Wichtige Fortschritte in der Clusterforschung

18.02.2009

Wichtige Fortschritte in der Clusterforschung

Chemiker Dr. Sascha Schäfer erhält den Kurt-Ruths-Preis 2009

Sascha Schäfer, Kurt-Ruths-Preisträger 2009, vor dem Lichtenberg-Haus
Kurt-Ruths-Preis für wesentliche Arbeiten in der Clusterforschung: Dr. Sascha Schäfer hat erstmalig die Struktur von Clustern bestimmt. Foto: Hertlein/TU Darmstadt

Der Chemiker Dr. Sascha Schäfer ist Preisträger des diesjährigen Kurt-Ruths-Preises. In seiner Doktorarbeit „Der Stark-Effekt als Werkzeug zur Strukturaufklärung isolierter Cluster“ untersuchte Dr. Schäfer den Aufbau sogenannter metallischer Cluster, kleinster Verbünde von wenigen Atomen eines Metalls, etwa aus zehn Zinn-Atomen bestehende Formationen. Verschiedene Cluster haben oft chemisch unterschiedliche und häufig interessante Eigenschaften. So ist etwa seit alters her bekannt, dass sich Glas durch Gold-Cluster rot oder gelb färben lässt. Unklar ist aber nach wie vor, wie die Eigenschaften einen Clusters von seinem Aufbau abhängen: Forscher und Entwickler sind bisher aufs Ausprobieren angewiesen.

Durch die Forschungsarbeiten von Sascha Schäfer ist die Forschung hier ein wesentliches Stück weitergekommen. Schäfer hat ein Experiment entwickelt, um Informationen über die Clusterstruktur zu gewinnen: Durch den beobachteten Einfluss eines elektrischen Feldes auf die Cluster gelang es ihm mit Hilfe zusätzlicher Berechnungen, die Struktur von reinen und dotierten Metall- und Halbleiterclustern erstmalig zu bestimmen. Damit ist ein wichtiger Schritt für einen zukünftigen Einsatz von Clustern in der Chemie und der Nanotechnologie gemacht.

Der mit 15.000 Euro dotierte Kurt-Ruths-Preis wurde Dr. Schäfer von TU-Ehrensenator Hermann Hechler in Anwesenheit von Mitgliedern der Familien Ruths und Ruths-Tilian, darunter auch Dr. med. Harald Ruths, sowie von TU-Präsident Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel am 18. Februar 2009 in Darmstadt verliehen.

TU-Präsident Prömel bedankte sich in seiner Begrüßung bei den Preisstiftern und bezeichnete den Kurt-Ruths-Preis als „herausragendes Beispiel privaten Mäzenatentums“ an der TU Darmstadt. Der Kurt-Ruths-Preis ist der höchstdotierte Preis für Abschlussarbeiten an der TU. Als sichtbare Anerkennung habe die Preisvergabe Vorbildfunktion für Studierende und solle Ansporn sein, sich dem wissenschaftlichen Wettbewerb zu stellen, so Präsident Prömel weiter. „Die Förderung wissenschaftlichen Nachwuchses hat an der TU Darmstadt hohe Priorität“, so Prömel.

Preisstifter Dr. med. Harald Ruths zeigte sich beeindruckt von der hohen Qualität der eingereichten Arbeiten: „Wir freuen uns über die überaus preiswürdigen Arbeiten. Die Auswahl fällt uns oft schwer. Der Preis ist an der TU Darmstadt deshalb gut aufgehoben“, sagte Ruths. Den Festvortrag im Rahmen der Preisverleihung hielt Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, Vorsitzender des Vorstands des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrtforschung zum Thema „Interdisziplinäre Forschung im DLR“. Die Laudatio auf den Preisträger hielt Prof. Dr. Rolf Schäfer vom Fachgebiet Physikalische Festkörperchemie an der TU Darmstadt.

Sascha Schäfer, 1980 in Gedern geboren, begann sein Chemiestudium im Jahr 2000 an der TU Darmstadt. Seine Diplomarbeit im Bereich Physikalische Chemie schloss er mit Auszeichnung ab und erhielt dafür den Alarich-Weiss-Preis 2005. Anschließend forschte er im Rahmen eines Promotionsstipendiums des Fonds der Chemischen Industrie auf dem Gebiet der größenabhängigen Eigenschaften kleiner Metall- und Halbleiterteilchen. Seine Promotion schloss er 2008 mit Auszeichnung ab. Ab April diesen Jahres wird Schäfer als PostDoc im renommierten California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena/USA bei Prof. Ahmed Zewail forschen, der 1999 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde.

Der Kurt-Ruths-Preis wird seit 1987 jährlich an Studierende der Fachbereiche Chemie, Bauingenieurwesen und Architektur der TU Darmstadt verliehen, die herausragende wissenschaftliche Arbeiten vorgelegt haben. Der Preis erinnert an die Verdienste des Namensgebers Dr. Kurt Ruths, der unter anderem zukunftsweisende Entwicklungen in der Kunststofftechnologie im Bauwesen für die Braas-Gruppe anstieß. Der Preis wird von den Preisstiftern Dr. Harald Ruths (Köln), Familie Ruths-Tillian (Wien) und Anna-Ruths-Stiftung (Darmstadt) vergeben. Bei der Vergabe des Preises wird neben der wissenschaftlichen Exzellenz der Forschungsarbeit auch die Forschungsperspektive sowie das Persönlichkeitsbild des Wissenschaftlers berücksichtigt.

Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Rolf Schäfer:

www1.tu-darmstadt.de/fb/ch/cluster/forschung.tud

Kurt-Ruths-Preis:

www1.tu-darmstadt.de/pvw/dez_ii/kurt-ruths-preis.tud

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