Studentisches Engagement

Studentisches Engagement

Eine Fachschafterin und ein Fachschafter über Motivation und Ziele

Zarah Zengerling schaut in die Kamera. Bild: Sandra Junker
Bild: Sandra Junker

Zarah Zengerling, 20 Jahre, studiert Wirtschaftsingenieurwesen Fachrichtung Maschinenbau und ist in der Fachschaft aktiv

"Seit dem Wintersemester 2012 studiere ich Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Maschinenbau. Schon in der Schule habe ich mich für Mathematik und Physik interessiert. Zuerst wollte ich eigentlich nur Maschinenbau studieren, entschied mich dann aber für Wirtschaftsingenieurwesen, weil ich denke, dass sich mir da mehr Möglichkeiten bieten und das Spektrum breiter ist. Die TU Darmstadt habe ich gewählt, weil sie einen guten Ruf hat, aber auch weil ich aus der Nähe von Limburg komme und Darmstadt nicht so weit entfernt ist wie Karlsruhe oder Aachen. Das Studium ist anspruchsvoll und gefällt mir gut.

Ich bin jetzt im vierten Semester. Nachdem ich mich ans Studieren gewöhnt hatte und wusste, wie alles so abläuft, wollte ich mich auch jenseits der Vorlesungen engagieren. Schon in der Orientierungswoche der TU für die Erstsemester habe ich mich als Tutorin betätigt. Studienanfängern zu helfen, hat mir Spaß gemacht. Ich möchte mehr am Uni-Leben teilhaben, die internen Abläufe kennenlernen, mehr darüber erfahren, wie eine Hochschule funktioniert. Seit Oktober 2013 arbeite ich …

… daher in der Fachschaft der Wirtschaftsingenieure mit. Das Ungewöhnliche dabei: In unserem Studiengang sind Frauen eigentlich in der Minderzahl, aber in der Fachschaft treffe ich sehr viele Studentinnen.

Ratgeber bei Problemen

Das Engagement dort hat mir gleich gefallen. Ich wurde sofort eingebunden. Die Strukturen sind wenig hierarchisch. Nicht nur die gewählten Fachschaftsvertreter entscheiden, auch diejenigen, die freiwillig mitarbeiten so wie ich, können mitbestimmen. Das läuft durchaus nicht in allen Fachschaften so.

Rund 40 Studierende stehen in unserem Verteiler, an die 20 kommen regelmäßig. Ich bin bei Sitzungen dabei, übernehme einmal die Woche einen Sprechstundendienst. Wer ein Problem hat, schreibt eine Mail oder besucht die Sprechstunde. Darunter sind jüngere, aber auch ältere Semester. Sie kommen, wenn Sie sich bei Klausuren ungerecht behandelt fühlen, Vorlesungen nicht aufgezeichnet wurden oder sie den richtigen Ansprechpartner für ihre individuellen Probleme suchen. Im Fachschaftsbüro sind wir meist zu zweit oder dritt, irgendeiner weiß da immer Rat.

Für mich ist die Sprechstunde eine super Möglichkeit, mit anderen Studierenden in Kontakt zu kommen, andere Semester kennenzulernen. Das bringt mir auch persönlich etwas. Ich würde mir aber mehr Feedback von den Studierenden wünschen. Es ist selten, dass sie sich nach einer Sprechstunde melden und berichten, ob etwas geklappt hat oder Probleme gelöst wurden. Dabei wäre das durchaus sehr hilfreich für unsere Arbeit und auch für Kommilitonen, die vielleicht ähnliche Schwierigkeiten haben.

Innerhalb der Fachschaft habe ich mich für das Party-Team gemeldet. Wir sind zehn Studierende in dieser Gruppe und organisieren zweimal im Semester die Semesterfeiern in der Centralstation und in der Krone. Wir machen Werbung dafür, teilen die Dienste ein, übernehmen den Kartenverkauf. Es ist schön, wenn alles klappt, was man geplant hat, und die Party den Kommilitonen gefällt. Aktiv dabei bin ich auch bei der Planung des Absolvententages. Bisher läuft diese Abschlussfeier für Studierende und Eltern meist recht schmucklos im Darmstadtium ab. Es gibt das Zeugnis und ein paar Reden. Das ist schade, daher wollen wir das ändern.

Wichtige Erfahrungen für später

Vieles geht mittlerweile über die Fachschaftsarbeit hinaus. Unser Team verbringt Abende oder Geburtstage zusammen, oder wir gehen am 1. Mai gemeinsam wandern. Man lernt sich besser kennen. Im Januar steht auch jeweils ein Fachschaftswochenende in einer Jugendherberge an. Da werden dann Probleme besprochen, Themen und Ideen gesammelt oder Workshops veranstaltet.

Ich möchte etwas in der Universität verbessern. Das ist meine Motivation für die Mitarbeit. Ich will helfen, es ist ja ganz normal, dass nicht immer alles perfekt läuft. Daher arbeite ich auch weiterhin als Tutorin bei der Orientierungswoche und gebe Mathestunden in einer Übungsgruppe.

Bevor ich zur Fachschaft gekommen bin, hatte ich gar keine Ahnung von Hochschulpolitik, internen Abläufen oder dem Organisationsaufwand, der hinter allem steckt. Noch traue ich mir aktive Hochschulpolitik nicht zu, dafür bin ich noch nicht lange genug dabei. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, mich später einmal zur Wahl zu stellen, vielleicht für den Fachbereichsrat.

Insgesamt macht die Arbeit in der Fachschaft mir Spaß. Ich erfahre viel über die Uni, kann mir ein Netzwerk aufbauen und lerne, meine Zeit richtig einzuteilen. Teamarbeit, Konfliktlösungen – all das sind Softskills, die im Berufsleben mal viel wert sind und sicher auch bei einer Bewerbung später positiv gewertet werden."

Kevin Luck schaut in die Kamera. Bild: Sandra Junker
Bild: Sandra Junker

Kevin Luck, 22 Jahre, studiert Informatik und arbeitet seit über drei Jahren in der Fachschaft

"Ich studiere im achten Bachelor-Semester Informatik, aber eigentlich bin ich schon im ersten Master-Semester. Spezialisiert habe ich mich auf Autonome Systeme und Maschinelles Lernen. Als Nicht-Informatiker kann man sich das grob so vorstellen, dass wir beispielsweise Roboter konstruieren, die selbst lernen, welche Bewegung oder Bewegungsrichtung sie ausführen müssen.

Ich stamme aus der Nähe von Fritzlar und bin mit der Fachoberschulreife an die TU Darmstadt gekommen. Ich hatte zunächst überlegt, das Abitur nachzuholen, aber dann war ein Zugang auch mit meinem Schulabschluss möglich. Der Informatik-Studiengang an der TU hat einen guten Ruf und ist thematisch breit aufgestellt. Mich interessiert die Theorie, nicht nur die Anwendung, deshalb wollte ich an die Universität. Die ersten Mathe-Vorlesungen waren natürlich etwas anspruchsvoller mit meinen Vorkenntnissen aus der Fachoberschule, aber derzeit habe ich doch einen sehr guten Notenschnitt.

Mir war schon gleich von Beginn an klar, dass ich mich neben dem reinen Studium auch innerhalb der Universität engagieren wollte. Wenn ich etwas mache, dann richtig. Schon nach zwei Wochen im ersten Semester habe ich mich daher bei der Fachschaft Informatik gemeldet. Seit rund dreieinhalb Jahren bin ich jetzt dabei, gebe aber außerdem auch Tutorien in Mathematik und in den formalen Grundlagen der Informatik. Ich bin gewählter Vertreter im Fachschaftsrat und im Fachbereichsrat, sitze aber auch in Gremien wie der Promotions- oder Prüfungskommission im Fachbereich Informatik.

Abläufe im Detail

Gute Noten zu schreiben und sich zu engagieren, das bindet viel Zeit und ist eine Herausforderung. Ich habe daher in den vergangenen drei Jahren gelernt, mich zu disziplinieren. Wenn man ein Studium beginnt, dann wirkt die Universität erst einmal wie ein großer, unüberschaubarer Klotz. Ich wollte aber die Abläufe im Hintergrund sehen und kennenlernen, erfahren, wie ein Studiengang eingerichtet oder eine Lehrveranstaltung organisiert wird. In der Fachschaftsarbeit lernt man auch, sich selbst auszuprobieren, über sich hinaus zu wachsen. So habe ich einmal die Organisation des Sommerfestes übernommen, und dann ist man schon froh, wenn alles klappt und nichts schief läuft.

Für die Beiräte und auch für die Gremien habe ich mich als studentischer Vertreter zur Verfügung gestellt, weil ich möchte, dass die Arbeit dort gut läuft. Ich möchte dazu beitragen, dass sich die Situation am Fachbereich, das Studium für uns verbessert. Dass Studenten Einfluss nehmen können, tut dem Fachbereich gut. So haben wir zum Beispiel darauf aufmerksam gemacht, dass es zu wenig Platz und zu wenig Arbeitsplätze gibt. Ich habe mit einer Gruppe zusammen ein Konzept für ein Lernzentrum Informatik entworfen, das jetzt fast 1:1 auch umgesetzt wurde. Ich bin zufrieden, wenn ich etwas erreichen kann.

Verantwortung und Vergnügen

Das Aufwändigste bisher war meine Mitarbeit in den Berufungskommissionen. Insgesamt sechs Mal war ich dabei. Für eine neu ausgeschriebene Professur muss man dann schon mal 25 Bewerbungen durcharbeiten, und ich war auch bei den Vorstellungsgesprächen dabei. Als Student achte ich da natürlich besonders auf die Lehre und welches Konzept oder Teaching Statement der Bewerber abgibt. Wer Professor am Fachbereich wird, muss ich mit verantworten können. Wer berufen wird, mit dem müssen die Studierenden ja anschließend leben. Es gab auch einen Fall, wo ich dagegen gestimmt habe – die Professoren in der Kommission aber zum Glück auch.

Natürlich entstehen auch private Kontakte in der Fachschaft, wir sind keine reine Zweckgemeinschaft. Wir gehen zusammen ins Uni-Kino, in den Biergarten oder Grillen. Da bauen sich Freundschaften auf, die dann dazu beitragen, dass man in der Fachschaft bleibt und weiterarbeitet.

Die werde ich auch vermissen, wenn ich im Spätsommer für ein Auslandsjahr nach Finnland gehe. Ich habe mich mit dem Erasmus-Programm für die Aalto-Universität nahe Helsinki beworben. Die Uni dort ist bekannt für Maschinelles Lernen und Autonome Systeme. Ich bin gespannt auf ein neues, vielleicht doch exotisches Land, eine neue Uni und eine andere Fachkultur. Finnisch kann ich wenig, aber mit Englisch komme ich dort weiter.

Einen Teil meiner Fachschaftsarbeit führe ich auch in Finnland fort. So werde ich etwa das Fachschaftsforum im Internet weiter betreuen, aber für Ämter kandidiere ich jetzt nicht mehr. Ich bin derzeit in der »Abwicklungsphase«. Nach meiner Rückkehr nach Darmstadt werde ich jedoch noch rund ein Jahr hier studieren und meinen Masterabschluss machen. In dieser Zeit werde ich auf jeden Fall wieder in der Fachschaft mitarbeiten.

Und was danach kommt? Ich will in der Wissenschaft bleiben und promovieren. Ob in Darmstadt oder im Ausland, weiß ich noch nicht. Das ist ja nicht alles so planbar."

Aufgezeichnet von Astrid Ludwig