Einsatz in Afrika

20.03.2017

Einsatz in Afrika

TU-Alumni erarbeiten gemeinsam einen Raumentwicklungsplan für Kamerun

Jacques Bimai und Peter Heiland studierten Ende der achtziger Jahre gemeinsam Bauingenieurwesen an der TU Darmstadt. Nach seinem Studium kehrte der Kameruner Bimai in sein Heimatland zurück und baute dort ein Ingenieurbüro auf. Nun hat er gemeinsam mit dem Darmstädter Planungsbüro seines ehemaligen Kommilitonen den Auftrag erhalten, für eine Region in Kamerun einen Raumentwicklungsplan zu erarbeiten.

Kamerun erhält eine nachhaltige Regionalentwicklung: Die beiden TU-Alumni Jaques Bimai und Peter Heiland haben den Auftrag erhalten, für die Region Nordwest einen Raumentwicklungsplan zu erarbeiten. Bild: Peter Heiland
Kamerun erhält eine nachhaltige Regionalentwicklung: Die beiden TU-Alumni Jaques Bimai und Peter Heiland haben den Auftrag erhalten, für die Region Nordwest einen Raumentwicklungsplan zu erarbeiten. Bild: Peter Heiland

Am Himmelfahrtstag 2014 klingelte Peter Heilands Telefon. Der Bauingenieur verbrachte den Feiertag im Büro, um einen dringenden Bericht abzuschließen – von einem Anruf mit der ihm unbekannten Vorwahl 00237 wollte er sich nicht stören lassen. Doch der Anrufer blieb hartnäckig, und Heiland nahm das Gespräch schließlich an – der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit. Es meldete sich Jacques Bimai, ein ehemaliger Kommilitone Heilands, aus Kamerun. Die beiden hatten Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre gemeinsam an der TU Darmstadt studiert. Seine Entscheidung für ein Studium in Darmstadt begründet Bimai so: „Die TU Darmstadt gehört zu den besten Universitäten Europas – mit hohem Ansehen, attraktivem Lernumfeld, großer Unternehmensvielfalt und guten Professoren.“

Jaques Bimal. Bild: privat
Jaques Bimal. Bild: privat

Bimai war 1995 nach 15 Jahren in Deutschland zurück in sein Heimatland gegangen und arbeitete dort als Generaldirektor eines Gleisbauunternehmens. 2013 gründete er ein Ingenieurbüro. Und nun rief er seinen Kommilitonen Peter Heiland an, der seit 1991 beim – vom ehemaligen TU-Professor Hans Reiner Böhm gegründeten – Planungsbüro INFRASTRUKTUR & UMWELT Prof. Böhm und Partner in Darmstadt arbeitet und einer der drei Partner ist, um ihm ein gemeinsames Projekt vorzuschlagen.

„Der Staat Kamerun war dabei, den Auftrag für einen nationalen Raumentwicklungsplan auszuschreiben und Jacques Bimai wollte sich gemeinsam mit unserem Planungsbüro darauf bewerben“, erzählt Heiland. An seinen deutschen Kommilitonen wandte Bimai sich, weil er – aufgrund seiner Ausbildung an der TU Darmstadt – von der deutschen Planungsphilosophie überzeugt ist, die statt eines zentralistischen Konzepts Planungen sowohl von staatlicher als auch von kommunaler Seite vorsieht. Nach diesem Prinzip sollte auch der kamerunische Raumentwicklungsplan entstehen. „Ich wollte unbedingt deutsches Know-How, um den Zuschlag für dieses Projekt zu bekommen und es umzusetzen“, sagt Bimai. „Made in Germany ist in Kamerun sehr gefragt.“ Und weil er sehr überzeugend sein kann und Heiland die neue Aufgabe reizte, gründeten sie gemeinsam mit einem Geodatenspezialisten ein Konsortium und stiegen ins Vergabeverfahren ein.

Aufgeben ausgeschlossen

Peter Heiland. Bild: privat
Peter Heiland. Bild: privat

Damit begann eine – wie Heiland es nennt – „mehrjährige Bürokratie-Olympiade“: Alle Referenzen und Arbeitsnachweise mussten beglaubigt sein, Dokumente in siebenfacher Ausfertigung eingereicht werden und ähnliches mehr. Den Auftrag, einen nationalen Raumentwicklungsplan zu erstellen, bekam schließlich ein französisch-tunesisches Konsortium, Bimai und Heiland gingen leer aus. Doch Bimai dachte nicht daran, aufzugeben: Als anderthalb Jahre später die Ausschreibungen für Regionalpläne für sechs der zehn Kameruner Regionen folgten, klingelte das Telefon im Darmstädter Planungsbüro erneut. Und wieder war Heiland an Bord. Diesmal lief das Verfahren erfolgreicher: Nach zwei ,Fact-Finding-Reisen`, vielen Gesprächen vor Ort und der anschließenden Einreichung von zahlreichen Ordnern voller Angebotsmaterial – in siebenfacher Ausfertigung – bekam das Kommilitonen-Konsortium den Zuschlag für die Region Nordwest.

Jetzt geht die Arbeit erst richtig los: Gemeinsam mit von Jacques Bimai und Peter Heiland vor Ort ausgewählten lokalen Experten gilt es nun, Daten zu sammeln, Karten zu erstellen und daraus Szenarien für die nachhaltige Regionalentwicklung einschließlich Klimawandel und Ressourcenschutz sowie die verschiedensten Infrastrukturbereiche wie Verkehr, Wasserversorgung und Abfallmanagement zu entwickeln.

Jacques Bimai freut sich auf die Zusammenarbeit: „Daran sieht man, was eine Ausbildung an der TU Darmstadt möglich macht: Zwei Alumni leisten einen großen Beitrag zur Entwicklung meiner Heimat.“ Auch für Peter Heiland ist es ein besonderes Projekt: „Das ist auch für mich alles andere als Business as usual.“

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