Weihnachten im Gästehaus

21.12.2015

Weihnachten im Gästehaus

Ein Abend mit Gästen aus rund 15 Nationen

Stimmungsvolle Atmosphäre im Georg Christoph Lichtenberg-Haus: Zum ersten Mal lud die TU Darmstadt ihre internationalen Gastforscherinnen und -forscher und Stipendiaten und Stipendiatinnen, die in einem der beiden Gästhäuser untergebracht sind, zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier.

Bilder: Claus Völker

Den alten Mann mit dem weißen Bart und dem roten Mantel hat Liu Hong noch nie zuvor gesehen. Nikolaus? Knecht Ruprecht? Nie gehört. Hongs 20 Monate alter Sohn jedoch findet den Weihnachtsmann klasse. 18 Kinder sitzen auf dem Boden rund um den niedrigen Tisch, der mit großen und kleinen Paketen beladen ist.

Puzzle hat der Nikolaus mitgebracht, kleine Teddybären und Schoko-Weihnachtsmänner, alles in buntes Geschenkpapier verpackt. Der große Saal im Georg Christoph-Lichtenberghaus der TU Darmstadt ist festlich geschmückt, Frank Sinatra singt leise im Hintergrund, die Tische sind gedeckt und an einem großen Tannenbaum leuchten bunte Lichter, Sterne und Christbaumkugeln.

Liu Hong und seine Frau Xue Yaohong. Bild: Claus Völker
Liu Hong und seine Frau Xue Yaohong. Bild: Claus Völker

Liu Hong und seine Frau Xue Yaohong sind gerührt. Der Gastprofessor und seine Familie stammen aus dem nordöstlichen China, seit Juli 2015 forscht der Wissenschaftler von der Jilin University in Changchun zum Thema Computer Simulationen Chemischer Systeme am Fachbereich Chemie auf dem Campus Lichtwiese.

Er ist Humboldt-Stipendiat und das erste Mal in Deutschland. Nikolaus, Weihnachten und Weihnachtsmarkt, das alles ist neu für die chinesischen Gäste, „aber wunderbar. Viel besser als erwartet“, sagt Liu Hong. Er mag Darmstadt. Die Stadt sei schön, die Menschen freundlich und – eingedenk des Smogs in den Städten seiner Heimat – die Luft frisch. Mit seiner Familie wohnt er im neuen Otto-Wolfskehl Gästehaus auf der Lichtwiese. „Ein sehr schöner Ort“, lobt er. Besonders gefällt ihm, dass er morgens nur wenige Minuten zu Fuß zur Arbeit braucht.

Fast alle sind gekommen

Erstmals hat die TU Darmstadt für ihre internationalen Gastforscher und Stipendiaten, die in den beiden Gästehäusern untergebracht sind, eine Weihnachtsfeier angeboten. Samira Rettaily und ihre Kolleginnen, die die Gästehäuser betreuen, hatten diese Idee. Gedacht war die Einladung, erzählt sie, als stimmungsvoller Abend und auch als eine Gelegenheit, sich besser kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen – sowohl für die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, aber auch für ihre Familien. Eine Idee, die an diesem Freitagabend vor dem 4. Advent sehr gut ankommt. 72 Gäste haben zugesagt, fast alle sind gekommen, berichtet Regina Sonntag-Krupp vom Dezernat Internationales.

Im Saal wird Spanisch gesprochen, Englisch, Portugiesisch, Arabisch, Mandarin oder auch Italienisch – aus rund 15 Nationen stammen die Wissenschaftler und ihre Familien. Und so international und kunterbunt ist auch das Buffet. Die Hausverwaltung hatte gebeten, dass die Gäste eine typische Spezialität ihrer Heimat beisteuern. Liu Hong hat die luftigen Kräcker aus China mitgebracht, die nach Fisch schmecken und kleine gedrehte Snacks aus Weizen, Zucker und Eiern. Die sind ziemlich aufwändig zu kochen: Drei Stunden haben er und seine Frau am Vortag für das traditionelle Gebäck in der Küche gestanden.

Zum ersten Mal in Deutschland

Bild: Claus Völker
Sarah Harris und David Lee mit Nachwuchs. Bild: Claus Völker

David Lee und Sarah Harris, beides Gastprofessoren seit dem Sommer an der TU, haben gerade alle Hände voll zu tun. Vater David muss die drei kleinen Söhne in Schach halten, auf die der bunte Weihnachtsbaum eine unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt. Sarah Harris ist Informatikerin und gibt Vorlesungen für das KIVA-Programm (Kompetenzentwicklung durch interdisziplinäre Vernetzung von Anfang an) der TU Darmstadt. Beide Wissenschaftler lehren an der University in Las Vegas (USA) und sind das erste Mal in Deutschland.

An die Wüstenlandschaft ihrer Heimat gewöhnt, lieben sie das grüne Darmstadt selbst wenn es regnet. „Hier ist es fast wärmer als bei uns“, lacht die Professorin. Nicht unbedingt wegen der derzeit ungewöhnlich warmen Dezember-Temperaturen, sondern „weil nicht überall die Klimaanlage läuft“. Sarah Harris spielt an diesem Abend auf dem Klavier Weihnachtslieder für die Gäste. Die junge Frau, die an der Stanford University Elektrotechnik studiert hat, spricht fließend Deutsch. Woher? „Ich war eineinhalb Jahre lang Missionarin in Österreich.“ Bei diesem Satz erntet sie meist fragende Blicke. Sie grinst: Als junge Frau war sie Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage – besser bekannt als Mormonen. Dort trat sie aus, die Sprachkenntnisse blieben. Deutschland und Darmstadt gefallen ihr gut, „die Menschen sind sehr direkt. Keiner redet drum herum, ich mag das“, sagt sie.

Bild: Claus Völker
Doktorand Nicola Luciano. Bild: Claus Völker

Auch Nicola Luciano, Neapolitaner und Doktorand im Fach Maschinenbau, ist von seiner neuen Umgebung und Universität angetan. „Deutschland ist gar nicht so anders“, sagt er. Der 25-Jährige hatte strengere Regeln erwartet und distanziertere Menschen, jetzt ist er überrascht, dass beides nicht zutrifft. Zwei Jahre wird er an der TU Darmstadt bleiben, ein Jahr in Paris, danach hat er dann hoffentlich seinen Doktortitel. Das erste Mal ist er eine so lange Zeit im Ausland – „ich fühle mich aber trotzdem zuhause“, betont er. Die Weihnachtsfeier hält er für eine gute Idee, um andere Stipendiaten und Professoren kennenzulernen. In ein paar Tagen wird er jedoch heim zur Familie nach Neapel reisen, um dort die Festtage und Neujahr zu verbringen.

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