum 1.18 eingeladen.

Termine:

Der Projektkurs emb beginnt am Montag, den 1. Dezember, ab 8.00 Uhr im Hörsaal S3|11, Raum 08 mit einer Einführung für die Erstsemester (Begrüßung durch Prof. Dr. Eberhard Abele, Vortrag zur Aufgabenstellung von Prof. Dr. Helmut Schürmann, Fachgebiet Konstruktiver Leichtbau und Bauweisen, Vortrag zum Ablauf von Dipl.-Ing. Mario Dewald). Mit der Gruppenbildung und der Ausgabe von Materialien startet anschließend der Kurs.

Am Donnerstag, den 11. Dezember, präsentieren die Erstsemester teamweise ihre Konstruktionen im Darmstädter Wissenschafts- und Kongresszentrum darmstadtium. Die Veranstaltung beginnt um 13.15 Uhr mit Begrüßung und Vorträgen, die Präsentationen finden zwischen 14.00 Uhr und 18.30 Uhr statt.

Weitere Informationen:

www.ptw.tu-darmstadt.de

Pressekontakt:

Dipl.-Ing. Mario Dewald, Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen, TU Darmstadt, Tel. 06151/16-3456,

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