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02.03.2009

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CeBIT 2009: Neues System der TU Darmstadt setzt Diagramme automatisch in natürlichsprachigen Text um

Wissenschaftler der TU Darmstadt haben ein System entwickelt, mit dem grafisch aufgezeichnete Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe automatisch in natürlichsprachlichen und für Laien verständlichen Text umgesetzt werden können. Geschäftsprozesse werden häufig in BPMN (Business Process Modeling Notation) einer grafischen Spezifikationssprache abgebildet.

Die frühen Phasen der Anwendungssystementwicklung (zum Beispiel die Voruntersuchung oder der Fachentwurf) dienen der fachlich-konzeptionellen Erarbeitung einer Lösung für das später zu entwickelnde Anwendungssystem. Diese Lösung besteht aus vielen Teillösungen (also Modellen) welche meist mit Hilfe von Diagrammsprachen spezifiziert werden, was nicht immer unproblematisch ist, da eine solche Spezifikation genügend Raum für Fehlinterpretationen und damit Missverständnisse bietet.

Dies gilt insbesondere dann, wenn diese Diagramme durch den Anwender interpretiert werden müssen. Da es sich hier um fachlich-konzeptionelle Lösungen handelt, sind die Fehler entsprechend weitreichend und in späteren Phasen nur aufwendig wieder zu beseitigen. Andererseits muss der Enterprise-Engineer sicherstellen, dass das Modell seiner konzeptionellen Lösung auch alle Anforderungen der Problem-Domäne erfüllt. Dies beinhaltet sowohl die Geschäftslogik (ausgedrückt in Prozessmodellen) als auch alle anderen Anforderungen an das zu entwickelnde Anwendungssystem.

Die Akteure (Endanwender)müssen im Sinne eines qualitativ guten Entwurfs in diesen Rekonstruktionsprozess intensiv eingebunden werden, denn nur sie verfügen über das fachliche „Know How“. Da der Anwender aber oft nicht über genügend sprachlogischen Sachverstand verfügt, die formalen Modelle richtig interpretieren zu können, behindert dies heute die umfassende Integration des Anwenders in den Entwicklungsprozess.

Die erste Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, besteht darin, den Anwender im Umgang mit den Diagrammsprachen zu schulen, die zweite hat das Ziel, die Spezifikation in einer für den Anwender verständlicheren Art und Weise umzuschreiben. Da die erste Variante einen enormen Aufwand verursacht und es schlichtweg unrealistisch ist, alle potentiell infrage kommenden Anwender schulen zu wollen, bleibt nur der Weg, die Spezifikation in einer für den Anwender verständlichen Art und Weise umzuschreiben.

Die Idee hinter BPMN-To-Text ist nun, die durch das Modellierungstool erstellten Prozessmodelle auf Knopfdruck automatisch in ein quasi natürlichsprachliches Englisch zu transformieren. Auf diese Weise ist es auch ungeschulten Anwendern möglich, die auf Basis ihrer Aussagen gewonnen Modelle zu überprüfen, was eine weitergehende Integration der Anwender in den Entwicklungsprozess ermöglicht.

Kontakt:

Prof. Dr. Erich Ortner, Fachgebiet Wirtschaftsinformatik I, Tel. 06151/16-4309,

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