Kooperation belebt das Geschäft

21.06.2016

Kooperation belebt das Geschäft

Die Graduate School of Economics, Finance, and Management (GSEFM)

Graduiertenkollegs sind nicht nur in den USA in Mode: Sie zeigen, welch positive Wirkung es hat, wenn Doktorandinnen und Doktoranden nicht einzeln auf einem Feld vor sich hin arbeiten und forschen, sondern in ein speziell zugeschnittenes Lehrangebot eingebunden sind. Prof. Volker Nitsch, Deputy Dean der Graduate School of Economics, Finance, and Management, im Gespräch über erfolgreiche Kooperation und die Allianz der Rhein-Main-Universitäten.

Prof. Volker Nitsch im Gespräch. Bild: Peter Pulkowski, JGU
“Die TU Darmstadt liefert – wie alle drei Kooperationspartner – einen wichtigen Beitrag und profitiert gleichzeitig enorm von diesem Gemeinschaftsprojekt." Bild: Peter Pulkowski, JGU

„Auch viele deutsche Universitäten haben das inzwischen erkannt“, meint Prof. Dr. Volker Nitsch vom Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt. „Sie haben aber auch erkannt, dass solch ein Angebot mit einem Aufwand verbunden ist, den eine einzelne Hochschule oft nicht leisten kann.“ Also organisieren viele Universitäten Kooperationsverbünde.

„Allerdings wirken solche Zusammenschlüsse oftmals wie künstliche Gebilde. Meist bieten sie nur punktuell Lehrveranstaltungen: Ein Spezialist von einer der teilnehmenden Universitäten bietet eine Blockveranstaltung oder ein Seminar zum Thema xy an und die Doktoranden reisen dann zu diesen Lehrveranstaltungen an. Was oft fehlt, sind stetige, gut strukturierte und durchgeplante Programme an einem Standort. Genau das bieten wir im Bereich der Wirtschaftswissenschaften mit unserer Graduate School of Economics, Finance, and Management.“

Internationale Strahlkraft

An der GSEFM mit Sitz im House of Finance auf dem Frankfurter Campus Westend lehren rund 60 Professorinnen und Professoren der JGU, der TU Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Im Jahr 2008 gegründet, beweist die Graduate School längst internationale Strahlkraft: Studierende aus der ganzen Welt kommen hierher.

„Gelegentlich wird die Befürchtung geäußert, dass Frankfurt den Verbund dominiert“, erzählt Nitsch. „Tatsächlich ist es so, dass wir in Darmstadt ein solches Projekt wie die GSEFM unmöglich allein hätten stemmen können. Uns fehlt dazu einfach die kritische Masse an Lehrenden, an Doktorandinnen und Doktoranden, zumal wir an der der TU vor allem Wirtschaftsingenieure und Wirtschaftsinformatiker ausbilden.“

Auch mit dem Standort im House of Finance hat Nitsch keine Probleme. Schließlich ist das Bankenzentrum nicht nur eine prominente Adresse, es bietet auch fachlich einiges. Die GSEFM profitiert unter anderem von der Nachbarschaft wichtiger Institutionen wie der Europäischen Zentralbank. Gemeinsam veranstaltete Workshops oder Vorträge sind ein großer Anreiz. „So etwas können wir in Darmstadt nur schwer bieten. Andererseits ist es so, dass durch solch ein erfolgreiches Kooperationsprojekt wie die GSEFM der Name Darmstadt international bekannter wird. Das hat auch positive Folgen für unseren Studienstandort. Im Moment sind Internationalisierungsstrategien an der TU ein wichtiges Thema. Wir können viel dazu beitragen.“

Trilaterales Abkommen zur Allianz der Rhein-Main-Universitäten

Dass sich die Universitäten Frankfurt, Mainz und Darmstadt über Einzelprojekte hinaus jüngst in einem trilateralen Abkommen zur Allianz der Rhein-Main-Universitäten zusammengeschlossen haben, freut Nitsch. „Die Teilnahme an Meetings und der kurze Dienstweg unter den Kolleginnen und Kollegen der GSEFM funktioniert seit Jahren einwandfrei. Wir leben vor, wie hervorragend solch eine hochschulübergreifende Kooperation funktionieren kann.“

Natürlich trifft ein länderübergreifender Verbund wie der der Rhein-Main-Universitäten anfänglich auch auf bürokratische Hindernisse. „Es geht manchmal um ganz praktische Dinge wie zum Beispiel die Frage, wie Urkunden, die unsere Absolventinnen und Absolventen überreicht bekommen, von allen drei Universitäten gesiegelt werden können, ohne dass die Siegel das jeweilige Haus verlassen. Das klingt banal, erfordert aber in der Praxis eine Lösung.“

Zum reichen Lehrangebot der GSEFM trägt die TU Darmstadt eine eigene Facette bei: Prof. Dr. Volker Caspari hat sich auf die historische Entwicklung der Wirtschaftstheorien spezialisiert. „Es wird den Wirtschaftswissenschaften heute manchmal vorgeworfen, dass sie zu abstrakt, zu mathematisch arbeiten“, sagt Nitsch. „Wer Keynes gelesen hat, der hätte die Bankenkrise vorausahnen können, heißt es. Mein Kollege kennt sich aus mit den Klassikern der Wirtschaftstheorie. Er bringt diesen historischen Aspekt mit ein.“ Casparis Verbindung zur Goethe-Universität in Frankfurt ist eng: Er studierte und lehrte dort. „Er ist sehr engagiert in der Lehre an der Graduate School.“

Hervorragende internationale Nachwuchskräfte

Nitsch selbst betreut eine GSEFM-Doktorandin aus China, die auf seinem Fachgebiet, der internationalen Wirtschaft, arbeitet. „Wir können die Graduate School auf vielfältige Weise unterstützen“, meint er dazu, “es muss nicht zwingend nur über die Lehre sein. Wenn ich eine Stelle für eine Doktorandin oder einen Doktoranden ausschreibe, kann ich eine Bewerberin oder einen Bewerber rekrutieren. Ich kann mir aber auch den Pool an hervorragenden internationalen Nachwuchskräften bei der GSEFM anschauen. Über solche Angebote gebe ich ihnen eine Chance, ihr Studium im Rahmen des Doktorandenprogramms zu finanzieren.„

Am Ende räumt der Wirtschaftswissenschaftler ein: “Natürlich gibt es ein Ungleichgewicht an der GSEFM, bei dem Frankfurt in gewisser Weise eine herausragende Position einnimmt. Aber das ist aufgrund der Größenunterschiede auch völlig in Ordnung.„ Doch zugleich wiederholt er: “Die TU Darmstadt liefert – wie alle drei Kooperationspartner – einen wichtigen Beitrag und profitiert gleichzeitig enorm von diesem Gemeinschaftsprojekt."

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