DAAD-Stipendiaten

DAAD-Stipendiaten an der TU Darmstadt

Drei Tage lang war die TU Gastgeberin für rund 550 Stipendiaten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus 95 Ländern und 60 Hochschulen oder Forschungseinrichtungen – auch aus der TU Darmstadt. Wir stellen zwei Stipendatinnen und einen Stipendiaten an der TU genauer vor:

Aura Moldovan

Porträt der Stipendiatin Auro Moldovan. Bild: DAAD / Wolfgang Hübner-Stauf
Bild: DAAD / Wolfgang Hübner-Stauf

Aura Moldovan ist nicht nur DAAD-Stipendiatin, sie hat auf dem Treffen auch einen Vortrag gehalten. Freiwillig, weil sie nicht wollte, dass die Soziologie zwischen all den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Vorträgen untergeht. „Objektzentrierte Sozialität“, also die Theorie von der Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt, war ihr Thema – und ist das Thema, zu dem die 23-Jährige gegenwärtig ihre Masterarbeit schreibt. Es ist eine Theorie, die es erlaubt, auch ein Haus oder einen Platz als Akteure zu sehen. Wenn nämlich ein Architekt oder ein Stadtplaner sich damit auseinandersetzen, um zu einer bestimmten Gestaltung zu finden.

Moldovans Interesse an Stadtsoziologie erwachte schon im zweiten Semester, damals studierte sie noch in Rumänien. Als sie während der Recherche zu ihrer Bachelor-Arbeit immer wieder auf Texte der Darmstädter Stadtsoziologin Prof. Dr. Martina Löw stieß, beschloss sie, ihr Wissen in Deutschland zu vertiefen, genauer gesagt an der TU Darmstadt. Hier schätzt sie auch die Interdisziplinarität:

Vorlesungen und Seminare bei Architekten und Bauingenieuren stehen ihr offen. In Rumänien dagegen erholt sich das Fach Soziologie erst noch, nachdem es unter der kommunistischen Herrschaft bis 1990 nicht unterrichtet wurde; die Stadtsoziologie ist noch nur ein Randgebiet.

Die Souveränität, mit der Moldovan auf Deutsch referiert und mit deutschen Fachbegriffen jongliert, lässt ihre Wurzeln erahnen: Sie stammt aus der Region Siebenbürgen in Rumänien, wo eine große deutsche Minderheit lebt; auch ihre Mutter ist Deutsche. Zum Studium ging Moldovan nach Cluj, eine Stadt, die mehr als doppelt so groß ist wie Darmstadt. Allerdings nicht halb so international, wie Moldovan bemerkt. Natürlich in der Uni, aber auch außerhalb fällt ihr auf, dass überall Menschen ausländischer Herkunft im Einsatz sind – der demographische Wandel und seine Folgen sind also sichtbar.

Wenn es nach Aura Moldovan ginge, würde auch sie nach Ablauf ihres Stipendiums im Herbst 2013 noch in Deutschland bleiben – für eine Promotion oder zumindest für ein Praktikum in einem Büro für Stadtplanung. Klappt das nicht, setzt sie auf Plan B: mit ihrem neuen Wissen zurückkehren in ihr Heimatland. Die meisten ihrer Professoren dort haben selbst eine Zeitlang im Ausland gelernt und gelebt. Und irgendwann wird die Zeit auch in Rumänien reif sein für einen Fokus auf die Stadtsoziologie.

Ahmed Taha

Stipendiat Ahmed Taha hält einen Vortrag. Bild: DAAD / Wolfgang Hübner-Stauf
Bild: DAAD / Wolfgang Hübner-Stauf

Als sich in Kairo die Menschen über Facebook und Twitter zu Protesten gegen den damaligen Präsidenten Mubarak auf dem Tahrir-Platz verabredeten, war auch Ahmed Taha dabei. Im Frühling 2011 war das, nur wenige Monate bevor Taha nach Deutschland ging, um noch ganz andere Möglichkeiten von Smart Phone & Co. zu erforschen: Als Research Assistant und PhD Student ist der 29-jährige Ingenieur jetzt in die Forschung des Center for Advanced Security Research Darmstadt (CASED) eingebunden, an dem außer der TU Darmstadt das Fraunhofer Institut für sichere Informationstechnologie und die Hochschule Darmstadt beteiligt sind.

Gerade hat Taha mit seinen Kollegen eine App entwickelt, die das Smart Phone als digitalen Schlüsselbund nutzbar – zum Beispiel um ein Car Sharing-Auto zu öffnen oder das Schließfach einer Packstation. Hat man seinen Schlüssel vergessen, kann man sich vom Mitbewohner eine „Kopie“ des Schlüssels aufs Handy schicken lassen. Sicherheitslücken werden im CASED-Labor getestet – und geschlossen.

Genau wegen solcher anwendungsnaher Forschung ist Taha hier – zumal die Forschung von CASED zur IT-Sicherheit weltweit anerkannt ist. In Ägypten ist die Forschung an der Uni vergleichsweise theoretisch, sagt Taha, der selbst fünf Jahre lang an der Deutschen Universität in Kairo gelehrt hat – auf Englisch. Deutsch hat Taha erst während eines mehrmonatigen Kurses des DAAD in Köln gelernt, bevor im April 2012 sein 4-jähriges Stipendium in Darmstadt begann. Seinen Vortrag auf dem DAAD-Treffen hält er trotzdem lieber auf Englisch, schließlich ist das auch im Forscherteam die Arbeitssprache. Im Alltag kommt er mit seinem Deutsch über die Runden – zumal er den Darmstädtern zugute hält, dass sie sehr offen und hilfsbereit sind. Das städtische Leben selbst war für ihn zunächst ein Schock: Während hier nach 20 Uhr alle Läden dicht und die Straßen leer gefegt sind, sind die Menschen in Kairo bis nach Mitternacht unterwegs.

Doch so, sagt Ahmed Taha lachend, schafft er es wenigstens, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Und anders als im chaotischen Kairo habe er hier wenigstens ein „easy life“: keine Probleme mit Heizung und Wasser in der Wohnung einerseits, andererseist ein tolles Forschungsumfeld bei CASED. Dazu gehört das Smart Phone und der Computer ebenso wie die Möglichkeit, selbständig zu arbeiten und Konferenzen zu besuchen: „Wenn ich zurück gehe, habe ich wirklich etwas in der Hand.“

Batsuren Bishbat

Porträt der Stipendiatin Batsuren Bishbat. Bild: DAAD / Wolfgang Hübner-Stauf
Bild: DAAD / Wolfgang Hübner-Stauf

Als Batsuren Bishbat 1992 ihr Abitur gemacht hatte, entschied sie sich ziemlich spontan für ein Deutsch-Studium. Die Sprache war damals in der Mongolei noch recht unbekannt. Doch in den vergangenen Jahren ist das Interesse an Deutsch ständig gestiegen, weil es deutsch-mongolische Wirtschaftskooperationen gibt und weil junge Leute Deutschland als Studienziel haben. Batsuren Bishbat hat einige von ihnen unterrichtet, während ihrer Zeit als Dozentin für Deutsch und Russisch an der Universität von Ulan Bator. Und manchem Gesicht ist sie an der TU Darmstadt sogar wieder begegnet.

Vor gut einem Jahr kam sie mit einem Promotionsstipendium des DAAD hierher, um am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft zum Thema Deutsch als Fremdsprache zu forschen. In Ulan Bator hatte sie schon ihre Beobachtungen gemacht, wie Studenten sich Deutsch als zweite Fremdsprache aneignen und wie die Muttersprache und die erste Fremdsprache Englisch ihnen dabei helfen. Aber Bishbat wollte es genauer wissen. Weil es in der Mongolei keine Forschung zu Mehrsprachigkeit gibt, stillte sie ihren Wissensdurst mit Fachliteratur aus Deutschland.

Bereits für ihre Masterarbeit über Aufnahmetests in „Deutsch als Fremdsprache“ an mongolischen Hochschulen war sie mithilfe des DAAD in Deutschland gewesen, genauer gesagt in Kassel – und wie allen DAAD-Alumni steht ihr jährlich ein Budget für Bücher und Zeitschriften deutscher Verlage zu.

So stieß sie auf Publikationen und Forschungsprojekte von Prof. Dr. Britta Hufeisen, die das Fachgebiet Mehrsprachigkeitsforschung am hiesigen Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft leitet – und beschloss mit 37 Jahren, aus der Lehrpraxis nochmals in die Forschung zu wechseln. Samt Familie, also mit Mann, Sohn und Tochter, zog sie aus der mongolischen Hauptstadt, wo mehr als ein Drittel der mongolischen Bevölkerung, oder gut eine Million Menschen leben, nach Südhessen um. Zufrieden mit dem Leben in dieser Stadt, die sie als multikulturell und aufgeschlossen empfindet; glücklich über die Unterstützung des DAAD bei ihrem Bemühen, die Bedeutung des Themas Mehrsprachigkeit in ihrem Heimatland zu stärken.

Auch privat gibt es für Batsuren Bishbat zum Erwerb von Zweit- und Tertiärsprachen einiges zu beobachten: Ihre beiden Kinder, 7 und 11 Jahre alt, finden sich nach einem Jahr schon gut in der deutschen Sprache zu recht. Als zweite Fremdsprache lernt der Große seit diesem Schuljahr Englisch – und im nächsten Jahr kommt Französisch hinzu.

Eva Keller