TU-Studierende berichten über ihren Tongji-Austausch

„Einer der besten Abschnitte in eurem Studium“

TU-Studierende berichten über ihren Tongji-Austausch

Partnerschaft heißt Austausch – seit vielen Jahren kommen Studierende der Tongji Universität nach Darmstadt und gehen Darmstädter Studierende nach Shanghai, um dort ihr hiesiges Studium zu ergänzen. China statt England, Frankreich, USA – wie ist das, wenn man sich in eine ganz fremde Kultur einfinden muss? Und was macht das Leben und das Studium an der Tongji aus? Drei „Heimkehrer“, die bis Februar in Shanghai studierten, erzählen.

Alexandra Fries

Alexandra Fries. Bild: privat
Alexandra Fries. Bild: privat

Was studieren Sie hier?
Ich studiere Maschinenbau im Master.

Was haben Sie an der Tongji studiert?
An der Tongji war ich an der School of Automotive Engineering eingeschrieben und habe dort Veranstaltungen zu Fahrzeugtechnik und Produktentwicklung gehört.

In welchem Studiensemester sind sie nach China gegangen?
Ich bin in meinem 9. Studiensemester nach China gegangen.

Wann waren Sie dort?
Von Ende August 2012 bis Februar 2013. Im Anschluss mache ich momentan bis Ende August noch ein Praktikum im Bereich Fahrzeugsicherheit bei Audi China in Peking.

Tongji-Erfahrungen

Vor meinem Masterabschluss wollte ich unbedingt gerne ins Ausland. Ich fand das Land China und auch die Sprache schon immer faszinierend: Die rasante wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre, die Menschen und die chinesische Kultur. Die Stadt Shanghai als eine der größten und rasantesten Städte der Welt und das Austauschprogramm vom Fachgebiet Fahrzeugtechnik an die School of Automotive Engineering an der Tongji Universität haben mich dann restlos überzeugt!

Hey Tongji-Outgoer! Egal, was ihr euch für die Zeit an der Tongji vornehmt: Es wird auf jeden Fall mit einer der besten Abschnitte in eurem Studium sein. Versucht möglich viel vom Land und von den Leuten mitzunehmen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Das Austauschprogramm, mit dem ich an die Tongji bin, beinhaltet auch, dass man Chinesischkurse vor dem eigentlichen Aufenthalt belegt. Ich habe deswegen vor zwei Jahren angefangen, Chinesisch zu lernen. In Deutschland hatte ich außer meinem Sprachkurs noch einen chinesischen Tandempartner, mit dem ich mich einmal die Woche getroffen habe. Trotzdem kam ich letztes Jahr in China an und habe nicht viel verstanden. Nach neun Monaten China, einem Sprachkurs an der Tongji und viel Üben mit chinesischen Freunden, komme ich mittlerweile aber gut mit meinen Chinesisch-Kenntnissen hier in China zurecht :)

Mein Lieblingsbild

Alexandra Fries vor der Skyline Shanghais. Bild: privat
Alexandra Fries vor der Skyline Shanghais. Bild: privat

Tobias Kruft

Tobias Kruft. Bild: privat
Tobias Kruft. Bild: privat

Was studieren Sie hier?
Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen Fachrichtung Maschinenbau und habe letztes Semester meinen Bachelor abgeschlossen.

Was haben Sie an der Tongji studiert?
Im Rahmen eines Auslandssemesters habe ich vertiefende Vorlesungen im Fachbereich Maschinenbau belegt.

In welchem Studiensemester sind sie nach China gegangen?
Im fünften Semester.

Wann waren Sie dort?
Von September 2012 bis Februar 2013.

Tongji-Erfahrungen

Anfangs war ich tatsächlich sehr unentschlossen bezüglich des Aufenthaltsortes. Klar war nur, dass es etwas außergewöhnliches sein sollte, mit einer ganz anderen, für mich noch unbekannten Sprache und Kultur. Man hört von China so viel, und doch kann man eigentlich nicht beurteilen, wie es dort tatsächlich ist. Es hat mich gereizt, mehr über das Land und die Kultur zu erfahren, vor allem da China als aufstrebende Wirtschaftsmacht auch global immer relevanter wird.

Offenheit und Spaß an der Sache! Die von Externen belegbaren Fächer werden auf Englisch und – am CDHK der Tongji – sogar auf Deutsch gehalten. Die Vorlesungen, die ich besucht habe, glichen mehr einem gut gefüllten Seminar als einer (eher unpersönlichen) Vorlesung. Da alle Chinesen bei den Fächern für Externe Englisch oder Deutsch sprechen können müssen, ist die Atmosphäre entspannt und unterhaltsam. Der kulturelle Austausch ist somit immer automatisch ein Bestandteil der Vorlesung.

Ich habe direkt im Zentrum am Peoples Square gewohnt. Dadurch war die Anbindung der Metro in alle Richtungen natürlich optimal! Mit der Wohnung hatten wir Glück, dass wir schon aus Deutschland Kontakt zu einer Vermieterin vor Ort hatten, deren Wohnungen schon fast westlichem Standard entsprechen.

Anfangs ist alles tatsächlich sehr ungewohnt. Ich fasse es einmal so zusammen: Jeder muss seine eigenen Erfahrungen sammeln! Allgemein kann ich sagen, dass man sich schneller eingewöhnt, als man nach den ersten Tagen denkt. Und dann macht es richtig Spaß! Es gibt eigentlich überall eine „kleine Gasse um die Ecke“, in der man alles Lebensnotwendige bekommt. Je nachdem kann man sein brüchiges Chinesisch auch an Obsthändlern ausprobieren, um den Preis noch etwas herunterzuhandeln.

Mein Lieblingsbild

In China findet man tatsächlich überall Freunde! In diesem Fall wurden wir – eine Gruppe aus Franzosen, Belgiern und Deutschen – von einer chinesischen Großfamilie in Guilin (1500 km südwestlich von Shanghai) nach fünf Minuten Bekanntschaft zu einem herzlichen Mittagessen eingeladen. Warum? Aus Interesse an uns und der anderen Kultur. Einfach so. Bild: privat
In China findet man tatsächlich überall Freunde! In diesem Fall wurden wir – eine Gruppe aus Franzosen, Belgiern und Deutschen – von einer chinesischen Großfamilie in Guilin (1500 km südwestlich von Shanghai) nach fünf Minuten Bekanntschaft zu einem herzlichen Mittagessen eingeladen. Warum? Aus Interesse an uns und der anderen Kultur. Einfach so. Bild: privat

Markus Kraft

Was studieren Sie hier?
Mechanical and Process Engineering (Maschinenbau) im Masterstudium.

Was haben Sie an der Tongji studiert?
Eingeschrieben war ich am College for Automotive Studies.

In welchem Studiensemester sind sie nach China gegangen?
Im dritten Mastersemester.

Wann waren Sie dort?
August 2012 bis Febraur 2013.

Tongji-Erfahrungen

Im Vorfeld meines Auslandsaufenthaltes wurde von Seiten der Tongji University viel Werbung mit ihrer Internationalität und ihren fachlichen Lehrqualitäten gemacht. Das uns zugesendete Vorlesungsverzeichnis für den Bereich Automotive sah entsprechend reizvoll aus. In englischer Sprache sollte es annähernd 15 Vorlesungen im Bereich Automotive für Masterstudenten geben. Mit dieser Erwartungshaltung bin ich nach China an die Tongji gereist.

Tatsächlich gab es dann nur vier Vorlesungen in englischer Sprache im Bereich Automotive, wobei davon zwei Vorlesungen an Bachelorstudenten gerichtet waren. Somit war die Enttäuschung erstmal groß. Der Vorteil durch dieses Unterangebot an Vorlesungen war, dass ich mich nach anderen Möglichkeiten umgeschaut habe. So konnte ich an diversen Gruppenarbeiten teilnehmen und bin über Umwege dann zu DIAN Racing, dem Formula Student Electric Team der Tongji University, gelangt. Dort bestand die Möglichkeit durch entsprechende Eigeninitiative sich fachlich weiterzuentwickeln sowie mit chinesischen Studenten eng zusammenzuarbeiten.

Wir hier in Deutschland haben eine feedbackorientierte Gesellschaft mit direkten Kommunikationswegen. Aus meiner Erfahrung ist das besonders ausgeprägt unter deutschen Ingenieuren und Ingenieursstudenten. In China habe ich sehr schnell erkannt, dass diese Art der Kommunikation in der Art und Weise, wie wir es an der Universität lernen, mit vielen Nationen nicht wirklich zielführend ist. In der chinesischen Kultur, in der das sprichwörtliche „Gesicht wahren“ das A und O im gegenseitigem Umgang ist, kann man durch sein direktes Feedbackverhalten sehr oft in kleine und große Fettnäpfchen treten. Die Sensibilität für die richtige Art der Kommunikation konnte ich zwar, trotz dieser Erkenntnis, nicht immer passend umsetzen, aber dennoch weiterentwickeln.

Einen Empfang oder eine Einführungsveranstaltung für internationale Studenten gab es am Automotive College und allgemein an der Tongji University leider nicht. Erschwert wird die Integration dadurch, dass die Wohnheime für Chinesen und Wohnheime für internationale Studierenden streng getrennt sind. Internationale Studierenden dürfen die Wohnheime der Chinesen nicht betreten, und Chinesen dürfen die internationalen Wohnheime nur in Begleitung eines internationalem Studentem mit An- und Abmeldung beim Pförtner betreten. Zusätzlich wird in den internationalen Wohnheimen nach Ländern getrennt. Nach Verfügbarkeit der Zimmer wird möglichst jedes Stockwerk mit einer Nation gefüllt. Gerüchten zufolge wird das dort so praktiziert, da es wir Ausländer anscheinend so wollen. So war die erste Erkenntnis in den ersten Wochen in China, dass man fast um die halbe Welt geflogen ist, und alle Nachbarn kommen aus Deutschland.

Trotz dieser Wohnheimrandbedingung kann man sehr gut Anschluss zu den Chinesen finden. Am Besten geht es über Sport-Aktivitäten und Tandem-Sprachpartner. In meinem Fall habe ich die meisten Chinesen über den Skateboard-„Verein“ der Uni und das DIAN Racing Team kennengelernt.

Mein Lieblingsbild

Das Bild zeigt das Team des Formula Student Electric Teams "Dian Racing" der Tongji University. Die Zusammenarbeit mit den chinesischen Kommilitonen war sowohl sprachlich als auch methodisch sehr herausfordernd. Gleichzeitig aber auch die beste Möglichkeit, internationale Kompetenz und Verständnis für fremde Kulturen und Wertvorstellungen zu erlernen. Im Bild bin ich in der unteren Reihe der zweite von rechts. Bild: privat
Das Bild zeigt das Team des Formula Student Electric Teams „Dian Racing“ der Tongji University. Die Zusammenarbeit mit den chinesischen Kommilitonen war sowohl sprachlich als auch methodisch sehr herausfordernd. Gleichzeitig aber auch die beste Möglichkeit, internationale Kompetenz und Verständnis für fremde Kulturen und Wertvorstellungen zu erlernen. Im Bild bin ich in der unteren Reihe der zweite von rechts. Bild: privat