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TU Darmstadt mit Wettbewerbsvorteil

Interview mit dem Sprecher des Siegerteams von der Technischen Universität Darmstadt Nicolas Justus

Am vergangenen Freitag ist das Studierendenteam der Technischen Universität Darmstadt gemeinsam mit Kommilitonen der Universität Karlsruhe mit dem 1. Platz beim Postbank Finance Award ausgezeichnet worden. In ihrem Wettbewerbsbeitrag hatten Christian Eufinger, Nicolas Justus, Pascal Morschett, Julian Thiel und Lucas Weiss sowie ihr Betreuer Prof. Heribert Anzinger „Lehren aus der Finanzkrise“ gezogen. Der Preis ist mit einer Honorierung von 30.000 Euro verbunden. Das Geld wird sowohl dem Lehrstuhl wie auch dem Team zugute kommen.

Hallo Herr Justus und Glückwunsch! Sie und Ihre Kommilitonen der TU Darmstadt haben beim diesjährigen Postbank Finance Award den ersten Platz belegt. In der Laudatio hat der Juryvorsitzende Prof. Günter Franke davon gesprochen, dass Ihr Wettbewerbsbeitrag an den „Kern des Problems“ geht.

Wir sind ziemlich stolz auf unseren Erfolg. Vor allem weil wir im Gegensatz zu den meisten anderen Teams keine klassischen Wirtschaftswissenschaftler sind, sondern Wirtschaftsingenieure. Dass wir uns trotzdem durchsetzen konnten, hat uns überrascht und unserer Ehrung einen besonderen Kick verliehen…

… Zudem ist Ihr Betreuer, Professor Herbert Anzinger Jurist. War das interdisziplinäre Arbeiten ein Vorteil für Sie?

Ich glaube, dass wir dadurch bei einer so vielschichtigen Fragestellung einen Wettbewerbsvorteil hatten. Wir sind es gewohnt mit und von anderen Fachrichtungen zu lernen und uns auch in »fachfremde« Themenstellungen einzuarbeiten. Es ist ein großer Vorteil, dass an der TU Darmstadt so viele verschiedene Fachgebiete vernetzt sind und wir wichtige Tipps im Gespräch mit Assistenten und Professoren auch anderer Lehrstühle sammeln konnten.

Um was geht es in Ihrem Wettbewerbsbeitrag?

Unter anderem um die Frage, welche Auswirkungen es hat, dass das Management Entscheidungen trifft, die damit verbundenen Risiken aber nicht selber tragen muss. Wir haben Lösungen gefunden, wie dies künftig verhindert werden kann. Unter anderem durch Veränderungen an den Gehaltsstrukturen und deren Kopplung an die regulatorischen Vorgaben des Staates.

Der Postbank Finance Award ist nicht nur der höchstdotierte, sondern vermutlich auch der anspruchsvollste wirtschaftswissenschaftliche Hochschulwettbewerb Europas. Wie viel Zeit musste Ihr Team investieren, um den Wettbewerbsbeitrag fertig zu stellen?

Wir haben uns in der Tat „ordentlich reinhängen“ müssen. Wir haben im August letzten Jahres angefangen. Bis zum Abgabetermin im März hat jeder von uns vermutlich um die 1000 Stunden für diesen Wettbewerb gearbeitet.

Selbst bei Ihrem Gewinn von 30.000 € kommt man so natürlich nur auf einen recht geringen Stundenlohn.

Die Rechnung ist mir zu einfach. Das Geld ist ein Ansporn – mehr nicht. Um was es wirklich geht ist die Herausforderung sich mit einem Thema auseinander zusetzen, das enorme Tragweite hat und seine Ideen mit denen anderer Hochschulen zu messen. Immerhin haben sich fast 40 studentische Teams aus 26 Universitäten und Fachhochschulen an diesem Wettbewerb beteiligt. Jede mit einem weitreichenden Vorschlag, welche Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen sind. Ich kann mir kaum etwas Spannenderes vorstellten. Dass unsere Arbeit durch den Award einem sehr großen und qualifizierten Interessentenkreis zugängig gemacht wird, ist ein zusätzlich motivierender Faktor.

Haben Sie so wenig Interesse an den Freizeitmöglichkeiten der Stadt, dass man die immer knapper werdende studentische Freizeit freiwillig hinter Büchern verbringt?

Es gibt ja keinen Zwang an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Das Forschen im Team ist durchaus eine gute Art, die Zeit zu verbringen. Bei uns ist auch der Spaß nicht zu kurz gekommen.

Haben Sie es nie bereut, sich an dem Wettbewerb beteiligt zu haben?

Die letzten zwei Tage vor Abgabe: Ja. Zu dieser Zeit war der Stress am größten und wir wurden uns bewusst, welche Aspekte wegen des Zeitdrucks nicht mehr behandelt werden können. Heute im Rückblick aber würde ich jedem Kommilitonen empfehlen sich ernsthaft zu überlegen, ob er sich an dem Wettbewerb beteiligen will. Unabhängig vom monetären Gewinn sind die Erfahrungen, die man sammelt, unbezahlbar.

Professor Anzinger ist Junior-Professor, also per Definition etwas jünger als die meisten Professoren. Inwieweit war dies ein Vorteil?

Ich kann nicht beurteilen, wie die Betreuung bei einem anderen Lehrstuhl gewesen wäre. Mit Sicherheit aber hat der Umstand, dass Professor Anzinger uns engagiert und ohne Rücksicht auf die eigene Freizeit unterstützt hat, auch etwas damit zu tun, dass er noch vergleichsweise jung ist.

Was machen Sie mit dem Gewinn?

Er wird investiert. Ein Teil des Teams wird in den kommenden Wochen die Hochschule verlassen und in das Berufsleben beziehungsweise in eine Promotion einsteigen. Insofern nutzen wir das Geld als Startkapital.